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Großartig: der Zwerg Nase (Tessa Imminger, 2.v.r.) mit dem Herzog (Martin Kirschner, r.) und dessen Küchentruppe. 

Theatergruppe Creme Frech

„Zwerg Nase“ ganz groß

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Alle Jahre wieder: Das Weihnachtsmärchen von Creme Frech besitzt Tradition – und ist auch bei der 20. Auflage nicht in die Jahre gekommen. Im Gegenteil: Mit „Zwerg Nase“ gelingt Regisseurin Meggy Schäfer und ihrer Theatergruppe ein besonders großer Wurf.

Garmisch-Partenkirchen – Es passt zum Stoff von „Zwerg Nase“, dass eine Kleine der Riese ist. Die zwölfjährige Tessa Imminger spielt am Samstag die Titelrolle bei der Premiere des diesjährigen Weihnachtsmärchens der Theatergruppe Creme Frech, und sie gibt den buckligen und hässlichen Kleinwüchsigen mit dem Haken-Zinken so unglaublich gut, als mache sie ihr ganzes Leben nichts anderes. Wobei dazu nicht allzu viel fehlt: Mit sechs Jahren, sagt Tessa, stand sie erstmals auf der Bühne. Regisseurin und Gesamtleiterin Meggy Schäfer bescheinigt der Zwölfjährigen, die erstmals eine Hauptrolle ausfüllt: „Sie ist ein Theater-Talent.“

Davon hat Schäfer heuer einige zu bieten: erfahrene und neue, die das Ensemble mehr als ergänzen. „Zwerg Nase“, das 20. Weihnachtsmärchen von Creme Frech auf der Bühne U1, das auf einer rund 200 Jahre alten Geschichte von Wilhelm Hauff basiert, sticht aus den immer sehenswerten Schäfer-Produktionen der vergangenen Jahre heraus. Die Charaktere sind durch die Bank gut besetzt, ein paar sogar hervorragend. Und selten ging das Rezept der Gruppe – Kinder, Jugendliche und Erwachsene stellen gemeinsam ein Theaterstück auf die Beine – so stimmig und unterhaltsam auf. Einige der Neuen sind für das Ensemble ein echter Gewinn: zum Beispiel der Banker Martin Kirschner, der als schlemmender Herzog eine königliche Mimik und Gestik offenbart und das Zeug zur Rampensau im besten Sinne besitzt. In Wolfgang Hottaß (Kalif/Schuster), der im Sommer bei Creme Frech eingestiegen ist, findet er einen kongenialen Partner.

Urgestein von Creme Frech: Karolina Kleisl (M.) glänzt als altes Weib (mit Wolfgang Hottaß, l., und Sigrid Hornsteiner). Kleisl wirkt seit 20 Jahren in allen Weihnachtsmärchen mit.

Doch auch die zum Teil langjährigen Ensemblemitglieder können’s. Karolina „Nini“ Kleisl zum Beispiel, die als einzige Darstellerin bei allen Weihnachtsmärchen mitwirkte. Diesmal spielt die 64-jährige gebürtige Garmisch-Partenkirchnerin im Wechsel mit Neuzugang Heidi Ehrhardt die Rolle des alten Weibs. Kleisl macht’s grandios: Als hässliche, bucklige, garstige Alte, die mit bösartig-diabolischer Stimme höhnt, die mit dem Kopf zuckt, mit einem Bein nach hinten ausschlägt und sich auf den Stock gestützt die Treppen im U1 hocharbeitet, ist sie für manche ganz kleine Zuschauer der Kinder-Schreck – und das personifizierte Böse im Stück. Die Alte, in Wirklichkeit Fee Kräuterweis, verzaubert nicht nur Jakob (Max Jeschke) in einen hässlichen Zwerg, sondern auch das Mädchen Mimi (Anna Lexa) in eine Gans. Im bezaubernden weißen Federvieh-Kostüm steckt Theresa Fischer, mit zwölf Jahren ebenfalls eine der ganz Jungen im Ensemble, die ihre Sache so gut machen wie die Älteren. Am Ende gibt es viel Applaus. Er ist hochverdient.

Bei Creme Frech greift über Generationengrenzen hinweg wieder einmal ein Rädchen ins andere; Bühne (Karin Rudolf) und Kostüme (Sabine Bachmann) sitzen, für die Klavierbegleitung sorgt live der 82-jährige Fritz Burger. Auch im Hintergrund läuft alles, weil das Team um Meggy Schäfer das Projekt trägt – wie Ursula Hinz, die alle Märchenplakate gestaltete.

Das spüren die Zuschauer, Creme Frech kommt an. Die ursprünglich fünf öffentlichen Aufführungen – zehn weitere sehen geschlossene Gruppen aus Kindergärten, Schulen und caritativen Einrichtungen – sind ausverkauft. 

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