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Seinen 65. Geburtstag verbringt kbo-Geschäftsführer Gerald Niedermeier heute an seinem Schreibtisch. 

Menschenfreund und Macher

kbo-Geschäftsführer Niedermeier: Erst der Geburtstag, dann der Ruhestand

  • Peter Reinbold
    vonPeter Reinbold
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Bei den kbo-Kliniken geht bald eine Ära zu Ende. Geschäftsführer Gerald Niedermeier wird sich Ende November in den Ruhestand verabschieden. Heute feiert der Mann, der von Garmisch-Partenkirchen aus seit 20 Jahren die Geschicke von vier psychiatrischen Kliniken in vier oberbayerischen Landkreisen leitet, seinen 65. Geburtstag.

Garmisch-Partenkirchen – Manche Menschen wollen ihren Geburtstag, besonders wenn es einer mit Symbolkraft ist, zu Hause im Kreise ihrer Familie feiern. 65 wird Gerald Niedermeier heute. Eine Zahl, die noch vor ein paar Jahren den Rentenbeginn markierte. Der Geschäftsführer der kbo-Lech-Mangfall-Klinik gGmbH, die psychiatrischen Kliniken des Bezirks Oberbayern in Garmisch-Partenkirchen, Landsberg, Agatharied und Peißenberg betreibt, hat sich dafür entschieden, fast alles so zu machen wie immer. Niedermeier wird in seinem Büro an der Auenstraße 6 in Garmisch-Partenkirchen an seinem Schreibtisch sitzen, als sei’s ein ganz normaler Arbeitstag. Ist es natürlich nicht. Er wird viele Hände schütteln müssen, die Glückwünsche seiner Beschäftigten und wahrscheinlich auch von Patienten entgegennehmen. Und er wird Kuchen bekommen. Eine Mitarbeiterin der PR-Abteilung hat gebacken. Käsekuchen – wie von Niedermeier bestellt.

Er wird den Tag genießen, weil er weiß, dass seine Zeit als kbo-Geschäftsführer ein Verfallsdatum hat. Ende November 2020 geht Niedermeier in den Ruhestand. Wer ihm nachfolgt? Unklar. Gespräche sollen laufen. Niedermeier will sich nicht einmischen. „Ich halte mich mit Äußerungen zurück“, sagt er. Damit der Übergang reibungslos vonstattengeht, hat er sich bereit erklärt, etwas länger zu bleiben als er geplant hatte. Ein bestelltes Haus will er übergeben. In seinem und im Interesse der 500 Mitarbeiter. „Sie sollen sicher sein, dass sie ihren Job behalten, wenn ich weg bin.“ Auf die Frauen und Männer, die bei den kbo-kliniken auf der Gehaltsliste stehe, hält er große Stücke. „Ich habe tolle Mitarbeiter“, sagt er stolz.

Wer sich im Haus umhört, der erfährt, dass auch die Beschäftigten viel von ihrem Chef halten. Niedermeier sei ein nahbarer, kein harter Vorgesetzter. „In meiner Position braucht man ein Gespür für Leute und Patienten“, erklärt er.

Das zeichnet ihn aus. Schon immer. Der Menschenfreund ist gleichzeitig Macher. „Ich bin einer, der etwas umsetzen und bewirken will“, sagt Niedermeier. Das ist ihm gelungen, obwohl er es in seiner Position nicht immer leicht gehabt hat. „Die Politik ist manchmal etwas schwerfällig.“ 2018 konnte er ein großes Vorhaben abschließen. Für 12,5 Millionen Euro ließ er das in die Jahre gekommene Hauptgebäude aufstocken und zwei neue Stationen bauen. Die Erweiterung war nötig. Der Bedarf hat enorm zugenommen. Die Zahl der psychischen Erkrankungen sei allgemein nicht gestiegen, sagt Niedermeier, „aber die Inanspruchnahme“. Menschen wagen es mittlerweile immer häufiger, Hilfe zu suchen. Von 100 Patienten werden Niedermeier zufolge lediglich acht bis neun eingewiesen. „Die anderen sind freiwillig da.“ Ein Erfolg, den er gemeinsam mit dem ehemaligen Chefarzt Dr. Josef Scherer geschafft hat. „Es ist uns gelungen, die Stigmatisierung abzubauen und die Angst zu nehmen.“

Damit dies weiter geschieht und die Patienten Linderung oder Heilung erfahren, ist er stets für neue Wege offen. Seit 2011 gibt es an den kbo-Kliniken eine Hundetherapie. Der Star in Garmisch-Partenkirchen ist sein eigener Vierbeiner, der schwarze Labrador Feruschko. Mitgebracht hat er ihn aus einem Tierheim in Portugal. Ausgebildet wurde er zum Rettungshund in Österreich. Niedermeiers Frau Cristina, eine Portugiesin, arbeitet in der Klinik mit Hund und Patienten. Es ist für Tier und Mensch eine Win-win-Situation. „Die Patienten sind begeistert. Viele reagieren gut auf Hunde“, erklärt Niedermeier. Feruschko geht wie sein Herrchen bald in Ruhestand. Feruschkos Nachfolge ist indes schon geregelt. Seine Arbeit übernimmt Podenko-Mischling Leia, die ebenfalls zum Niedermeier’schen Haushalt gehört.

Müssen Feruschko und Leia keinen Dienst am Patienten leisten, sind sie jeden Morgen mit Niedermeier unterwegs. Bewegung und vor allem Sport sind ihm wichtig. Schon immer gewesen. In München-Giesing geboren spielte er Fußball zunächst beim FC Bayern, dann bei der SpVgg Unterhaching unter so prominenten Trainern wie den beiden Ex-Löwen Hansi Reich und Peter Grosser. Allerdings ohne groß Karriere zu machen. „Die zahlreichen Unterhachinger Aufstiege gelangen allesamt ohne mich.“ Auch als Marathonläufer und Triathlet war er aktiv. Täglich joggt er zehn Kilometer. Unterwegs ist er dabei meist von der Windbeutelalm zum Pflegersee.

Aktiv bleiben will er auch im Ruhestand. Geplant ist, den wechselweise in Garmisch-Partekirchen und Portugal zu verbringen. Und eheramtlich möchte Niedermeier arbeiten. „Nicht bei der kbo-Klinik.“ Vorgenommen hat er sich auch, wieder häufiger Gitarre zu spielen. „Da möchte ich weiterkommen.“ Wenn er denselben Ehrgeiz an den Tag legt, wie in seinem Job, wird ihm das sicherlich gelingen.

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