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Ein Wahrzeichen: Die Sebastianskirche erinnert an die Pesttoten von 1632 bis 1634, zu deren Gedenken noch heute jeden Sonntag um 16 Uhr die Glocken läuten.

Von außen noch schmuck, aber innen nicht mehr

Pestkapelle muss saniert werden: Jetzt tauchte ein vergessener Vertrag auf - mit einer Überraschung

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Das hatte niemand mehr auf dem Schirm: Nicht die Pfarrei Partenkirchen, sondern die Marktgemeinde ist für die Sanierung der Sebastianskirche zuständig. Hintergrund war die Überlassung des alten Friedhofs zum Bau des Kriegerdenkmals. 

Ein Wahrzeichen: Die Sebastianskirche erinnert an die Pesttoten von 1632 bis 1634, zu deren Gedenken noch heute jeden Sonntag um 16 Uhr die Glocken läuten.

Garmisch-Partenkirchen – Söldner, protestantische, schwedische und katholische, drangen 1632 über Murnau ins Ammertal ein. Sie brandschatzten und plünderten in der ganzen Region – auch in Partenkirchen. Und sie brachten den Schwarzen Tod ins Land. Sämtliche Werdenfelser Gemeinden wurden bis 1634 von der Pest heimgesucht. Vor ihren Ortsgrenzen legten die Partenkirchner einen Friedhof für ihre Toten an und errichteten eine kleine Pestkapelle. „Somit ist sie das älteste noch erhaltene Gotteshaus unserer Pfarrei“, sagt Josef Angelbauer, Kirchenpfleger von Maria Himmelfahrt Partenkirchen. Dazu kommt, dass das Sebastianskircherl, das 1740 durch einen Turm und die Sakristei erweitert worden war, auch im Wappen des Ortsteils verewigt ist. „Etwas ganz Besonderes“ nennt Angelbauer den roten Bau am Eingang in die historische Ludwigstraße.

Von außen schaut das Kircherl mit seinen einprägsamen Fresken schmuck aus, innen jedoch besteht großer Sanierungsbedarf. „Vom Ruß ist alles schwarz“, verdeutlicht Angelbauer das größte Manko. Dies sei vor allem der temporären Heizung geschuldet, die angesichts der starken Belegung durch die Lateiner, die die Messe nach dem altrömischen Rhythmus zelebrieren, und die rumänisch-orthodoxe Gemeinde in der kalten Jahreszeit zum Einsatz kommt. „Seit einigen Jahren wird die Kirche sehr gut genutzt, fünf bis sechs Gottesdienste in der Woche finden hier statt.“ Neben den Wänden bereitet dem Kirchenpfleger auch das kaputte Gestühl Sorgen. Für ihn, Pfarrer Andreas Lackermeier und die weiteren Vertreter der Pfarrei war schnell klar, dass dringender Handlungsbedarf besteht. 50 000 Euro, schätzen sie, kostet dieses Vorhaben. „Eigentlich wollten wir’s im August durchziehen, darauf haben wir hingearbeitet“, erinnert sich Angelbauer. Doch daraus wird nichts.

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Sie wollten nur etwas über die Farben erfahren, aber dann...

Auf der Suche nach alten Rechnungen, von denen sie sich insbesondere Aufschluss über die bisher verwendeten Farben versprachen, stießen sie auf etwas Unerwartetes. „Einen Vertrag von 1937, als die Pfarrei den alten Friedhof hergegeben hat“, sagt Angelbauer. Hintergrund dieser notariell verbrieften Übertragung an die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen war deren Wunsch, die Fläche hinter dem Gotteshaus zum Bau eines Kriegerdenkmals zu nutzen. Damit verbunden ging der Markt die Verpflichtung ein, sich künftig auch „um alles zu kümmern, was die Sanierung der Kirche anbelangt – außen und innen“.

Das entsprechende Dokument präsentierte Angelbauer nun Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), die sichtlich erstaunt darauf reagierte. „Ich kannte den Vertrag vorher nicht“, räumt sie ein. Um das weitere Vorgehen zu besprechen, will sie sich nun schnellstens mit dem Pfarrer und seinem Team zusammensetzen.

Ein Plan, den Lackermeier befürwortet. „Auch wir hatten diesen Überlassungsvertrag nicht mehr auf dem Schirm“, sagt er. Nachdem er jetzt aber wieder auftauchte, „gehe ich davon aus, dass die Gemeinde einspringt und die Sanierung des Gewölbes, der Wände und der Bänke übernimmt“. Auch in puncto Heizung „müssen wir uns etwas überlegen“, betont der Pfarrer. „Die Würfel mit den Gasflaschen gehen gar nicht mehr.“ Doch auch die Kirchenstiftung macht sich für das kleine Gotteshaus stark, verspricht Lackermeier. „Die Reinigung der Bilder beispielsweise wird aus diesem Topf übernommen.“

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In die geplante Sanierung ist neben dem Denkmalschutz auch die Erzdiözese München und Freising involviert. „Ein Termin mit unseren Kunst- und Bauexperten hat schon stattgefunden“, bestätigt Bettina Göbner, Sprecherin des Erzbischöflichen Ordinariats München. Mit diesen Stellen gelte es unter anderem, die künftige Farbe abzustimmen, sagt Angelbauer. Entscheidender sei jetzt aber die weitere Verhandlung mit der Marktgemeinde. Nachdem diese nun in das Vorhaben involviert ist, müsse das Thema zunächst deren sämtliche Gremien durchlaufen. Daher schätzt er, dass das Pestkircherl wohl erst 2020 saniert werden kann.

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