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Ersatz für den Kurpark Partenkirchen: Dieser Weg soll in Zukunft Hermann Levi gewidmet sein.

Levi und die Allianz der Konservativen

Kurpark Partenkirchen wird nicht zum Hermann-Levi-Park

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Der Kurpark Partenkirchen wird nicht nach Ehrenbürger Hermann Levi benannt. Die Mehrheit des Gemeinderats hat dies in einer emotionalen Debatte verhindert und den anderen jüdischen Ehrenbürger Georg Ludwig Mayer-Doß gegen Levi gesetzt.

Garmisch-Partenkirchen – Aus allen Wolken ist Alois Schwarzmüller gefallen, als er erfuhr, was sich am Mittwochabend im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat abgespielt hatte. Das Gremium beschloss zwar, das Grab von Hermann Levi am Riedberg in einen würdigen Zustand zu versetzen, eine Gedenkstätte zu errichten und 2020 ein Hermann-Levi-Gedenkjahr auszurichten. Die Umbenennung des Kurparks Partenkirchen in Hermann-Levi-Park verweigerte allerdings die Mehrheit der Kommunalpolitiker. „Das ist unverschämt und unverständlich“, ereiferte sich Schwarzmüller. Der Historiker und SPD-Grandseigneur, ehemaliger Gymnasiallehrer, hat dem Ort in puncto Nazivergangenheit schon häufig den Spiegel vorgehalten. Er gilt als moralisches Gewissen. „Für mich ist das ein Drama, und Partenkirchen blamiert sich bis auf die Knochen.“

Eine Allianz der Konservativen votiert gegen die Umbenennung des Kurparks Partenkirchen

Es war eine Allianz der Konservativen, eine, die aus großen Teilen der CSU, des CSB, der Bayernpartei, der FDP und der Freien Wähler bestand. Aber nicht nur: Mit Angela Nieting verhinderte selbst eine SPD-Gemeinderätin, dass Hermann Levi, jüdischer Ehrenbürger und weltberühmter Dirigent, seinem Leben und Wirken entsprechend mit der Umbenennung des Kurpark Partenkirchen in Hermann-Levi-Park geehrt wird. Dafür votierten Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer, Jacqueline Steinberg, Mechthild Morhart, Ursula Höger (alle SPD), Vize-Bürgermeister Wolfgang Bauer und Markus Baur (beide CSU), Peppi Braun, Dr. Stephan Thiel, Alexandra Roos-Teitscheid (alle Grün-Unabhängige Fraktion), Florian Hilleprandt (CSB) und Robert Allmann (parteifrei). Am Ende hieß es 19:11 für die Gegner. „Die Argumente, die gegen die Umbenennung des Partenkirchner Kurparks angeführt wurden, waren teilweise hanebüchen, und die Diktion im Laufe der Diskussion beschämend“, sagt Meierhofer. Levi erhält jetzt im Umfeld der Gedenkstätte einen Gedenk- und Lebensweg, der würdig ausgestaltet werden soll. Derzeit ist der Weg allerdings wenig repräsentativ. Da kommt viel Arbeit auf den Bauhof zu. „Ich verstehe den neu formulierten Beschluss als klaren Auftrag, die Planung von Gedenkstätte und -weg nun in professionelle Hände zu geben und werde hinsichtlich des weiteren Vorgehens zunächst den Gestaltungsbeirat einbeziehen“, erklärt Meierhofer.

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Ortshistoriker schreibt an die Gemeinderäte von Garmisch-Partenkirchen - ein Schriftsatz mit großer Wirkung

Gefallen ist die Entscheidung auf Basis eines Schriftsatzes von Ortshistoriker Josef Ostler an die Gemeinderäte, der den anderen jüdischen Ehrenbürger Georg Ludwig Mayer-Doß über Levi stellte. Mayer-Doß errichtete gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Villa Christina, in der sich heute das Richard-Strauss-Institut befindet. Auch das Grundstück des Kurparks Partenkirchen gehörte ihm. Die Schlüsselworte dieser vermeintlichen Expertise: Den Kurpark in Herman-Levi-Park umzubenennen, käme einer Herabwürdigung von Mayer-Doß und seiner Familie gleich. „Zwei Ehrenbürger gegeneinander auszuspielen, das ist bedenklich“, sagte Dr. Stephan Thiel. Seine Fraktionskollegin Alexandra Roos-Teitscheid befand: „Hat man endlich einen Grund gefunden, den Kurpark nicht Levi zu widmen.“ Andreas Grasegger (Bayernpartei) meinte, der Kurpark dürfe nicht angetastet werden. Walter Echter (CSB) schwang sich zum schärfsten Kritiker der Kurpark-Lösung auf und verstieg sich zu einer Medienschelte. „Wir entscheiden, was passiert, nicht die Presse.“ Der Hintergrund: Das Tagblatt hatte die Zustände am Levi-Grab 2012 aufgedeckt und immer wieder einen würdigen Umgang mit dem jüdischen Dirigenten angemahnt. Als Partenkirchner Wohltäter hatte Levi Geld unter anderem für den Bau der Wasserversorgung gespendet.

Bis auf Markus Baur hüllte sich die CSU-Fraktion in Schweigen. Der Gymnasiallehrer hat sich nach eigenen Worten eingehend mit Levi beschäftigt und einen Vortrag bei Kolping über ihn gehalten. Er sei dafür, den Kurpark Partenkirchen nach Levi zu benennen. Genutzt hat sein Appell nichts. Nicht einmal bei seinen Parteifreunden, geschweige denn bei den anderen Gegnern.

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Kommentar: Nicht mehr als ein kleines Feigenblatt

Was macht den Partenkirchner Kurpark so einzigartig, dass er unantastbar ist? Diese Frage muss gestellt werden. Eine Antwort darauf zu finden – schier unmöglich. 

Die Mehrzahl der Garmisch-Partenkirchner Gemeinderäte wehrt sich mit Händen, Füßen und Spitzfindigkeiten dagegen, dass er in Zukunft den Namen des verstorbenen Ehrenbürgers und berühmten Dirigenten Hermann Levi trägt. Um dies zu verhindern, ist jedes Mittel recht. Sogar ein anderer jüdischer Ehrenbürger, der sich ebenso wie Levi um Partenkirchen verdient gemacht hat: Georg Ludwig Mayer-Doß. Mancher Kommunalpolitiker übernimmt ungeprüft die Wortwahl, die der Ortshistoriker Josef Ostler in einem Schreiben an die Gemeinderäte gewählt hat. Den Kurpark Partenkirchen in Hermann-Levi-Park umzubenennen, käme Ostler zufolge einer Herabwürdigung von Mayer-Doß und seiner Familie gleich. Was für ein verquerer Schluss. Würde der Kurpark den Namen von Mayer-Doß tragen und müsste dieser zugunsten Levis weichen, könnte man dies folgern. Da dies nicht der Fall ist, wird weder Mayer-Doß noch dessen Familie herabgewürdigt. Herabgewürdigt wurde in den vergangenen Jahrzehnten und wird heute einzig und allein das Leben, das Werk und die Person Hermann Levi. Und dies in einer verstörenden Art und Weise sowie in einer unangemessenen Diktion. Diesmal von Mitgliedern eines Gemeinderats, die es besser wissen müssten, die ein fatales Signal gesendet haben und die wohl vor ihrer (Wahl-)Klientel eingeknickt sind. Einer, ganz genau CSB-Mann Walter Echter, tut gar so, als habe er den Namen Levi vor zwei Jahren erstmals bewusst wahrgenommen. Da muss er viele Dinge, die in der Vergangenheit passiert sind, ausblenden, oder er wird von Erinnerungslücken geplagt. 

Echter gehörte schon von 2008 bis 2014 dem Gemeinderat für das Christlich Soziale Bündnis an. Zur Erinnerung für alle, die es vergessen haben: 2012 versuchten CSB-Bürgermeister Thomas Schmid und der Gemeinderat ein Teilstück der Hindenburgstraße in Hermann-Levi-Straße umzubenennen. Gescheitert sind sie an der Ablehnung der Bevölkerung, die bei einem Bürgerentscheid dagegen votierte. 

Mut sollte einen Politiker auszeichnen, Steherqualitäten. Nicht Verzagtheit. Martin Schröter, der seine Meinung flugs ändert, damit er am Puls der Bürger ist, führt die Liste jener an, die Levis Namen nicht mehr mit dem Kurpark Partenkirchen in Verbindung gebracht sehen wollen. Dabei hatte er jahrelang für den Kurpark Partenkirchen als den richtigen Gedenk-Ort von Hermann Levi getrommelt. Die jetzige Lösung ist nicht mehr als ein kleines Feigenblatt. Es soll dokumentieren: Seht her, wir tun doch was. Ein bislang unbenannter Weg, ein besserer Trampelpfad, der zwar würdig gestaltet werden soll, wird Levi nicht gerecht. 

Und noch etwas: Wenn Mayer-Doß so wichtig für Partenkirchen war, dann sollen sich jene, die Levi aus diesem Grund den Kurpark Partenkirchen verweigern, dafür einsetzen, dass er nach Mayer-Doß benannt wird. Geschehen wird das nicht. Man findet sicher zig schlechte Gründe, es zu lassen, weil der Kurpark Partenkirchen unantastbar ist.

Peter Reinbold

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