Ein Leichtathlet beim Weitsprung
+
Bei den Mehrkampfmeisterschaften trafen 2018 Bayerns beste Leichtathleten und Leichtathletinnen im Stadion am Gröben aufeinander (Archivbild).

Sportliche Aushängeschilder Fehlanzeige

Lilian Edenhofer kritisiert Sportförderung: Unverständnis bei Bürgermeisterin Koch

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
    schließen

Olympische Winterspiele, zwei Alpine Ski-Weltmeisterschaften, das Neujahrsspringen: Sport ist aus Garmisch-Partenkirchen gar nicht wegzudenken. Trotzdem fürchtet Lilian Edenhofer um den Ruf des Ortes als „Sportgemeinde“.

  • Lilian Edenhofer (Freie Wähler) beklagt in einer Anfrage ans Rathaus fehlende Trainingsmöglichkeiten für den Sportnachwuchs.
  • Der Vorstoß irritiert Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU).
  • Edenhofer hatte im Vorfeld keinen Kontakt zu Vereinen.

Garmisch-Partenkirchen – In einer dreiseitigen Anfrage ans Rathaus zählt sie zum einen die Probleme auf, die sie in ihrer Funktion als Kreisvorsitzende des Bayerischen Landes-Sportverbands (BLSV) ausgemacht hat, und fordert entsprechend Antworten. Zum anderen regt sie an, dass sich die Vertreter der Gemeinde doch mit den Vereinen zusammensetzen, „um festzustellen, wo tatsächlich der Schuh drückt“.

Ein Vorschlag, der Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) irritiert. „Wir stehen ständig in Kontakt mit den Vereinen.“ Dabei unterstreicht sie, dass der Markt allein für den Breitensport zuständig ist, „auch wenn uns Anlagen gehören, die dem Spitzensport dienen“. Dieser liege aber in der Verantwortung von Bund und Land. Aufgabe einer Kommune sei es, Einrichtungen zur körperlichen Ertüchtigung und Gesunderhaltung für seine Einwohner zu schaffen und zu erhalten und weniger Sportstätten für die Spitzensport- und Spitzensportnachwuchsförderung vorzuhalten oder gar auszubauen, heißt es in der Antwort, die Edenhofer aus dem Rathaus bekommt.

Bürgermeisterin Koch: „Wir geben Millionen für den Sport aus“

Trotzdem „geben wir Millionen für den Sport aus“, betont Koch. Für die Unterstützung des Breitensports hat der Gemeinderat in der vergangenen Sitzungsperiode eigene Richtlinien erlassen. Der Markt biete in zwei Bereichen verschiedene monetäre Förderungen an, erklärt Rathaussprecherin Sandra Debus. Über die allgemeine Vereinsförderung „werden jedes Jahr 100.000 Euro an die antragstellenden und förderberechtigten Vereine ausbezahlt“ – unter anderem für den Nachwuchs und Übungsleiter. Daneben gibt’s die Sonderförderung, die auf den zusätzlich angemeldeten Bedarf der Vereine eingeht. Hier sind heuer im Verwaltungs- 238.000 Euro und im Vermögenshaushalt 83.100 Euro vorgesehen. Somit fließen, sofern der Gemeinderat den Haushalt 2021 absegnet, 421.100 Euro an örtliche Sportvereine. Darin nicht enthalten sind die Kosten für Beschneiung und Präparierung der Weltcup-Strecken sowie für Trainingseinheiten des Deutschen Skiverbands und die Unterstützung des Neujahrsspringens. Zudem unterstütze der Markt die Vereine auch dadurch, dass sie gemeindeeigene Sportstätten (wie das Stadion am Gröben) grundsätzlich kostenfrei für Training und Wettkampf nutzen können. Eine Ausnahme bildet hierbei das Olympia-Skistadion.

Für Koch sind allein diese Zahlen ein eindrucksvoller Beleg, wie wichtig der Gemeinde das Thema Sportförderung ist. Die Ausbildung von Spitzensportlern, die Edenhofer aktuell vermisst, obliegt jedoch nicht der Kommune. In ihrer Anfrage beklagt die Freie Wählerin dennoch gebetsmühlenartig, dass „Spitzenathleten nur dann hervorgebracht werden, wenn sie ihren Disziplinbereich ganzjährig betreiben können. Dafür müssen allerdings die notwendigen Einrichtungen vorhanden sein.“ Nachdem diese ihr zufolge fehlen, „hat Garmisch-Partenkirchen keine sportlichen Aushängeschilder mehr“.

Anfrage ans Rathaus: Edenhofer hatte keinen Kontakt zu den Vereinen

Wer jetzt glaubt, dass sich Edenhofer im Vorfeld ihrer Anfrage mit den Verantwortlichen der Vereine ausgetauscht hat, liegt falsch. „Peter Gnilka hat mich auf das Thema aufmerksam gemacht.“ Der frühere Abteilungsleiter der Leichtathletikgemeinschaft (LAG) Garmisch-Partenkirchen informierte sie vor allem über vermeintliche Mängel im Stadion am Gröben. „Diese Anlage ist noch lange nicht in dem Zustand, dass Aktive für den Hochleistungssport ausgebildet werden können“, klagt Edenhofer. So fehlen ihr zufolge bei schlechtem Wetter: eine Halle, ein Kraftraum, ein Schulungsraum, Umkleide- und Duschmöglichkeiten für Buben und Mädchen sowie ein leicht zugänglicher Raum für die Maschinen des Platzwarts und die Gerätschaften, die zur Ausübung der jeweiligen Sportarten notwendig sind. „Derzeit werden Gerätschaften im Gesamtwert von weit über 100.000 Euro ganzjährig hauptsächlich im Freien gelagert“, empört sich Edenhofer.

Noch ein Vorwurf, den Bürgermeisterin Koch nicht nachvollziehen kann. Das Stadion am Gröben sei schließlich in erster Linie eine Schulsportanlage und folglich auf diese Bedürfnisse ausgelegt. Vereine, die das Angebot ebenfalls nutzen, könnten aber jederzeit mit der Gemeinde in Kontakt treten und darüber verhandeln, ob sie beispielsweise einen Container aufstellen können – auf ihre Kosten, versteht sich. Dieses Thema hat Gnilkas Nachfolgerin, Franziska Kieweg, auf dem Schirm, räumt ihm aber keine oberste Priorität ein. Entscheidend findet sie, „dass die Trainingssituation im Stadion am Gröben für die LAG für alle Altersklassen und Gruppen mehr als ausreichend ist“. In einem Schreiben an die Gemeinde betont sie vielmehr den guten Zustand der gesamten Anlage.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare