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Warten auf den Guss: Die Glocken stehen bereits auf der Grube vor dem Schmelzofen. Das Feuer unter den einzelnen Exemplaren bedeutet, dass die „falsche Glocke“, also das Mustermodell, ausgeschmolzen wird.

St. Anna, St. Anton und Maria Himmelfahrt bekommen neues Geläut

Historisches Ereignis: Sechs Kirchenglocken werden in Passau gegossen

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St. Anton, St. Anna und Maria Himmelfahrt – alle drei Kirchen bekommen neue Glocken. Am Dienstag werden sechs von insgesamt zehn Exemplaren in Passau gegossen. Wegen Corona im Beisein von weniger Augenzeugen als geplant. Das dürfte auch bei der Weihe der Fall sein.

Garmisch-Partenkirchen– Josef Angelbauer sitzt auf glühenden Kohlen, wartet jede Minute auf den Anruf der Gießerei Perner aus Passau. Am Freitag klingelt das Telefon. Endlich kann die Reise losgehen. Am Dienstagmittag steigen der Kirchenpfleger der Pfarrei Partenkirchen, Pfarrer Dekan Andreas Lackermeier sowie Mitglieder der Kirchenverwaltung und des Pfarrgemeinderats in ihre Pkw und steuern die Drei-Flüsse-Stadt an. Um mit eigenen Augen zu sehen, wie die neuen sechs Bronze-Glocken für St. Anna und Maria Himmelfahrt gegossen werden.

Geplant war der Kurztrip anders. Im größeren Stil. Gemeinsam mit dem Bus wollte man fahren. 25 Leute ungefähr. „Das ist unmöglich“, sagt Lackermeier enttäuscht. Maximal zehn Personen dürfen mit. Der Platz in der Gießerei reicht sonst nicht, um den Corona-Sicherheitsabstand einzuhalten. „Wir sind ganz traurig“, betont der Kirchenpfleger. „Wir hatten schon alles organisiert –mit Fahnenabordnung und Musik.“

Vier der zehn Glocken hat der Betrieb bereits vor etwa vier Wochen gefertigt. Die drei für St. Anton und ein Exemplar für die Partenkirchner Pfarrkirche. Sehr spontan. Das Unternehmen hatte am Montag angerufen, am Mittwoch ging’s schon los. Die Gießerei wollte keine Zeit mehr verlieren. Wegen der Corona-Krise war es zu Verzögerungen gekommen. „Die wichtigsten Leute sind Tschechen“, erklärt Angelbauer das Problem. Und die saßen hinter der Grenze fest.

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Video aus Passau

Niemand aus dem Ort hat live gesehen, wie die vier kleineren Modelle geboren wurden. Angelbauer setzte sich vor den Bildschirm, um per Konferenzschaltung den Vorgang zu verfolgen. Doch die Technik streikte. Vom Termin am Dienstag aber soll es ein Video geben. Wenn schon nicht alle mitfahren dürfen. Schließlich, sagt der Kirchenpfleger, ist das Gießen „etwas Besonderes“.

Insgesamt zehn Glocken werden erneuert. Vier in der Pfarrkirche und jeweils drei in Wambergs St. Anna und in der Wallfahrtskirche St. Anton. Experten des Erzbischöflichen Ordinariats München hatten damals, nachdem 2017 die 2,6-Tonnen-Geläut in der Pfarrkirche aus der Verankerung gebrochen war, die Anlagen in den Gotteshäusern unter die Lupe genommen und damit das Ende der maroden Eisen-Modelle besiegelt. Nur die Sterbeglocke und das große Bronze-Exemplar hielten der Untersuchung stand. Rund 360 000 Euro kosten die Arbeiten, in deren Zuge auch der komplette Glockenstuhl in Maria Himmelfahrt und die Steuerung in St. Anna umgebaut werden müssen. Durch Spenden und Zuschüsse finanziert die Pfarrei das Groß-Projekt.

Corona erschwert die Weihe

Wann die neuen Glocken an ihrem Platz hängen, vermag Angelbauer nicht genau abzuschätzen. Prognosen sind schwierig in Zeiten wie diesen. „Aber wir halten an der Reihenfolge fest“, sagt er. Heißt: Ab Juli werden als erstes die Glocken in St. Anton installiert. Dort geht’s am schnellsten. weil keine baulichen Änderungen an Turm und Maschinerie nötig sind. Acht Tage, schätzt Angelbauer, dauert das Ganze. Nummer zwei: St. Anna. Zwei Wochen schweigen in Deutschlands höchstgelegener Kirche die Glocken. Als letztes kommt die Pfarrkirche dran. Dort kalkuliert Angelbauer mit drei Wochen für die Arbeiten.

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Bevor die Fachmänner die neuen Modelle in ihre Position bringen, werden sie noch geweiht. Das sollte eigentlich im Rahmen des Patroziniums – am 13. Juni in St. Anton, am 26. Juli in Wamberg und am 15. August in Maria Himmelfahrt – mit einem großen Fest passieren. „Mit Corona ist das nicht machbar“, betont Angelbauer. Die Verantwortlichen grübeln, überlegen, wie sie die Weihe bewerkstelligen können. In einer Zeit, in denen Gottesdienste im Freien auf 50 Teilnehmer begrenzt sind. „Wir hängen in der Luft“, sagt der Kirchenpfleger ratlos. Traditionsgemäß segnet der Abt von Ettal die Glocken. Diesmal eventuell draußen am Kirchplatz unter „sparsamer Beteiligung“.

Weitere Information

Die sechs neuen Glocken werden am  Dienstag in Passau gegossen. Los geht’s voraussichtlich um 15 Uhr. Wie Pfarrer Dekan Andreas Lackermeier mitteilt, werden dann für circa fünf Minuten die Glocken der Kirchen Maria Himmelfahrt, St. Anton und St. Anna erklingen. „Den Gläubigen der Pfarrei dient das Läuten als Hinweis für diesen historischen Augenblick“, teilt der Geistliche mit.

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