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Traumpaar: 2014 gewannen Franziska Preuß und Simon Schempp – am Samstag starten sie wieder gemeinsam.

Suchen und betteln

Keine Wertschätzung für den City-Biathlon 

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Vor dem 22. City-Biathlon kämpft der SC Garmisch mit nie dagewesenen Problemen: Neben Geld fehlen diesmal sogar Sachpreise für die Junioren. Außerdem hat einer der Stars krankheitsbedingt abgesagt.

Garmisch-Partenkirchen – Es gibt tatsächlich Dinge, für die Peter Fischer nicht bezahlen muss. Fragen kostet ihn nichts. Also hat er am Donnerstag Laura Dahlmeier gefragt, ob sie doch noch – ganz spontan – beim City-Biathlon im Garmischer Zentrum am Samstag starten möchte.

Gestern hat er noch keine Antwort erhalten.

Aber Fischer, der als Vorsitzender von SC Garmisch und Weltcup-OK auch den City-Biathlon organisiert, kann sich eh denken, was die Laura sagen wird: Leider nein. Das Spektakel in der Schalker Arena, das gestern Abend stattfand, hatte die Garmisch-Partenkirchnerin im Vorfeld krankheitsbedingt abgesagt. Sie werde kaum zwei Tage später in der Heimat laufen „können oder dürfen“, glaubt Fischer. Gesundheit geht vor. Erst recht im Olympia-Winter.

Biathleten, sagt der SCG-Boss, erinnern ihn an Rennpferde. Hochsensible Wesen, die man behüten und schonen muss. Fischer lacht. „Die Alpinen sind da robuster.“ Er macht keinem einen Vorwurf, denn Fischer kennt und versteht das Geschäft. Außerdem möchte er nicht klagen. Ihn trifft es lange nicht so hart wie die Gelsenkirchner, denen gleich mehrere Stars – darunter Zugpferd Dahlmeier – krankheitsbedingt absprangen. „Dadurch steigt die Wertigkeit für uns“, sagt der Clubchef. Lediglich Maren Hammerschmidt rief ihn Mittwochabend an und übermittelte, dass auch sie erkältet im Bett liegt. Seitdem sucht er nach Ersatz. Es gebe mehrere Optionen, aber noch keine endgültige Entscheidung. Die erwartet Fischer erst im Laufe des heutigen Freitags.

Die kurzfristige Absage beunruhigt ihn kein bisschen. Seit Jahren ist er es gewohnt, zu suchen und zu bitten. Bislang fehlte immer Geld, um das Rennen zu finanzieren („ein Dauer-Thema“). Diesmal geht eben noch ein Starter ab. Ach, und den Sachpreisen für die Juniorenrennen „laufen wir auch noch hinterher“. Etwa die Hälfte an Präsenten fehlt. Die „üblichen Verdächtigen“, so nennt sie Fischer, haben geholfen und gespendet. Doch er vermisst weitere Unterstützung. Er hat es mit einer Mail an sämtliche Firmen und Geschäfte probiert. Das Ergebnis sei „niederschmetternd“. Fischer stellt klar, dass es nicht um große Summen geht, sondern um kleine Präsente. Ein Zuckerl, das dem Nachwuchs eine Freude bereiten soll. Doch „es ist gar keine Wertschätzung da“, sagt er. „Ich komme mir vor wie ein Bettler.“ Dieser Frust übertrage sich auf die Helfer, die trotz der Sorgen um Geld und Finanzierung immer Spaß hatten. Fritz Dopfer senior, der Vorsitzende des Skigau Werdenfels, hat kürzlich zu Fischer gesagt: „Hör’ doch auf.“ Das wollte der SCG-Chef nie. Aber nun grübelt der Vorsitzende. „So weit unten waren wir noch nie.“

Aber ein Peter Fischer gibt nicht auf. Alleine das Starterfeld sei ja eine Schau, schwärmt er. Besser als auf Schalke. Franziska Preuß und Simon Schempp bringen es auf fünf Weltmeistertitel. Beide bilden nicht nur ein persönliches (sie sind liiert), sondern auch ein sportliches Paar. 2014 hatten sie gemeinsam gewonnen. Selbstverständlich teilte sie Fischer wieder gemeinsam ein. Die Pärchen stellt er nach Leistung auf. Preuß und Schempp, die Aushängeschilder, gehen mit Startnummer eins auf die Loipe durch die Garmischer Fußgängerzone. Es folgen Vanessa Hinz und Johannes Kühn, Nadine Horchler (der Dahlmeier-Ersatz auf Schalke) und David Zobel sowie Matthias Bischl, der noch auf seine Partnerin wartet. Auch Miriam Gössner, die Felix Neureuther geheiratet hat, kommt. Sie feuert den Startschuss ab. Fischer hofft auch auf Dahlmeier. Wenn nicht als Läuferin, dann wenigstens als Zuschauerin.

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