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Für die Sauberkeit in den Zimmern sind die Bewohner des Obdachlosenasyls selbst zuständig.

Polizei ermittelt wegen Hausfriedensbruchs

Obdachlosenheim: Sicherheitsdienst kommt

  • Peter Reinbold
    vonPeter Reinbold
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Das Obdachlosenasyl in den Garmisch-Partenkirchner Loisachauen sogt immer wieder mal für Schlagzeilen. Vor Kurzem sollen Unbefugte eingedrungen sein. Die Polizei ermittelt wegen Hausfriedensbruchs. Unter den Bewohnern kommt es manchmal zu Auseinandersetzungen. Darauf hat die Gemeinde jetzt reagiert.

Garmisch-Partenkirchen – Es geschieht gar nicht so selten, dass sich Tierschützer zu Legehennenbatterien illegal Zutritt verschaffen, um per Film und Foto das Leid der Tiere zu dokumentieren und die Verhältnisse, unter denen sie ihr kurzes Leben fristen müssen. Regelmäßig zeigen sich Menschen beim Betrachten der Bilder betroffen. Dass Aktivisten versuchen, undercover und investigativ auf die Situation von Obdachlosen aufmerksam zu machen, ist vor Kurzem in Garmisch-Partenkirchen passiert. In der Gemeinderatssitzung am 25. Juni erklärte Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU), sie habe bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Drei Personen mit Mundschutz, deshalb waren sie nicht zu identifizieren, seien ohne Zustimmung der Gemeinde in das Obdachlosenheim in den Loisachauen eingedrungen und hätten unerlaubt Aufnahmen vom Garten, dem Gebäude und den Zimmern geschossen.

Wenig einladend wirkt der Eingangsbereich in das Obdachlosenheim.

Polizeipressesprecher Markus Stückl bestätigte auf Tagblatt-Anfrage den Sachverhalt und Ermittlungen durch Beamte der Inspektion Garmisch-Partenkirchen. „Ergebnisse gibt es noch keine.“ Dem Garmisch-Partenkirchner Tagblatt wurden die Fotos, die bei der Aktion entstanden sind, anonym zugespielt. Sie zeigen marode Fenster, kaputte Fußböden, Risse in den Wänden, Zimmer, die total verwahrlost sind, und Krempel, der im Garten liegt. Die FDP kennt das Obdachlosenasyl offenbar aus erster Hand. Ortsvorsitzender Martin Schröter schreibt in einer Pressemitteilung vom 1. Juli von „Verfall, Schmutz und Verwahrlosung“. Das Rathaus müsse „schon aus rein menschlichen Gründen handeln und nachhaltig diese Zustände beseitigen“.

Von den Verhältnissen, die im Obdachlosenheim herrschen und die in der Vergangenheit immer wieder Thema im Gemeinderat und diversen Ausschüssen waren, hat sich Vize-Bürgermeisterin Claudia Zolk (CSB) am Mittwoch vergangener Woche einen Überblick verschafft. Ihr Urteil fällt differenzierter aus als das der Werdenfelser Liberalen. Sie nennt die sanitären Einrichtungen, die die Gemeinde in den zurückliegenden Jahren sanieren ließ, „in Ordnung und ordentlich sauber“. Was sie von einigen Zimmern, in denen derzeit zehn Männer und eine Frau – getrennt nach Geschlecht – untergebracht sind, nicht behaupten kann. „Dafür ist die Gemeinde auch nicht zuständig.“ Sie verweist darauf, dass jeder Bewohner angehalten ist, in seiner Unterkunft selbst für Sauberkeit zu sorgen und viele wenig pfleglich mit der Einrichtung sowie den Bodenbelägen umgehen. Den Garten haben Zolk zufolge Mitarbeiter des Bauhofs jüngst aufgeräumt „und auf Vordermann gebracht“.

In manchen Zimmern ist der Boden teilweise blank, weil der Belag fehlt.

Jene Menschen, die in dem Haus leben, sind auf der sozialen Leiter ganz unten angekommen. Drogen, Alkohol und Gewalt gehören fast zur Tagesordnung. Erst vor Kurzem hatte das Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen mit einem Fall zu tun, der sich in den Loisachauen abspielte. Ein 76-Jähriger, der einen 20-Jährigen mit einem Schraubenzieher im Streit verletzt hatte, erhielt acht Monate Gefängnis auf Bewährung. In der Unterkunft herrscht offenbar ein Klima der Angst. Aus Sorge um seine Mitarbeiter und wegen verschiedener Vorfälle hat sich der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), der sich bis vergangenes Jahr um das Haus und die Bewohner gekümmert hatte, aus der Einrichtung zurückgezogen.

Um weiteren Straftaten vorzubeugen – bei einer Durchsuchung soll in einem Zimmer ein Messer entdeckt worden sein –, hat sich die Gemeinde entschlossen, schweres Geschütz aufzufahren. „Wir sind uns unserer Verantwortung für die Einrichtung und ihre Benutzer bewusst und haben nun einen Sicherheitsdienst beauftragt, der nachts anwesend ist“, sagt Zolk. „Mit dieser Maßnahme können wir gewährleisten, dass alle Bewohner sicher sind und Störungen durch einzelne der Vergangenheit angehören.“

Eingeschränkt werden soll der Alkoholkonsum. Zolk zufolge ein großes Problem. Zwei Flaschen an Hochprozentigem pro Person sind in Zukunft erlaubt. „Mehr wird abgenommen“, erklärt Zolk, in deren Zuständigkeitsbereich Recht und Ordnung in Garmisch-Partenkirchen fallen. Der Sicherheitsdienst soll auch dafür sorgen, dass die Hausordnung eingehalten wird. Die sieht zwar das Verbot von Hunden im Haus vor, doch es ist geplant, diese Vorschrift etwas laxer umzusetzen. „Derzeit gibt es drei Personen, die einen Hund halten. Wir wollen nicht, dass sie ihren einzigen Bezug verlieren“, sagt Zolk.

Damit allein wird es nicht getan sein, den Menschen, die im Obdachlosenasyl wohnen, jene Hilfe angedeihen zu lassen, die sie benötigen. Das weiß auch Zolk. „Wir werden wieder mehr Sozialbetreuung anbieten müssen.“ Die Zweite Bürgermeisterin will sich auch dafür einsetzen, dass ein Arzt regelmäßig kommt, um medizinische Hilfe zu leisten.

Die Loisachauen im Gewerbegebiet sind mit Sicherheit die schlechteste Wohngegend von Garmisch-Partenkirchen. Lärm, Dreck und Gestank, die die dort ansässigen Betriebe fünf Tage die Woche produzieren, schrecken ab. Ex-Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) hatte in ihrer Amtszeit mehrmals versucht, das Haus zu schließen und die Obdachlosen in einem anderen Gebäude, das sich im Besitz der Gemeinde befindet, im Ort unterzubringen. Zolk, damals noch einfache Gemeinderätin, weiß davon. Ihr ist auch bekannt, welche Reaktionen es in der Bevölkerung gab, als dieses Ansinnen ruchbar wurde. „Es gab Beschwerden, weil die Anwohner kein Obdachlosenheim in ihrer Nähe wollten.“

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