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Ein Geschenk zur Einweihung: Christian Neureuther (r.) überreicht zusammen mit Johanna und Xaver Pongratz ein Rad der alten Eibsee-Bahn von 1963 an Museumsleiter Josef Kümmerle.

Dauerausstellung „Zugspitze“ kommt bei Festgästen an

„Ein Schmuckstück“: Neue Räume im Museum Werdenfels wurden eröffnet 

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1000 Jahre Geschichte auf über 1000 Quadratmetern: Der Bauabschnitt zwei des Mammutprojekts ist fertig. Jetzt konnten sich die ersten Gäste im Museum Werdenfels vom Ergebnis überzeugen.

Garmisch-Partenkirchen – Dieses Knarzen der Holzböden und der Treppe – schon beim Gedanken daran ist Josef Kümmerle die Backe angeschwollen. Damals, als er noch ein junger Bursch war, arbeitete in dem Kaufmannshaus an der Ludwigstraße 47 sein Zahnarzt. Gern hat er das Gebäude, in dem 1973 das Werdenfels-Museum eine Heimat fand, nicht betreten. Das gibt er zu. Das Knarzen hört Kümmerle heute noch. Immer, wenn er vom Alt- in den Neubau geht. Also täglich. Und das – anders als früher –leidenschaftlich gern.

Applaus für den gelungenen An- und Umbau des Museums gibt es von der Sport-, Kultur- und Politikprominenz.

Am Dienstagnachmittag knarzt es zigmal. Eine Vielzahl von Besuchern strömt in den neuen Bereich. Zum ersten Mal. Sie alle nehmen sich Zeit, um der Eröffnung der Räumlichkeiten beizuwohnen. Darunter Mitglieder des engagierten Museums-Vereins Werdenfels, Skifahr-Legende Markus Wasmeier, die frischgebackenen Ehrenbürger von Garmisch-Partenkirchen, Christian Neureuther und Rosi Mittermaier samt Sohn Felix, Ehefrau Mirjam und Tochter Matilda, sowie viel Prominenz aus der regionalen Kultur- und Politikszene. Von Neugier getrieben, wie der neue Ausstellungsraum, in dem die Geschichte der Zugspitze gezeigt wird, das Büro, die Bibliothek und der Mehrzweckraum gelungen sind. Und um die große Bedeutung dieser Landkreis-Einrichtung zu untermauern, die laut Dr. Andreas Wießmann. Restaurator von der Landesstelle für Nichtstaatliche Museen in Bayern, eine der 40 qualitativsten Sammlungen im Freistaat beherbergt. „Ich bin gerührt“, sagt Kümmerle angesichts der vielen Gäste.

Vier Millionen Euro kostet das gesamte Projekt

Hinter ihm, „dem heimlichen Bauherrn“, wie ihn Kreisbaumeister Alkmar Zenger bezeichnet, liegt eine anstrengende Zeit. 2015 entschied sich der Kreistag, das Mammut-Projekt nach den Plänen des Atelier Lüps aus Schondorf umzusetzen. Im Juni 2016 ging’s mit dem ersten Bauabschnitt los, der mit der Eröffnung der Sonderausstellung samt Brücke mit Panoramablick Mitte 2018 sein Ende fand. Eine Pause? Von wegen. Teil zwei stand auf dem Programm: die barrierefreie Erweiterung um Depotflächen, Platz für Museumspädagogik und den Räumen für die Dauerausstellung „Zugspitze“. Eine schwierige Phase, die wegen des Konkurses des Schreiners ein Jahr mehr in Anspruch nahm als geplant. Davon redet am Dienstag niemand mehr. Kümmerle spricht nur von einer „gewissen Erleichterung nach der doch langen Bauzeit“.

Insgesamt rund vier Millionen Euro kostete der Um- und Ausbau, an dem 33 vornehmlich im Landkreis ansässige Firmen beteiligt gewesen waren. Die Summe schultert aber nicht allein der Landkreis. Knapp 561 000 Euro stammen aus dem Kommunalinvestitionsprogramm, 430 000 Euro aus dem Kulturfonds Bayern, 124 500 Euro von der Bayerischen Landesstiftung sowie weitere 189 000 Euro von Wießmanns Arbeitgeber.

Nur Worte des Lobes für das Museum Werdenfels

Eine Investition, die sich mehr als gelohnt hat. Darüber sind sich alle einig. Die Redner, die vor der Besichtigung im Gasthof Zum Rassen zu den Gästen sprechen, überschlagen sich fast vor Anerkennung und Begeisterung. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) nannte das Museum ein „Schmuckstück“, Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) hob hervor, welch’ „unverfälschtes Bild“ die Einrichtung von der Region zeige. Und das ganz ohne Kitsch. Ihr Ritterschlag an die Planer: „Das ist ein Vorzeigeobjekt für zeitgemäße Qualitätsarchitektur.“ Worte, die bei Architekt Mauritz Lüps runtergehen wie Öl. Das Erfolgsrezept sei der Gedanke des Verwebens gewesen. Er erklärt das Konzept plakativ: „Man muss aus Alt und Neu einen Stoff nähen, aber die alten und neuen Fäden müssen sichtbar bleiben.“

Wie sehr Christian Neureuther das Museum schätzt, bringt er in seiner amüsanten, aber tiefgründigen Einlage, die er mit den Kindern Johanna und Xaver Pongratz einstudiert hat, zum Ausdruck. „Werte-Fels – Unser Museum“ heißt sie. Auf spielerische Art vermittelt er den Kindern sowie dem Publikum die Bedeutung der Einrichtung. „Ein Museum soll die Vergangenheit für die Gegenwart bewahren“, sagt er.

Lesen Sie auch: Ende der Bauarbeiten in Sicht: Zugspitz-Ausstellung wird eingerichtet

Die Geschichte springt die Besucher im Museum förmlich an. Im alten und im neuen Bereich. Dort nur auf zeitgemäßere Weise. Mit interaktiven Stationen – auch für Kinder –, Medienausstattung, Lichteffekten, Tafeln mit Hintergrundinfos und dem virtuellen Zugspitz-Aufstieg mit dem alten Gipfelkreuz als Endpunkt. Wer dorthin gelangen will, muss Kümmerles knarzende Holzbretter überqueren – statt mit dicker Backe nur voller Vorfreude. 

Das Museum Werdenfels

ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Die Wackerle-Ausstellung sowie der Keller mit frühgeschichtlichen Gegenständen sind nicht zu besichtigen. Alle Infos sowie den Flyer zum Download gibt’s im Internet unter www.werdenfels-museum.de.

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