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In dem Gebäude am Richard-Strauss-Platz 2 ist Spielwaren Zitzmann seit 1948 Mieter.

Die vorletzte Trumpfkarte

Spielwaren Zitzmann startet Bürgerbegehren

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Die Lage bei Spielwaren Zitzmann ist seit Jahren existenzbedrohend: Der Grund: Die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen hat für das Gebäude am Richard-Strauss-Platz 2, in dem die Firma seit 1948 Mieter ist, Eigenbedarf angemeldet. Zitzmann will aber nicht weichen, weil er nur an diesem Standort wirtschaftlich arbeiten könne.

Garmisch-Partenkirchen – Seine vorletzte Trumpfkarte hat Max Zitzmann (58) am Mittwoch gezogen. Sticht sie, besteht die Hoffnung, dass sein Spielzeuggeschäft in dem Gebäude am Richard-Strauss-Platz, das dem Markt Garmisch-Partenkirchen gehört, eine Überlebenschance hat. Wenn nicht? „Dann sind wir am Jahresende Geschichte“, sagt er. Das Ass, das Zitzmann ausspielt, heißt Bürgerbegehren. Dazu hat er sich „nach langen Diskussionen“ mit seiner Frau und seinem Sohn entschlossen. Er will erreichen, dass es zu einem Bürgerentscheid kommt, damit seine Traditionsfirma bei einem positiven Ergebnis an dem Ort, an dem sie seit 1948 Mieter ist, weiter Spielzeug verkaufen kann. Ab heute legt er Unterschriftenlisten aus, bei sich im Laden, bei befreundeten Kollegen. Plakate in seinen Schaufenstern weisen Kunden und Bürger auf seine Situation hin.

Die ist seit Jahren verzwickt und existenzbedrohend. Darauf hatte Zitzmann in den zurückliegenden Tagen in großformatigen Schildern in der Auslage aufmerksam gemacht. Ein Vorgehen, das der Gemeinde missfiel und die schriftlich dagegen vorging. Den Brief, unterschrieben von Vize-Bürgermeister Wolfgang Bauer (CSU) – Rathaus-Chef Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) befand sich in Urlaub –, interpretierte Zitzmann als Abmahnung. Meierhofer nennt das Schreiben eine Aufforderung, solche Dinge „zu unterlassen“.

Die Gemeinde und Zitzmann pflegen seit mehr als zwei Jahren ein schwieriges, ein gestörtes Verhältnis. Zitzmann versucht, einen längerfristigen Vertrag zu bekommen – zurzeit kämpft er um vier Jahre, nachdem der Finanzausschuss des Gemeinderats Ende Mai die erneute Verlängerung bis zum 31. Dezember 2018 einstimmig abgelehnt hatte. Der Grund: Der Markt meldete Eigenbedarf an, weil die Touristinformation mehr Platz benötige. Der Unternehmer konterte mit einer Rechtsaufsichtsbeschwerde gegen Meierhofer. Bis darüber entschieden ist, kann es dauern. Günter Hopfensperger, der zuständige Sachbearbeiter im Landratsamt, ist derzeit mit mehreren Beschwerden gegen die Rathaus-Chefin befasst. Auf die Tagblatt-Nachricht, dass Zitzmann ein Bürgerbegehren anstrebe, reagierte Meierhofer überrascht. Es ist das zweite innerhalb weniger Tage. Die Funkmastgegner rund um die Törlenstraße haben ebenfalls eines auf den Weg gebracht.

Im Hause Zitzmann ist man überzeugt, dass es gelingt, die Garmisch-Partenkirchner für ihre Sache zu gewinnen. Rund 1700 Stimmen oder acht Prozent der Wahlberechtigten sind nötig, damit dem Bürgerbegehren Erfolg beschieden ist. Vor fast eineinhalb Jahren war es der Zitzmann-Belegschaft – die 17 Angestellten bangen wieder einmal um ihre Jobs – gelungen, 2310 Personen zu mobilisieren, die sich mit ihren Unterschriften für den Verbleib ihres Arbeitgebers in dem Gebäude-Trakt am Richard-Strauss-Platz aussprachen. Die Bürgermeisterin und den Gemeinderat hatte diese große Zahl an Zitzmann-Unterstützern wenig beeindruckt.

Trotz des Bürgerbegehrens: Zitzmann sagt, er sei bereit, sich mit der Gemeinde an einen Tisch zu setzen. „Wir bieten den Dialog an, den man mit uns nicht pflegt.“ Und man könne über alles reden. Auch über eine Flächenreduzierung im Haus am Richard-Strauss-Platz 2. Dort sieht Zitzmann für sein Unternehmen, das der Gemeinde jährlich Einnahmen im sechsstelligen Bereich sichere, die einzige Möglichkeit, wirtschaftlich zu arbeiten. Angebote für Alternativstandorte, wie aus dem Rathaus häufiger kolportiert, habe er nie bekommen.

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