Kleinkind (1) stürzt in tiefen Schacht - Rettungsaktion läuft

Kleinkind (1) stürzt in tiefen Schacht - Rettungsaktion läuft
+
Die zerstörte Kabine wird per Autokran auf den Parkplatz gehievt und anschließend demontiert. 

Schock bei BZB-Mitarbeitern sitzt tief

Nach Unfall bei Zugspitzbahn: Jetzt werden die Seile geprüft

  • schließen

Noch steht nicht fest, wie es zu dem Unfall bei der Seilbahn Zugspitze kommen konnte. Die Untersuchung der gerissenen Kette dauert. Parallel dazu nehmen Experten die Seile unter die Lupe: Wie haben sie den Zusammenstoß überstanden?

Garmisch-Partenkirchen – Der Schock sitzt tief. Auch bei Peter Huber. Darüber täuschen die Scherze nicht hinweg, zu denen er gestern beim Pressegespräch aufgelegt war. Genauso wenig wie sein Lachen. Galgenhumor? Hinter seiner Fassade ist der Technische Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB) angespannt. Und noch entsetzt über den Unfall, bei dem am 12. September ein Bergekorb ungebremst in die Seilbahn-Kabine gedonnert war. „Es tut besonders weh, wenn dem liebsten Kind etwas passiert“, sagt Huber.

Genau das ist die Anlage der Superlative für ihn. „Aber auch für alle anderen Mitarbeiter“, betont er. Das gesamte Team, vom Parkplatz-Wächter bis zu den Technikern, habe sechs Jahre lang hart dafür gearbeitet. Im vergangenen Dezember erfüllte sich für sie alle ein Traum. Knapp neun Monate später riss die Kette des elektrischen Hebewerkzeugs am Bergekorb und führte zu dem katastrophalen Unfall. Bei dem glücklicherweise niemand verletzt wurde, der aber einen Schaden im mittleren siebenstelligen Bereich – „den deckt unsere Versicherung ab“, betont Huber – mit sich bringt. Auch wegen der Umsatzeinbußen, die durch den Totalausfall der Seilbahn bis voraussichtlich Jahresende entstehen. Wie es zu dem Unfall kommen konnte? Huber ist ratlos. Ebenso wie die Experten des Schweizer Herstellers Garaventa. „Ein vergleichbarer Vorfall aus der Seilbahn-Branche ist nicht bekannt.“

Üblich nennt der BZB-Vorstand das System, das immer dann genutzt wird, wenn die Abseilhöhen zu groß sind, beziehungsweise das felsige Gelände keine Rettung zulässt – wie im oberen Bereich der Zugspitze. Dann wird ein Bergekorb eingesetzt, von dem jeweils zwei in der Bergstation bereitstehen. Im Ernstfall seien diese allerdings „das letzte Mittel“, unterstreicht BZB-Sprecherin Verena Lothes. „Im Falle einer Störung wird zunächst versucht, beide Kabinen mit dem Hauptantrieb in verminderter Geschwindigkeit, – sollte dieser nicht funktionieren – mit dem Notantrieb in die Stationen zu fahren.“ Gelingt das nicht, werde möglichst ein Hubschrauber eingesetzt, um die festsitzenden Gondel-Insassen sicher ins Tal zu bringen. Erst in letzter Konsequenz kommt der Bergekorb zum Einsatz. „In unserer 90-jährigen Geschichte ist die Rettung per Bergewagen bislang nur einmal bei der Eibsee-Seilbahn benötigt worden“, sagt Lothes.

Trotzdem müssen die Mitarbeiter natürlich auf diese Situation, die Huber „kritisch“ nennt, vorbereitet sein. Daher setzt das Unternehmen halbjährliche Übungen an, jetzt mit der neuen Bahn sogar in kürzeren Zeitabständen. Deshalb haben relativ viele Kollegen das Unglück miterlebt – und waren verständlicherweise geschockt. Klar ist allen, dass nicht menschliches Versagen, sondern ein Materialfehler verantwortlich war. „Der Kettenzug ist samt gerissener Kette einem Sachverständigen übergeben worden“, erklärt Lothes. „Wann mit ersten Untersuchungsergebnissen gerechnet werden kann, ist noch nicht bekannt.“

Warten ist angesagt. Auf die Analyse des Experten und auf die neue Kabine, deren Bau zwei Tage nach dem Unfall in Auftrag gegeben wurde. Nur so ist es möglich, die Bahn zum Jahresende, eventuell schon Weihnachten, wieder in Betrieb zu nehmen. Einen zeitweisen Ein-Kabinen-Betrieb schließt Huber aus, zumal dafür keine Zulassung vorliegt.

Die Seile, die nach erster Einschätzung nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden, nimmt ein Team der BZB heute unter die Lupe. Spezialisten der Herstellerfirma sind am Montag und Dienstag vor Ort und prüfen mittels MRT-Technik das Innenleben und mit anderen Verfahren die Oberfläche.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bergwald in Flammen: Über 100 Einsatzkräfte kämpfen gegen Brand
Ein Großeinsatz forderte über 100 Einsatzkräfte rund um Ohlstadt im westlichen Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Ein Bergwald stand am Ostersonntag in Flammen.
Bergwald in Flammen: Über 100 Einsatzkräfte kämpfen gegen Brand
In Partenkirchen wird zweimal Ostern gefeiert
Mitten in der Nacht: Die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt wird in diesem Jahr Ort für einen ganz besonderen Auferstehungsgottesdienst.  
In Partenkirchen wird zweimal Ostern gefeiert
Schröter erhebt schwere Vorwürfe gegen Bürgermeisterin Meierhofer
Hat Bürgermeistern Dr. Sigrid Meierhofer in Sachen Bahnhofstraße ihre Kompetenzen überschritten und Geld in einer Höhe zugesagt, das sie nicht durfte? Das glaubt …
Schröter erhebt schwere Vorwürfe gegen Bürgermeisterin Meierhofer
Seehausen kleckert nicht, sondern klotzt
Kräftig gebaut, saniert und geplant wird heuer in Seehausen. Die Gemeinde investiert mehr als fünf Millionen Euro. Die Mandatsträger haben den Haushalt 2019 einmütig …
Seehausen kleckert nicht, sondern klotzt

Kommentare