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Der Glockengießer-Profi: Rudolf Perner.
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Premiere in Partenkirchen: Barnabas Bögle, Abt von Ettal, schlägt zum ersten Mal die große Bronze-Glocke für die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt an.
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Ein Meilenstein in der Geschichte der Pfarrei Partenkirchen

Fortan im Dienste des Herrn: Sieben neue Glocken geweiht

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Ein Tag wie im Märchen: Bei herrlichem Wetter wurden die ersten neuen Partenkirchner Glocken geweiht. Sie erklangen auch zum ersten Mal. 

Garmisch-Partenkirchen – Barnabas Bögle greift zum Holzklöppel. Schnell kruschen einige Gottesdienst-Besucher noch in ihren Taschen und Jacken nach ihrem Handy. Dann wird’s still. Der Abt von Ettal holt aus und schlägt um 9.46 Uhr die kleinste Glocke an, arbeitet sich bis zur großen vor. Zum ersten Mal erklingen die sieben Exemplare von St. Anton und Maria Himmelfahrt – sie sind aufeinander abgestimmt – in ihrer Heimat. Etwa 500 Jahre sollen sie läuten. „Das hängt davon ab, wie sie die Partenkirchner hernehmen“, sagt Rudolf Perner und lacht.

Der Passauer filmt wie viele andere das kleine Konzert. Für sich selbst und seine Belegschaft. Sein Betrieb hat die Glocken gegossen. „Ich hab’ gewusst, dass der Klang passt“, sagt er. Den Test mit einem Sachverständigen der Erzdiözese München und Freising hatte es schon in seiner Werkstatt gegeben. Trotzdem will er den historischen Moment verewigen. Eine Erinnerung an einen besonderen Auftrag. „Glocken für drei Kirchen gleichzeitig zu gießen, das war schon einmalig.“

Vier Kreuze mit Chrisam

Rund 200 Gläubige, Fahnenabordnungen der Ortsvereine, Vertreter aus Politik und Kirche nehmen am Sonntagvormittag am Gottesdienst im Olympia-Skistadion teil. Hinter den Corona-bedingten Absperrungen tummeln sich ein paar weitere Schaulustige und Wanderer. Sie alle erleben den „Meilenstein in der Geschichte der Pfarrei“, so bezeichnet Pfarrer Andreas Lackermeier den Freudentag.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die nun zu ersetzenden Modelle aus Eisen im Jahre 1945 ihren Segen erhalten. Damals von Abt Angelus Kupfer. An diesem Sonntag nach dem Gebet besprenkelt Abt Bögle die Glocken mit Weihwasser, beräuchert sie, salbt sie jeweils an vier Stellen mit Chrisam – und übergibt die mit Blumen geschmückten „Meisterwerke der Handwerkskunst“ damit an einen höheren Zweck. Sie stehen fortan im Dienste des Herrn.

Für den Geistlichen verkörpern sie viel mehr als „eine Klangverschönerung“, als einen schönen Brauch. Die Glocken seien die mahnende Stimme Gottes an die Menschen. Sie zeigen nicht nur den Beginn der Messen an, sie erinnern an die Liebe des Herrn, ans Gebet und laden zu den Gottesdiensten ein. „Unsere Gesellschaft braucht das ganz dringend“, betont er in seiner Predigt. Der Abt richtet sich deshalb an Eltern sowie Omas und Opas. „Sie müssen die Verstärker der Glocken sein“, sagt er. Ihnen obliege die Aufgabe, Kinder in die Messen mitzunehmen und ihnen den Glauben weiterzuvermitteln.

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“Gewaltige Gemeinschaftsleistung“

Als „inspirierend“ bewertet der Partenkirchner Pfarrer Lackermeier Bögles Worte. Er grinst beseelt, ist überwältigt vom Gottesdienst, von der Unterstützung der vielen Spender und Helfer. Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) nennt’s eine „gewaltige Gemeinschaftsleistung“, die sie „ganz tief im Herzen berührt“. Für die Rathaus-Chefin steht an diesem Tag mit herrlichstem Sonnenschein nach dem verregneten Samstag eines felsenfest: „Ich hab’ schon immer gewusst, dass der Herrgott ein Werdenfelser ist“, sagt sie. „Heute bin ich überzeugt, dass er seinen Zweitwohnsitz in Partenkirchen hat.“

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Schon am Montag wird die Glockenanlage in der Wallfahrtskirche St. Anton abgestellt, Dienstagfrüh kommen die alten Exemplare raus und die neuen rein. In Maria Himmelfahrt läuten die alten Modelle noch eine Woche, erzählt Lackermeier. Dann schweigen sie voraussichtlich für vier bis fünf Wochen. Ein genauer Termin, wann genau dort der Ein- und Ausbau über die Bühne geht, existiert noch nicht. Währenddessen warten die drei Glocken von St. Anna in Wamberg im sicheren Lager auf ihre Weihe. Sie findet zum Patrozinium am 26. Juli statt.

Alles läuft nach Plan. Durchkreuzt hat ihn nur Corona. Das Virus verhinderte am Sonntag das Pfarrfest nach dem Gottesdienst. Doch Lackermeier weiß schon, in welchem Rahmen er den gemütlichen Teil der Glockenweihe mit den Gläubigen begeht. Kommendes Jahr werden 300 Jahre St. Anna in Wamberg und 150 Pfarrkirche Maria Himmelfahrt gefeiert. „Dann lass’ ma es so dermaßen krachen.“

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