+
Stillstand herrscht auf der Burstraße im Ortsteil Garmisch wegen der Sperrung Münchner Straße in Partenkirchen.

Stau-Chaos Richtung Garmisch-Partenkirchen

Stundenlanger Stillstand auf den Straßen wegen Baustelle: Bauamt reagiert

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
    schließen
  • Katharina Bromberger
    Katharina Bromberger
    schließen
  • Josef Hornsteiner
    Josef Hornsteiner
    schließen

Damit haben nicht einmal Experten gerechnet: Ein beispielloser Stau mit bis zu vier Stunden Wartezeit bildete sich am Montag nördlich der Baustelle an der Münchner Straße im Ortsteil Partenkirchen. Das Staatliche Bauamt hatte die Lage falsch eingeschätzt - und reagierte sofort.

UPDATE vom 15. Juni, 18.40 Uhr: Garmisch-Partenkirchen – Die Kinder werden unruhig, quengeln. Seit fast einer Stunde stecken sie in dem weißen Fahrzeug mit rotem Schriftzug im Stau. Es geht keinen Meter voran. Wie betoniert stehen Autos und Lkw dicht an dicht. Für die Rot-Kreuz-Mitarbeiter des Schülerfahrdienstes ist die Situation „ein Wahnsinn“, sagt Franz Manghofer, Leiter des Sozialen Dienstes in Garmisch-Partenkirchen. Er plant den Transport der Schüler, die seit gestern wieder die Christophorusschule, das Sonderpädagogische Förderzentrum in Farchant, besuchen. 

Manghofer weiß, dass Stau für Schüler und Mitarbeiter eine heikle Situation ist. Ein Megastau wie am Montag gleicht einer Tortur. Viele der Kinder haben eine Behinderung. Aktuell müssen sie auch noch Schutzmasken tragen und dürfen nicht länger als eine Stunde im Fahrzeug verbringen. Seinen Fahrern blieb somit nichts anderes übrig, als zu versuchen, im Stau zu wenden und die Buben und Mädchen nach Hause zu bringen – sofern die Eltern Bescheid wissen und daheim sind. Für Manghofer sind das „katastrophale Zustände“. 

Megastau in Garmisch-Partenkirchen: Behörden informierten die Sozialen Dienst nicht

Besonders ärgert ihn, dass er keine Nachricht seitens der Behörden bekommen hat. Er konnte vorab keine Ausweichrouten ausweisen, keine infrastrukturellen Planungen vornehmen. So wie ihn hat es hunderte weitere Fahrzeuglenker am Montag eiskalt erwischt. Sogar stauerprobte Landkreis-Bürger waren entsetzt über die Situation. Ihr Sitzfleisch wurde strapaziert. Bis zu vier Stunden verharrten sie in dem Megastau, der sich ab 7 Uhr morgens bis in den Abend hinein von Norden kommend nach Garmisch-Partenkirchen gebildet hatte. 

Die halbseitige Sperrung der Münchner Straße im Ortsteil Partenkirchen in Richtung Süden hat gereicht, um den Verkehr im halben Landkreis zum Erliegen zu bringen. Die Fahrbahndecke muss zwischen dem Farchanter Kreisel und der Rathauskreuzung wegen Fehlstellen saniert werden – obwohl diese erst im November 2019 frisch geteert worden war. 

Megastau in Garmisch-Partenkirchen: Rettungsdienst muss enorme Umwege fahren

Die Folge: Ein Verkehrschaos, das auch Sandro Leitner so schnell nicht mehr vergisst. Für eine Patientenfahrt von Ettal ins Klinikum Garmisch-Partenkirchen – rund 15 Kilometer – braucht der Stellvertretende Leiter des Rettungsdienstes in der Regel etwa 20 Minuten. Gestern benötigte er Stunden. Er musste über den Walchensee nach Garmisch-Partenkirchen fahren. Auch bei seinen Kollegen kam es zu „extremen Verzögerungen“. Glücklicherweise mussten sie keine Notfalleinsätze meistern: Die Rettungsgasse war in den teils engen einspurigen Straßen nicht einzuhalten. 

Überrascht von den Behinderungen wurde auch das Klinikum Garmisch-Partenkirchen. Die Verspätungen der einbestellten Patienten und des Spätdiensts reichten von „zwei bis vier Stunden“, erklärt Sprecherin Gudrun Stadler. Den Zeitplan verschob die Leitung spontan nach hinten. Eine „organisatorische Herausforderung“. 

Fotostrecke: Neue Baustelle: Verkehr bricht zusammen

Das Staatliche Bauamt Weilheim hat die Verkehrssituation unterschätzt. Die Erfahrung, die es bislang mit den Baustellen im Landkreis machte, brachte nichts. „Da kamen viele Faktoren zusammen“, resümiert Nadine Heiß, zuständige Abteilungsleiterin für den Landkreis. Das Ende der Corona-Ausgangsbeschränkungen und die damit verbundenen Grenzöffnungen nach Österreich und Italien, die vielen Berufspendler, die nach den Pfingstferien wieder zur Arbeit fuhren, die Öffnungen der Schulen – all das hätte für den Verkehrsinfarkt gesorgt. 

Megastau in Garmisch-Partenkirchen: Bürgermeisterin läuft Sturm im Bauamt

Bei Heiß glühte das Telefon bereits früh am Morgen. Eine der ersten Anruferinnen war Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU). Sie stand um 7.30 Uhr am Farchanter Kreisel und war fassungslos: „Es ist fatal, was hier gerade läuft. Wir sind eh schon mit Verkehr geschlagen, jetzt geht es schon wieder los.“ Was sie besonders ärgert: „Das ist hoheitliches Handeln, das komplett an der Kommune vorüberging.“ Der Ort müsste „dafür leiden, dass woanders ein Fehler gemacht wurde“. 

Lesen Sie auch: Unwetter: Urlaubsgäste per Helikopter evakuiert - K-Fall gilt vier Stunden - Region noch lange unpassierbar

Gemeint ist die Baufirma, die bereits im November 2019 jene Arbeiten erledigte, die jetzt noch einmal gemacht werden müssen. „Die neue Fahrbahndecke ist zwar sehr leise, aber deutlich empfindlicher als eine normale“, sagt Heiß. Der Winter habe seinen Teil dazu beigetragen, dass die Fahrbahn bereits nach kurzer Zeit Fehlstellen aufwies. Deshalb wäre es dem Bauamt wesentlich lieber gewesen, die Sanierungsarbeiten dieses Mal tagsüber zu erledigen, „um eine deutlich bessere Qualität zu erreichen“. Damit die Fahrbahn länger hebt als nur acht Monate. Doch die Sanierung nach dem aktuellen Plan warf sie nun über Bord.

Megastau in Garmisch-Partenkirchen: Das ist der neuen Zeitplan:

Originalmeldung vom 15. Juni, 11.34 Uhr: Stunden brauchen die Autofahrer am Montag für eine Strecke, die sie normalerweise innerhalb von 30 Minuten und weniger zurücklegen. Drei Stunden von Eschenlohe nach Garmisch-Partenkirchen. Vier Stunden von Riegsee in den Ort - um nur ein paar Beispiele zu nennen. Stau mögen die Einheimischen und auch die Gäste gewohnt sein. Was sie aber am Montag ab den frühen Morgenstunden erleben - bei Regenwetter wohlgemerkt und nach Ferienende -, das sprengt auch ihre Vorstellungen. Über Stunden herrscht Stillstand. Grund ist vor allem eine Baustelle auf der Münchner Straße und der Hauptstraße in Partenkirchen, die für den Verkehr halbseitig Richtung Süden gesperrt sind. 

Lesen Sie auch: Polizei traut ihren Augen nicht: Audi, Honda und BMW-Motorrad rasen mit 125 Sachen durch München

Zwar hatte das Straßenbauamt Weilheim die Arbeiten angekündigt. Doch mit diesem Chaos hatte wohl niemand gerechnet. Noch am Montag reagierte die Behörde.

Straßenbauamt plant um: Arbeiten erfolgen nun nachts

Ursprünglich war geplant, dass die Sanierungsarbeiten bis Freitag, 19. Juni, mit der aktuellen Regelung auf der B2 laufen. „Die derzeitige Verkehrslage erfordert jedoch schnelles Handeln und eine Umplanung des Bauablaufs“, heißt es seitens des Bauamts. In der Nacht auf Dienstag wird daher die halbseitige Sperrung aufgehoben und die B2 kann ab dem frühen Morgen wieder in beiden Richtungen befahren werden. Weitere Fräsarbeiten unter halbseitiger Sperrung erfolgen - falls notwendig - am Dienstagabend ab 20 Uhr. 

Sofern es die Witterungsverhältnisse zulassen, wird die neue Fahrbahn in zwei Nächten eingebaut. Die Behörde plant, die Bundesstraße ab Mittwoch, 17. Juni,  zwischen 20 und Donnerstag, 18. Juni, 6 Uhr, halbseitig zu sperren. Die zweite Einbauphase ist in der Nacht auf Freitag, wieder zwischen 20 und 6 Uhr vorgesehen. 

Wegen Witterung: Arbeiten könnten sich verzögern

Ursprünglich war vorgesehen, die Arbeiten bei Helligkeit am Tag durchzuführen. Dadurch, heißt es aus dem Straßenbauamt, erreiche man eine „deutlich bessere Qualität“. Für den Einbau der neuen Fahrbahn muss es ausreichend lang trocken sein. Daher kann die Behörde angesichts des Regenwetters nicht ausschließen, dass sich der Einbau der Fahrbahndecke nochmals verschiebt. 

Während der halbseitigen Sperrung wird der Verkehr Richtung Süden ab dem Farchanter Kreisel über die B 23 zum Rathausplatz umgeleitet, der Verkehr Richtung Norden läuft einspurig über die B 2 an der Baustelle vorbei. Die Zufahrten zu den anliegenden Grundstücken, betont das Bauamt, werden weitestgehend aufrechterhalten. Mit kurzzeitigen Sperrungen sei jedoch zu rechnen. Wegen der Einbahnregelung auf der B 2 erfolgt die Zufahrt von Süden, die Ausfahrt nach Norden. Nach Abschluss der Deckenbauarbeiten werden in der darauffolgenden Woche die Fahrbahnmarkierungen aufgebracht. 

Lesen Sie auch: Plötzlich Massentourismus - Wie Corona ein kleines Dorf am Alpenrand verändert

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kurioser Anruf: Mann will mit Taxi von Bergstation geholt werden - Fahrer rettet ihm wohl das Leben
Ethem Genc war baff, als der Taxifahrer mitten in der Nacht einen Burschen an einem denkbar ungünstigen Ort abholen soll: der Alpspitz-Bergstation. Genc rettet ihm …
Kurioser Anruf: Mann will mit Taxi von Bergstation geholt werden - Fahrer rettet ihm wohl das Leben
Frontal in den Gegenverkehr: Beteiligte in Klinik eingeliefert
Am Mittwochnachmittag gegen 17.15 Uhr ist es auf der Staatsstraße 2038 zu einem Frontalunfall gekommen.
Frontal in den Gegenverkehr: Beteiligte in Klinik eingeliefert
Mega-Bauwerk auf der Zielgeraden
Das Projekt Seehauser Bahnunterführung befindet sich auf der Zielgeraden. Ende September soll der Bau fertig sein.
Mega-Bauwerk auf der Zielgeraden
Mittenwald applaudiert seinem neuen  Altbürgermeister
In letztes Mal betritt Adolf Hornsteiner die politische Bühne. Er nimmt die Urkunde zum Altbürgermeister entgegen.
Mittenwald applaudiert seinem neuen  Altbürgermeister

Kommentare