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Auf dieser Fläche bei Griesen wurden Bäume geschlagen. Insgesamt sind 0,7 Hektar betroffen.

Große Anzahl an Bäumen gerodet

Naturbeobachter klagt über Kahlschlag: Behörde handelt aber guten Gewissens

Fichten, Kiefern und Laubgehölze - sie sind weg. Fehlen im bereich zwischen dem Bahnhof Griesen und der Loisach. Zum Ärger eines Einheimischen. Das Landratsamt liefert die Erklärung. 

Griesen – Wolfgang Hagen aus Griesen ist Naturbeobachter. Doch was er kürzlich dort sah, hat ihn nicht erfreut. Es geht um eine Holzaktion zwischen der Bahnlinie und der Neidernach sowie zwischen dem Bahnhof Griesen und der Loisach. In einer E-Mail ans Garmisch-Partenkirchner Tagblattschreibt Hagen von einem „Kahlschlag“. Es seien einige hundert Bäume wie Fichten, Kiefern, Birken, Wacholder, Erlen, Weiden und Spirken einfach niedergemacht worden. „Es ist nur noch traurig, wenn man den schönen und gesunden Wald vor Augen hat und jetzt diese Kahlflächen sieht. Überall reden sie von neuen Anpflanzungen und mehr Bäumen in unseren Wäldern und hier wird ein kerngesundes Waldstück einfach gerodet.“

    Um der Sache auf den Grund zu gehen, kontaktierte Hagen das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen. Die Behörde brachte Licht ins Dunkel. Nach Angaben von Sprecher Stephan Scharf handelt es sich um eine Artenschutzmaßnahme. Initiiert hat sie die an der Kreisbehörde angesiedelte Untere Naturschutzbehörde, umgesetzt wurde das Projekt von den Bayerischen Staatsforsten. Das Landratsamt startete die Aktion, „um den dortigen Bestand der Monte-Baldo-Segge zu schützen und zu fördern“. Das ist eine sehr seltene Sauergras-Art, die weltweit betrachtet nur ein sehr begrenztes Verbreitungsgebiet aufweist. Diese Segge kommt nämlich in den mittleren Südalpen vor und getrennt davon im Nordalpenraum, streng beschränkt auf ein kleines Gebiet im südlichen Ammergebirge (Raum Griesen/Ofenberg/Friedergries, nach Westen bis zum Plansee).

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Sauergras-Art: die Monte-Baldo-Segge, die im südlichen Ammergebirge vorkommt. 

    „Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen haben wir deshalb eine sehr hohe Verantwortung für den Erhalt dieser besonderen Pflanzenart“, betont Scharf. „Da die Monte-Baldo-Segge sehr lichtbedürftig ist und sie bei stärkerem Gehölzaufkommen allmählich verschwindet, war die Holzaktion aus Gründen des Artenschutzes notwendig.“  Wie ein Mitarbeiter der Kreisbehörde Hagen mitteilte, kann sich die Pflanze zwar in stärker beschatteten Flächen noch eine Zeit lang halten, ist aber grundsätzlich eine Art des „Offenlandes“ mit entsprechender Besonnung. Die Holzmaßnahmen „sollen dazu beitragen, die lokalen Bestände zu erhalten beziehungsweise möglichst noch zu erhöhen“.

Neben der Monte-Baldo-Segge kommen auf den aufgelichteten Flächen noch zahlreiche andere schützenswerte Arten vor, wie beispielsweise der Stengelloser Enzian und die Kugelblume, die ebenfalls von der Gehölzentnahme profitieren werden.

Die Holzaktion spielte sich auf zwei Flächen mit insgesamt rund 0,7 Hektar ab. Die Arbeiten erledigten Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten, die dort auch Grundeigentümer sind. Laut Behördensprecher Scharf wurden in erster Linie Fichten, Wald- und Berg-Kiefern entfernt sowie in geringem Umfang auch Laubgehölze. 

Roland Lory

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