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Kampf um den Kunstschnee : Die Mit arbeiter der Bayerischen Zugspitzbahn Bergbahn arbeiten aktuell mit Hochdruck daran, die Piste für die Kandahar-Abfahrten startklar zu machen.

Organisatoren arbeiten mit Hochdruck an Weltcup-Rennen

Schneemangel: „Mit Winter hat das nichts zu tun“

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Sonniges Wetter mit Temperaturen im zweistelligen Bereich: Der Januar ist alles andere als winterlich. Das macht den Organisatoren der Weltcup-Rennen in Garmisch-Partenkirchen sowie des König-Ludwig-Laufs in Oberammergau zu schaffen.

Garmisch-Partenkirchen/Oberammergau – Guido Wolz räuspert kurz am Telefon, ehe er spricht. „Da zuckt man zusammen“, sagt der Leiter der Regionalen Wetterberatung in München angesichts der Prognosen für die nächsten Tage und Wochen für die Zugspitzregion. Ein Grad hat es auf der Zugspitze. Im Tal herrschen über zehn Grad. Viel zu warm, weiß Wolz. „Mit Winter hat das nichts zu tun.“ Die Temperatur liegt bis zu fünf Grad über dem Durchschnitt seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. „Sehr ungewöhnlich“, meint Wolz – und natürlich kein Vergleich zu den Werten vor genau einem Jahr. Damals begann am 7. Januar 2019 der katastrophale Wintereinbruch. Auf der Zugspitze lagen damals 4,65 Meter Schnee. Jetzt sind es 1,65 Meter – gerade Mal ein Viertel davon. Das wird sich auch so schnell nicht ändern, warnt Wolz. Bis Freitag, 17. Januar, liegt die Schneefallgrenze bei gerade Mal 2000 Meter. Darunter regnet es, wenn überhaupt: Es wird nicht nur warm, sondern auch trocken in den nächsten Tagen.

Zumindest Letzteres ist für Peter Fischer eine gute Nachricht. Je geringer die Luftfeuchtigkeit, desto besser kann Kunstschnee produziert werden. Nur die warmen Temperaturen bereiten dem Chef des Organisationskomitees des Alpinen Weltcups sowie Vorsitzenden des Skiclubs Garmisch Probleme. Mussten die Kandahar-Abfahrten vergangenes Jahr aufgrund von zu viel Schnee abgesagt werden, droht heuer das Gegenteil. Doch Fischer lässt sich nicht beirren und schon gar nicht aus der Ruhe bringen: „Noch haben wir Zeit“, sagt er. Außerdem würden die Arbeiter der Bayerischen Zugspitzbahn Bergbahn „wirklich hervorragend“ arbeiten. Sie präparieren gerade mit Schneekanonen und Raupen die Pisten für die Herren- und Damenabfahrt ab dem 1. Februar. Der obere Teil der Strecke über 1200 Höhenmeter sei soweit fertig. „Nur in der unteren Hälfte fehlt noch Schnee an manchen Stellen.“ Das Skigebiet in Garmisch-Partenkirchen sei eben nicht mit Kitzbühel oder gar dem Nachbarort Ehrwald zu vergleichen. „Wir haben hier ganz andere Emissionswerte“, meint er. Vor kurzem sei es oben an der Rennstrecke wärmer gewesen als unten. Wenn Nebel aufzieht, kann ebenfalls nur schlecht bis gar nicht beschneit werden. Deshalb hofft Fischer auf einen Temperaturabsturz am Freitag. Denn bei einer Absage steht finanziell viel auf dem Spiel. Als 2014 die vier Rennen wegen Schneemangels nicht stattfinden konnten, lag das Minus bei 200 000 Euro.

König-Ludwig-Lauf in Oberammergau: „Es braucht dringend echten Schnee“

Die Wetterprognosen beachtet Marc Schauberger bewusst nicht mehr. Das würde den Organisator des König-Ludwig-Laufs in Oberammergau nur unnötig verrückt machen. „Wir setzen auf Erfahrungswerte“, sagt er. Denn die vergangenen sechs Wochen haben ihm gezeigt, dass Wettervorhersagen nicht immer stimmen. Seit 1999 ist er im Organisationskomitee. Umgerechnet sind das 21 „Luggi-Läufe“. Rund 30 Helfer arbeiten momentan auf das Rennen hin. „Uns bleibt ja nichts anders übrig“, meint er. Bis jetzt sind schon 2500 Anmeldungen eingegangen. Stichtag ist für ihn Montag, der 27. Januar. Dann wird offiziell verkündet, ob der Lauf am 1. und 2. Februar im Ammertal stattfindet – oder eben nicht.

Um das Ereignis trotz der frühlingshaften Temperaturen zu stemmen, wird seit dem 20. November 2019 am Ettaler Eisplatz, nicht weit vom Veranstaltungsort entfernt, Kunstschnee hergestellt. Josef Pongratz schaut täglich auf das Thermometer. „Am besten ist trockene Luft und mindestens vier Grad Minus“, sagt der Produzent der weißen Pracht. Mit zwei Kanonen häuft er Schneeberge an und lässt diese mit Laster auf befestigten Untergrund aufbringen. Doch das reicht bei weitem nicht, um die 50 Kilometer lange Strecke zu präparieren. „Da brauchen wir schon echten Schnee von oben“, sagt Schauberger. Erst fünf Mal musste der Lauf in seiner 52-jährigen Geschichte abgesagt werden. Schauberger ist deshalb optimistisch. „Die Erfahrung zeigt, dass es schnell passieren kann, dass es innerhalb weniger Tage enorm schneit.“

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