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Hier darf Schlange endlich bleiben: Andre Fuchs (r.) und Kathi Mallios (M.) platzieren die Steine vor dem Verein Obelin in Oberau. Den kleinen Jonas freut das sehr.

Die Retter der bunten Hoffnungsbringer

Mutmacher in der Coronakrise: Was mit den Steinschlangen passiert ist

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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  • Josef Hornsteiner
    Josef Hornsteiner
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Plötzlich waren sie weg, die vielen bunt angemalten Steine im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Die Mutmacher in der Coronazeit. Der Aufschrei war groß. Doch dank zahlreicher Helfer sind drei Steinschlangen nicht verschwunden, sondern nur umgezogen.

Angepackt und die Steine gerettet hat Marlies Zolldahn am Partnachuferweg im Ortsteil Partenkirchen.

Landkreis –Marlies und Reiner Zolldahn haben schwer geschuftet. Gute drei Stunden schleppten sie Steine hin und her. Ihre Räder nutzten sie als Transportmittel, die Körbe darauf genauer gesagt. „Einige waren wirklich irre schwer“, sagt die Frau. Aber: Sie wollten eben nicht zuschauen müssen, wie die Steinschlange am Partnachuferweg verschwindet.

Also machten sich die beiden Rentner ans Werk. Eine mehr als beeindruckende Tat. Denn: Marlies und Reiner Zolldahn sind 77 und 80 Jahre alt. „Es war wirklich nicht leicht, aber es hat auch Spaß gemacht“, sagt die ältere Dame, durchaus mit ein bisschen Stolz. Immer wieder luden sie die bunt bemalten Steine in die Radkörbe, verfrachteten sie so zur Ufermauer der Partnach etwas weiter nördlich. Dort, rund um den Steg in der Verlängerung der Silberackerstraße, bauten sie die schönen Exemplare wieder auf. Ganz sorgfältig. „Nur einige verblasste haben wir entsorgt“, gesteht sie.

Nur positive Reaktionen für die beiden Steinesammler an der Partnach

Kein Problem. Denn die Aktion kam und kommt gut an. „Es sind viele Menschen in dieser Zeit vorbeigekommen, die sich sehr gefreut haben. Wir haben nur positive Reaktionen bekommen.“ Das habe den beiden rüstigen Senioren auch Mut und Kraft gegeben. „Viele haben uns gesagt, dass sie weitere Stein hinzufügen wollen.“ Eine Mutter hatte mit ihrem Sohn die eigenen Steine sogar schon entfernt. „Sie will sie jetzt wieder auf die Mauer legen.“ Die Zolldahns hatten selbst viel Freude an dieser Mutmach-Aktion in der Corona-Krise. „Wir gehören ja selbst zur absoluten Hochrisikogruppe“, sagt Marlies Zolldahn. „Aber wir haben die Zeit gut überstanden.“

Genau deshalb wolle sie nun auch das Projekt an der Partnach nicht sterben lassen. „Wir haben das in der Zeitung gelesen, dass die Steine bis 16. Juni wegmüssen.“ Also fassten sie den Entschluss, selbst anzupacken. Denn „es ist ja nicht vorbei, Corona gibt es noch“. Und die Steine sollen auch weiterhin den Menschen helfen, ein Lichtblick für sie sein.

Steine am Philosophenweg in Partenkirchen: Hotel Riessersee hat sie zwischengelagert

Daher sorgt sich Marlies Zolldahn auch um eine weitere Schlange im Ortsteil Partenkirchen. Sie würde nur zu gern wissen, wo die Steine im Bereich St. Anton am Philosophenweg abgeblieben sind. „Das waren auch so viele und schöne.“ Den Bauhof der Marktgemeinde hat sie bereits kontaktiert – dort konnte ihr niemand helfen.

Die Antwort hat Dörte Mäder parat. Die Geschäftsführerin des Riessersee Hotels hat mit ihren Angestellten die Steine abgeholt und bei sich an der Herberge zwischengelagert. Am Donnerstag, 25. Juni, dürfen um 16 Uhr alle Eltern kommen, um zu entscheiden, was mit ihren bunt bemalten Kunstwerken passiert. „Drei Möglichkeiten haben sie dann“, sagt Mäder. „Entweder bei uns am Kapellenweg ablegen, mit nach Hause nehmen oder die Steine Künstlern wie Sabine Schulze überlassen.“ Letztere hat über ein Internetportal angeboten, aus den bemalten Steinen ein Kunstwerk anfertigen zu wollen. So oder so: „Die Steine sind nun gut aufgehoben“, sagt Mäder. Denn eines will sie ganz sicher nicht: Das die Steine auf dem Schutt landen. „Kinderherzen dürfen nicht weinen. Vor allem keine kieselsteingroßen Tränen.“

Verein Obelin hat rund 800 Steine am Oberauer Loisachdamm eingesammelt

Wer die Steinschlange am Oberauer Loisachdamm vermisst, darf auch diese ab sofort in guten Händen wissen. Andre Fuchs, Vorsitzender des Vereins Obelin, hat sie mit zwei Mitgliedern eingesammelt. „Wir haben ebenfalls von der Frist gehört und haben uns mit der Gemeinde in Verbindung gesetzt.“ Denn auch in Oberau muss der Bauhof die Wiese mähen, an der die bunten Brocken aufgereiht lagen. Und wie berichtet, hätten sie Schäden am Mähwerk angerichtet.

Somit machte sich Fuchs gleich am nächsten Tag an die Arbeit. In zahlreichen roten Plastikkisten transportierten sie mit drei Autos die rund 800 Steine vom Loisachufer in die Mühlstraße. Vor dem Vereinsheim Obelin verschönern sie nun den Weg am Schrank der Büchertauschbörse. Sofort klingelte daraufhin sein Handy. Die Oberauer haben sofort bemerkt, dass die Schlange an der Loisach verschwunden ist. „Ich musste sofort auf Facebook ein Bild gepostet und beschrieben, wo die Steine ab sofort zu finden sind.“

Mutmach-Aktion: Eine der Initiatorinnen über Umzug besonders glücklich

Über diese gelungene Lösung freut sich vor allem Kathi Mallios.Die Oberauerin war eine der Ersten im Landkreis, die von dem Trend erfuhr und Steine bemalte und ablegte. „In den darauffolgenden Tagen waren es 80. Dann 500. Am Höhepunkt waren es über 1400 Steine. Dann hab‘ ich aufgehört zu zählen“, sagt die Mutter des kleinen Jonas (2). Er hat den vorerst letzten Stein am Vereinsheim Obelin platziert.

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