Eine blonde Frau steht bei Sonnenschein vor einem Bergmassiv.
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Die Botschafterin in Aktion: Maria Höfl-Riesch bei den Dreharbeiten für den WM-Bewerbungsfilm.

Besondere Rolle von Maria-Höfl Riesch

Garmisch-Partenkirchen will die Ski-WM 2025 - jetzt wurde die Entscheidung verkündet

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Kommt 2025 die dritte Ski-WM nach Garmisch-Partenkirchen? Am 3. Oktober fällt die Entscheidung. Skistar Maria Höfl-Riesch ist WM-Botschafterin, 2011 war sie die große Favoritin auf der Piste. Bei der Vergabe 2006 das große Talent. Besondere Erinnerungen.

  • Am 3. Oktober, 17.30 Uhr, wird der Austragungsort für die Ski-WM 2025 verkündet.
  • Für Garmisch-Partenkirchen tritt Skistar Maria Höfl-Riesch als Botschafterin auf.
  • Auch im Bewerbungsvideo über die Helden der Kandahar spielt sie eine wichtige Rolle.

Update vom 3. Oktober, 17.35 Uhr: Die Ski-WM 2025 wird in Saalbach-Hinterglemm stattfinden. Das gab der Internationale Ski-Verband Fis soeben bekannt.

Ursprungsartikel: Garmisch-Partenkirchen will die Ski-WM 2025 - Skistar Maria-Höfl Riesch spielt besondere Rolle

Garmisch-Partenkirchen – Im Mai 2006 war Maria Riesch 21 Jahre alt – und von ihren wahrlich großen Erfolgen noch ein gutes Stück entfernt. Drei Weltcups hatte sie bis dahin gewonnen. Aber: Sie galt bereits als die Ski-Rennläuferin der Zukunft. Logisch, als fünffache Junioren-Weltmeisterin. Felix Neureuther und sie bildeten das hoffnungsvollste Gespann des deutschen Skisports. Ein idealer Spannungsbogen für eine Ski-WM im Jahre 2011 – daheim, vor der Haustür in Garmisch-Partenkirchen.

Also gehörten die beiden damals schon zur Delegation, die nach Vilamoura in Portugal flog. In dem kleinen Städtchen an der Algarve, bekannt eher für seine Golfplätze und Pubs im Jachthafen als für Wintersport, fiel am 25. Mai die Entscheidung: 9:6 gegen Schladming – grenzenloser Jubel und Freudentränen bei Peter Fischer und den Mitfiebernden im deutschen Bewerberteam samt Ministerpräsident Edmund Stoiber. Nach so vielen Niederlagen in den Jahrzehnten zuvor hatte es endlich geklappt. Ein bisserl weniger Begeisterung dagegen bei den Österreichern, die zwei Jahre später zum Zug kamen.

Tag der Deutschen Einheit ist der Tag der Entscheidung für die Ski-WM

14 Jahre und ein paar Monate später steht wieder ein solch wegweisender Tag an: An diesem Samstag, dem 3. Oktober, dem 30. Tag der Deutschen Einheit, wird erneut über die Vergabe einer alpinen Ski-WM entschieden. Dieses Mal mit weniger Brimborium. Ohne Strände, ohne Hotels, ohne Händeschütteln. Dieses Mal alles online, nüchtern, quasi anonym per Videostream. Wieder hat Garmisch-Partenkirchen seinen Hut in den Ring geworfen, wieder gibt es einen Mitbewerber aus Österreich. Diesmal sind es allerdings drei Kandidaten: neben Saalbach-Hinterglemm auch die Westschweizer aus Crans-Montana.

Wieder dabei ist dafür Maria Riesch. Mittlerweile seit sechs Jahren vom aktiven Rennsport zurückgetreten, seit sechs Jahren verheiratet, mit vier Olympia- und sechs WM-Medaillen dekoriert. Kurzum: „Deutschlands erfolgreichste Skirennläuferin“, fasst Peter Fischer, der Chef des Bewerbungskomitees, zusammen.

Maria Höfl-Riesch ist das Gesicht der WM-Bewerbung Garmisch-Partenkirchen

Diese Maria Höfl-Riesch bildet das Gesicht der WM-Bewerbung für 2025. Steht ein für ihre Heimatgemeinde, in der sie für ihre Karriere geformt wurde. „Das ist eine große Ehre“, sagt die 35-Jährige. Vor allem, da sie nun tatsächlich im Fokus der Kampagne steht. An 2006 erinnert sie sich gut. „Wir waren mit einer starken Mannschaft in Portugal, Rosi und Christian (Neureuther, Anm.d.Red.) gehörten dazu.“ Rosi Mittermaier nahm damals ihren Part ein, saß mit auf dem Podium, gehörte dem Sextett an, das die finale Präsentation durchzog. Legendär ihr Stolperer: Beim zweiten englischen Satz war Schluss gewesen, die Ski-Königin blieb hängen. Nichts ging mehr. Wie ein Einfädler in einem Slalom. Doch wer, wenn nicht Mittermaier hätte die Situation retten können. Mit ihrem grenzenlosen Charme wickelte sie die Herren des FIS-Council, des höchsten Gremiums, um den Finger. Holte sie auch in Deutsch ab. Kein Geringerer als Gian Franco Kasper, der FIS-Präsident, beruhigte die Rosi – schon war das Eis gebrochen. Vielleicht die Szene der WM-Vergabe 2006.

Gezeichnet von der Nervenanspannung: Peter Fischer mit Edmund Stoiber und der Ausrichter-Urkunde.

Höfl-Riesch saß damals noch hinten im Saal. Beobachtete das Geschehen. Nun hat sie den Rollentausch vollzogen. Die Dreifach-Olympiasiegerin führt die Bewerbung an, begleitet den Betrachter im knapp zehnminütigen Video. Selbst für die medial sehr aktive Frau von Welt eine neue Erfahrung. „Ich hatte wirklich Respekt davor.“ Logisch. Sie bekam die Texte vorgegeben, „lange Passagen in Englisch“, sagt sie und lacht. Wie in einem Drehbuch. Höfl-Riesch als Schauspielerin quasi. Doch sie meisterte ihren Part. „Bravourös“, merkt Fischer an. „Man hat gesehen, dass sie durch und durch Profi ist.“

3. Oktober: Entscheidung um Ski-WM 2025 findet online statt

Fischer zweifelte nicht eine Sekunde daran, dass die deutsche Vorzeigeskifahrerin die Richtige für Garmisch-Partenkirchens WM-Projekt sein würde. „Wir hatten uns beim Heimweltcup im Februar schon unterhalten. Maria bot sofort an, uns zu unterstützen.“ Freilich musste Fischer Rücksprache halten. Bei seinen Leuten war das keine Frage, der Deutsche Skiverband willigte ebenfalls ein. „Und die Marktgemeinde hielt sich da sowieso raus.“

Maria Höfl-Riesch (hinten) in Feierstimmung nach dem Zuschlag im Jahre 2006 in Vilamoura.

Im Juni nahmen sie wieder Kontakt auf, um den Stand der Dinge zu klären. Mittlerweile war klar, dass es keinen Kongress in Thailand geben würde, vielleicht eine Notausgabe in der Schweiz. „Es hieß, wir dürfen dort mit sechs Mann auftreten“, berichtet Fischer. Doch auch dieser Plan scheiterte. „Jetzt sind wir am Ende angelangt.“ Bei der Online-Variante. Ein Graus für einen gewieften Funktionär wie Fischer. „Das Schlimmste ist: Du sitzt da und kannst nichts machen.“

WM-Video aus Garmisch-Partenkirchen: Helden der Kandahar - samt Maria Höfl-Riesch

In Windeseile musste die Präsentation vorbereitet werden. „Wirklich eine spontane Aktion“, bestätigt Höfl-Riesch. Vor zwei Wochen erst kam sie nach Garmisch-Partenkirchen, um die Szenen in den Kasten zu bekommen. Von der Umsetzung aber zeigte sie sich begeistert. „Die Storyline ist wirklich gut, alles perfekt gemacht.“ Zu viel darf sie im Vorfeld nicht verraten. Höfl-Riesch führt die Betrachter an die Schauplätze der WM 2011, ins Skistadion, raus ans Kreuzeck. Immer wieder moderiert sie zwischen den Beiträgen. Das Motto der Produktion – damit auch der Bewerbung: Heroes of the Kandahar, Helden der Kandahar. „Es geht darum, wie super die Sportler die Rennen in Garmisch-Partenkirchen finden, dass sie immer wieder gerne kommen.“ Zudem um die Tradition, um Themen wie Nachhaltigkeit.

Eindrücke, die Höfl-Riesch aus ihrem eigenen Athletenleben nur bestätigen kann. „Es war immer alles perfekt hier, die Piste, die Betreuung der Rennläufer, die tolle Atmosphäre im Ziel.“ Sie selbst durfte vor neun Jahren das Spektakel der Heim-WM hautnah erleben. „Am Ende war es für mich mit zwei Bronzemedaillen schon eine erfolgreiche WM“, resümiert sie mit Abstand. „Natürlich hatte ich das große Ziel, daheim Weltmeisterin zu werden. Aber das haben gewisse Umstände eben nicht zugelassen.“ Höfl-Riesch wurde krank, ihre Starts hingen am seidenen Faden. Dennoch reichte es zu zweimal Bronze in den Speed-Rennen zu Beginn. Im Slalom wurde sie undankbare Vierte. „Und trotzdem war es eine Wahnsinnserfahrung, vor dem heimischen Publikum zu fahren, diese Euphorie mitzuerleben.“

3. Oktober, 17.30 Uhr: Austragungsort der Ski-WM 2025 wird verkündet

Dass die Titelkämpfe für 2025 nun bei einer Online-Konferenz des Ski-Weltverbandes vergeben werden, bedauert Höfl-Riesch zutiefst. „Natürlich ist die Situation für alle Bewerber gleich, aber es ist schade, da man keinerlei direkte Kontakte hat, sich nicht trifft und bei dem einen oder anderen noch persönliche Überzeugungsarbeit leisten kann.“

Der große Moment: Gian Franco Kasper öffnet den Umschlag. 2006 zog er den Namen Garmisch-Partenkirchen heraus. Am 3. Oktober 2020 wieder?

Das schmerzt auch Fischer am meisten. „Die seelische Belastung bleibt die gleiche“, sagt er. „Aber vor Ort kannst du in die Menschen reinhorchen, ein Gefühl für die Situation bekommen. Ich bin einer, der will mit den Menschen Kontakt haben.“ Und so muss er die letzten Stunden bis zur Präsentation am Samstag um exakt 16.05 Uhr und später bis zur Verkündung um 17.30 Uhr noch ein wenig leiden.

Ski-WM 2025: Saalbach der Favorit, Garmisch-Partenkirchen mit guter Bewerbung - „alles perfekt umgesetzt“

Zu den Chancen für den Kandidaten Garmisch-Partenkirchen sagt er nicht viel. Nur: „Unsere Bewerbung ist gut, mit Maria haben wir alles perfekt umgesetzt.“ Die Protagonistin lehnt sich ein wenig weiter aus dem Fenster. „Saalbach hat sich zum zweiten Mal beworben, was das heißt, wissen wir aus eigener Erfahrung aus Vilamoura.“ Im Klartext: Das könnte ein Vorteil sein. Auch die Vergabepraktiken der FIS seien hinlänglich bekannt. „Aber wir hatten damals in Portugal mit Abstand die beste Bewerbung und hoffen natürlich, dass wir das Council auch dieses Mal überzeugen können.“

In der Schweiz machen sich die Verantwortlichen offenbar nicht viele Hoffnungen. So jedenfalls fassen es die Kollegen der Berner Zeitung zusammen. Für sie ist die WM bereits vergeben – nach Saalbach-Hinterglemm. „Garmisch-Partenkirchen und Crans-Montana werden chancenlos sein“, mutmaßt der Verfasser dort. Klar macht er auch, dass die Schweizer bereits signalisiert haben, für 2027 und notfalls auch 2029 wieder ins Rennen zu gehen.

So weit sind sie in Garmisch-Partenkirchen noch nicht. Denn mit einer Niederlage möchten sich Fischer und Höfl-Riesch nicht bereits im Vorfeld abgeben. Die Olympiasiegerin zeigt sich kämpferisch: „Garmisch-Partenkirchen braucht eine Ski-WM.“ Ginge es nach der persönlichen Erfolgsbilanz der WM-Botschafterinnen, hätte die Marktgemeinde die Nase vorne: Höfl-Riesch vor Alexandra Meissnitzer (Saalbach) und Michelle Gisin (Crans-Montana) – das wäre dann die Reihenfolge.

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