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Klinikum investiert in Beine und Steine

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Von: Peter Reinbold

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Zupackend: Klinikum-Geschäftsführer Bernward Schröter hat noch viel vor. © Sehr/Archiv

Das Klinikum Garmisch-Partenkirchen scheint ein Vorzeigekrankenhaus zu sein – zumindest was die finanzielle Situation angeht. Es schreibt weiter schwarze Zahlen. Nicht selbstverständlich für einen Gesundheits- Betrieb, der unter kommunaler Trägerschaft steht, weil anderswo Kliniken dieses Zuschnitts wirtschaftliche Probleme plagen. Jetzt soll auch ins Pflegepersonal investiert werden.

Landkreis – Was in jedem Krankenhaus zählt, ist – neben dem Auftrag, kranken Menschen zu helfen, sie, soweit es geht, wieder gesund zu machen – das Geld. Heute mehr denn je. Die Lebensretter, die großen Operateure und das Pflegepersonal arbeiten alle nicht nur für ihre Patienten, sondern auch für die Klinikbilanz. Die Gesundheit ist ein Mega-Geschäft. Ein Geschäft, das in Garmisch-Partenkirchen gut läuft. Besser als anderswo im Oberland. Manche würden sich sogar dazu hinreißen lassen zu behaupten, es brummt. Für 2018 weist die Bilanz erneut einen Gewinn von fast zwei Millionen Euro aus. Kommunale Krankenhäuser in den Nachbarlandkreisen schreiben hingegen rote Zahlen. „Den Überschuss brauchen wir auch“, sagt Geschäftsführer Bernward Schröter. Seine Aufsichtsräte und die Kommunalpolitiker, die im Kreistag sitzen, bekniet er in jeder Sitzung, diesen Gewinn nicht anzutasten. „Ich sage immer: Geht da ja nicht ran. Wir brauchen das Geld.“

Wofür? „Um zu investieren“, sagt er. Den Millionen-Gewinn gedenkt Schröter in Beine zu investieren. Soll heißen: In pflegendes Personal, nachdem er in der Vergangenheit vor allem bei den Ärzten aufgerüstet hatte. Rund 60 Ärzte mehr stehen seit 2015 auf der Gehaltsliste. „Jetzt wollen wir uns stärker auf die Pflege konzentrieren“, erklärt er. Da bestehe Nachholbedarf. In der Tat. Zwischen Ende 2015 und heute gab es dort nur einen Zuwachs von 45 Vollzeitstellen. „Das darf man nicht mit Köpfen verwechseln“, stellt Maria Mayer aus der PR- und Marketingabteilung klar.

Viele Jahre waren die Überschüsse fast ausschließlich in Steine geflossen. Und Schröter will das auch weiter tun. Diesmal allerdings über Kredite. Zehn Millionen Euro sollen dem Haushaltsplan des Landkreises zufolge heuer aufgenommen werden. „Die Investitionen von 18,5 Millionen Euro konnten wir nicht aus dem laufenden Betrieb decken“, sagt Schröter. „Ob wir das alles benötigen, ist nicht sicher. Aber wir haben Bewegungsspielraum.“ Damit steigt der Schuldenstand zwar auf 19,5 Millionen Euro, doch Schröter schafft Werte. Das Geld steckt der Geschäftsführer, dessen Fünf-Jahres-Vertrag Ende 2020 ausläuft – Verlängerung nicht ausgeschlossen –, zum Großteil in den Kauf eines Hotels in Ohlstadt (1,5 Millionen Euro), das zu 19 Mitarbeiterwohnungen umgebaut wird, in 38 Wohnungen für Klinikpersonal, die auf dem Bahnhofsgelände in Garmisch-Partenkirchen entstehen (5,7 Millionen Euro). 180 Einheiten existieren bereits seit Jahrzehnten auf dem Gelände am Klinikum. Der Rest ist für den Klinikum-Kindergarten, für den der Markt Garmisch-Partenkirchen 1,3 Millionen Euro zuschießt, sowie für ein Parkhaus, den Parkplatz, Containermodule und anderes Notwendige vorgesehen.

Alles Dinge, mit der Schröter im Kampf um neue Mitarbeiter punkten und die Stammkräfte binden will. Klar ist nämlich: Sämtliche Krankenhäuser in Deutschland suchen händeringend Pflege-Personal, nachdem man jahrelang an diesem gespart hatte, um die Kosten zu senken und Gewinne zu machen. Was auch die Qualität leiden ließ.

Der Spagat ist in Garmisch-Partenkirchen ganz passabel gelungen. Anders als die Häuser in den Landkreisen Weilheim-Schongau oder Bad Tölz-Wolfratshausen steht das Klinikum auf gesunden Füßen. Es ist gewachsen und dürfte nicht Gefahr laufen, zu den Verlieren der Bundespolitik zu gehören. In Berlin wird darüber nachgedacht, kleine Krankenhäuser zu schließen und schlagkräftigere und spezialisierte Einheiten zu schaffen. „Man will Zentren haben“, sagt Schröter. Als größter Player südlich von München gilt das Klinikum Starnberg, das Schröter als direkten Konkurrenten sieht und das es abzuwehren gilt. Ihm schweben deshalb Kooperationen vor, vielleicht auch Übernahmen. Mit den Kliniken in Weilheim und Schongau besteht schon eine Zusammenarbeit über die Apotheke, das Krankenhaus in Wolfratshausen ist daran interessiert, Fachärzte für Sprechstunden aus Garmisch-Partenkirchen zu bekommen. Schröter will allerdings nicht nur geben, sondern auch nehmen. Es könne nicht sein, „dass wir die Diagnosen stellen, die vielleicht notwendigen Operationen, dann in Wolfratshausen gemacht werden“. Die bringen Geld. Das spielt neben der Gesundheit in einer Klinik die größte Rolle.

Stühlerücken bei den Chefärzten

Die Chefärzte des Klinikums Garmisch-Partenkirchen besitzen einen hervorragenden Ruf. Drei von ihnen, Professor Dr. Hans-Dieter Allescher (Innere Medizin), Dr. Christian Fulghum (endogap) und Professer Dr. Herbert Ley (Urologie) setzte das Magazin Focus zum Beispiel 2016 auf die Liste der Top-Mediziner Deutschlands. Bei den Klinikums-Chefärzten steht allerdings ein großes Stühlerücken an. Innerhalb der nächsten fünf Jahre gehen 10 der 14 in den Ruhestand. Den Anfang macht am 31. Juli Dr. Franz Dotzer (Foto), der zusammen mit Alleschescher und Dr. Helmut Lambertz das Zentrum Innere Medizin leitet. Als nächster folgt am 31. August 2020 Dr. Ley. Die Nachfolge-Suche ist

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© FOTOPRESS THOMAS SEHR

angelaufen. „Wir haben uns vor allem in Bayern und Baden-Württemberg umgeschaut“, sagt Klinikum-Geschäftsführer Bernward Schröter. Aber es soll auch Bewerber geben, die derzeit an der Berliner Charité arbeiten. Da man in Klinikum nicht gewillt ist, die Katze im Sack zu kaufen, werden die potenziellen Chefärzte in einem Auswahlverfahren auf Herz, Nieren und ihre Qualifikation geprüft. Dazu gehört auch, dass diese Spitzenmediziner im Klinikum praktische Proben ihres Könnens ablegen müssen. Zudem, so heißt es, werden ihre wirtschaftliche und soziale Kompetenz unter die Lupe genommen.

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