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Die Partnach in Garmisch-Partenkirchen bei Hochwasser am Dienstag.

Unwetter verwandelt Partnach in reißenden Strom

Garmisch-Partenkirchner (52) stirbt in Fluten der Partnach: So passierte das Unglück

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Ein schweres Unwetter ist am Dienstag über Garmisch-Partenkirchen niedergegangen und hat die Partnach in einen reißenden Strom verwandelt. Eine Person starb in den Fluten. So ist das Unglück passiert:

Update, Mittwoch, 13. Juni, 11.08 Uhr 

Mittlerweile gibt es vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd Informationen, wie es zu dem tragischen Unglück am Dienstagnachmittag kommen konnte. Durch den heftigen Starkregen stieg der Pegel der Partnach derart stark an, dass im Ortsteil Wildenau Straßen überflutet wurden. Nach Angaben von Zeugen versuchte der 52-jährige Mann aus Garmisch-Partenkirchen auf der überfluteten Straße zu fahren, was ihm nicht gelang. Als er sein Fahrzeug verließ, wurde er von den Wassermassen fortgerissen. 

Ursprünglicher Artikel: Dienstag, 12. Juni

Garmisch-Partenkirchen - Es regnete und regnete. Unaufhörlich. Innerhalb kürzester Zeit verwandelte sich die Partnach am späten Dienstagnachmittag in einen reißenden Fluss. Ein Blick auf die Messdaten zeigt: Um 16 Uhr liegt der Wasserstand bei 67 Zentimetern, eine Stunde später bei 168. Womöglich war das der Grund, warum ein Mann im Bereich des Kraftwerks in der Wildenau in Garmisch-Partenkirchen von den Fluten mitgerissen worden war und vermutlich darin seinen Tod gefunden hat. Ob er ins Wasser gefallen ist oder von einer Riesenwelle mitgeschwemmt wurde, ist bislang unklar. Um 16.10 Uhr ging der Notruf ein. Der Fluss war zu dem Zeitpunkt wohl schon zu einem lebensgefährlichen Strom angeschwollen, was die Suche nach dem Vermissten massiv erschwerte.

Wie die dpa gegen 22.45 Uhr berichtete, sei der Mann tatsächlich ums Leben gekommen. Die Leiche des 52-Jährigen wurde demnach am Abend im Treibsand gefunden.

Dazu kamen weitere Einsätze: Eingeschlossene Personen in der Partnachklamm, ob man zu ihnen überhaupt vordringen kann, war zunächst ungewiss. Und massive Überschwemmungen im Bereich des Sägewerks an der Wildenauer Straße sowie erhebliche Behinderungen durch gewaltige Schwemmholz-Mengen im gesamten Flussverlauf. Ein absolutes Horrorszenario – auch für die Rettungskräfte.

Retter entdeckten leblosen Körper an Martinswinkelstraße

Die Partnach in Garmisch-Partenkirchen bei Hochwasser am Dienstag.

„Nachdem nicht klar war, ob wir drei oder vier Lagen haben, wurde wie im Katastrophenfall alarmiert“, erklärt Anthony Ritchie, Einsatzleiter vom Bayerischen Roten Kreuz. Das bedeutet, dass ein Großaufgebot an Rettern – gut 60 von der Feuerwehr, 35 von der Bergwacht, 40 von den Wasserwachten im Landkreis und 20 vom BRK – vor Ort war.

Auf allen Brücken im Ortsbereich waren Kräfte der Feuerwehr postiert. Anhand der errechneten Fließgeschwindigkeit der Partnach, die an der Martinswinkelstraße in die Loisach mündet, standen die Retter auch in den Anliegergemeinden bis nach Eschenlohe. „In 45 Minuten hätte der Vermisste schon dort sein können“, verdeutlicht Ritchie das Szenario.

Einsatz wurde durch Schaulustige massiv behindert

Letztlich entdeckten die Retter aber im Bereich Martinswinkelstraße einen leblosen Körper. Ob es sich dabei tatsächlich um den Vermissten handelt, stand bis Redaktionsschluss nicht fest. Sicher ist aber, dass die Bergung der Leiche außerordentlich aufwändig und auch sehr gefährlich für die Einsatzkräfte war. Feuerwehr und Wasserwacht arbeiteten Hand in Hand, um zu dem Verunglückten auf Höhe der Eisenbahnbrücke zu gelangen. „Das Ganze wurde massiv durch Schaulustige behindert“, kritisiert Ritchie. Zwar wurden die Martinswinkelstraße und auch die Partnachbrücke an der Von-Brug-Straße von der Polizei gesperrt, das hielt Neugierige aber nicht davon ab, weiter zu filmen und zu fotografieren. Ein Unding.

Schon bevor der Tote gefunden worden war, hatte sich glücklicherweise die Lage in der Partnachklamm entspannt. Die Wassermassen hatten eine Wandergruppe in der Partnachklamm überrascht. 6 davon befanden sich noch in dem Naturdenkmal. 18 hatten dieses bereits verlassen – und alarmierten angesichts des reißenden Flusses die Bergwacht. Mit Unterstützung der Canyoning-Gruppe der Bergwacht Bayern machten sich Retter der Bereitschaft Garmisch-Partenkirchen auf und konnten glücklicherweise schnell feststellen, dass die Wanderer umgekehrt und nach Graseck aufgestiegen waren. Vorsorglich wurde eine Drohne von den Penzberger Kollegen eingesetzt, um die Klamm abzufliegen. So konnten die Einsatzkräfte sicherstellen, dass keine weitere Person festsaß, und außerdem wertvolles Bildmaterial fürs Wasserwirtschaftsamt Weilheim liefern.

Bilder vom Unwetter: Toter Mann in Partnach gefunden

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Kommentare

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krampfAntwort
(3)(0)

Die neuen hier eingesetzten Drohnen sind nahezu wetterunabhängig. Und wenn doch mal eine kaputtgeht, so ist das zwar ärgerlich und das Geld muß aufwändig (wenigstens bei der Bergwacht) wieder mit Spenden aufgebracht werden, allerdings ist das alles nichts im Vergleich zu einem Menschenleben, das damit vielleicht gerettet werden kann.

Quelle-OmaAntwort
(0)(0)

Die Idee mit den Drohnen finde ich gut. Leider sind diese aber auch wetterabhängig. Aber sobald Gewitter, Regen und evtl. ein Sturm abgeklungen sind, gibt es bestimmt kein schnelleres Suchmittel.

florino
(1)(0)

solange sich die Naturschutzbehörden weiger den Kies (Geschiebe) entnehmen zu lassen ,werden sich solche Hochwasser immer wieder wiederholen.