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Ein Sanierungsfall ist das Olympia-Skistadion.

Nur behutsame Eingriffe

Olympia-Skistadion: Verfall wird aufgehalten

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Wenn’s fertig ist, könnte das Olympia-Skistadion in neuer Pracht erstrahlen. Bis dahin, dauert’s jedoch noch einige Zeit – und es wird viel Geld fließen müssen. Zunächst soll vor allem die marode bauliche Substanz verbessert werden.

Garmisch-Partenkirchen – Am Olympia-Skistadion nagt der Zahn der Zeit mit großer Vehemenz. Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) nannte das, was an der historischen Stätte geschieht, vor eineinhalb Jahren „einen kontrollieren Verfall“. Den aufzuhalten, umzukehren und das Olympia-Skistadion mit dem Leuchtturm Schanze zu einem touristischen Kleinod aufzuwerten, lautet das Ziel. Trotz des desaströsen Zustands besichtigen zwischen 400 000 und 600 000 Menschen die Anlage jedes Jahr. In einem sanierten und aufgepeppten Zustand könnte der Besucherstrom womöglich gesteigert und Einnahmen generiert werden, um das Defizit, das die Gemeinde jährlich mit dem Komplex einfährt, zu verringern.

Das ist der zweite Schritt. Den ersten stellte Benedikt Sunder-Plassmann den Garmisch-Partenkirchner Gemeinderäten vor. Der Architekt hatte die Sanierung des Rathauses 2015 im Rahmen des G7-Gipfels verantwortet und dabei nachhaltigen Eindruck hinterlassen. „Da haben wir gut zusammengearbeitet“, sagt Meierhofer.

„Wir müssen schauen, dass das Haus wieder dicht wird“

Die Bausubstanz des Olympia-Skistadions ist schlecht. Für alle sichtbar bröckelt überall der Putz von den Wänden. Und das sind nur die Dinge, die ins Auge stechen, die Probleme gehen viel tiefer und sind grundsätzlicher Natur. „Wir müssen schauen, dass das Haus wieder dicht wird“, sagt Sunder-Plassmann. „Vorher macht es keinen Sinn, an einen Umbau zu denken.“ Dabei setzt sich der Stadtplaner aus Greifenberg (Landkreis Landsberg am Lech) mit dem Konzept auseinander, das Andreas Salsamendi, Geschäftsführer der Simple GmbH in Köln, für das Skistadion ausgetüftelt hat. Salsamendi plant, im Erdgeschoss des Ostteils des hufeisenförmigen Areals die Ausstellung „Die Kehrseite der Medaille“ unterzubringen. Im Teil darüber, in dem noch die Sprecherkabinen und sowie das Zubehör aus grauer Vorzeit vorhanden ist, stellt sich Sunder-Plassmann ebenso wie Salsamendi eine Erlebniswelt vor. „Dort kann man die Vergangenheit erleben.“

Die Pläne für das Erdgeschoss.

Im Trakt neben dem Eingang sollen in Zukunft Ga-Pa-Tourismus sowie die Verwaltung Räume erhalten. Auf der gegenüberliegenden Seite ist geplant, dass der SC Partenkirchen im Erdgeschoss einzieht, darüber das Bayerische Rote Kreuz eine Heimstatt erhält. Der Olympiastützpunkt bleibt dort, wo er seit vielen Jahren untergebracht ist. Im Erdgeschoss sollen weitere Trainingsmöglichkeiten geschaffen werden, im ersten Stock stellen sich Sunder-Plassmann und Meierhofer Büros sowie Zimmer vor, in denen Spitzenathleten auch mal eine Nacht verbringen können.

Besonderes Lichtkonzept an den Vorderseiten

Die Pläne für das Obergeschoss.

Ein ganz besonderes Lichtkonzept an den Vorderseiten des Stadions schwebt dem Architekten vor. Bei allen Eingriffen soll behutsam vorgegangen werden. „Wir wollen das Skistadion in eine neue Zeit bringen, ohne das Denkmal groß zu verändern“, sagtSunder-Plassmann. Die Frage des Denkmalschutzes, vor allem, was die Illumination betrifft, beschäftigte Grünen-Gemeinderat Dr. Stephan Thiel. Es sei bislang nichts abgesprochen, räumt Sunder-Plassmann ein. Die Richtung müsse allerdings klar sein. Er und sein Büro sind in die Materie viel tiefer eingestiegen „als es unsere Aufgabe ist“.

Etwa acht bis zehn Millionen Euro an Kosten

Die Kosten für die Sanierung schätzen Experten auf acht bis zehn Millionen Euro. Ein Zuschuss von zwei Millionen Euro kommt aus Fördermitteln des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Allerdings ließen die Gelder, die aus dem G7-Erbe stammen, lange auf sich warten. Den Gemeinderäten ist das Skistadion viel wert. Fast alle zeigten sich mit dem Nutzerkonzept und dessen baulicher Umsetzung einverstanden. Nur einer scherte aus: Nein, diesmal war’s nicht Martin Schröter (FDP). Seinen Part übernahm Dr. Christoph Elschenbroich (parteifrei), der sich besonders daran störte, dass das Rasenspielfeld nach der Sanierung in Zukunft nicht mehr für Fußballspiele taugt. „Die hat es in der Vergangenheit auch nur selten gegeben“, teilte stellvertretender Bauamts-Chef Markus Gehrle-Neff mit.

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