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Baumfäll-Aktion am Kirchbichl: Oberauer Feuerwehr-Kräfte und Hausbesitzer Bernhard Hübner (r.) arbeiten Hand in Hand, um die gewaltigen Sturmschäden zu beseitigen.

Bäume stürzen auf Haus

Die Sturmnacht: Sie war kurz, aber heftig

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  • Ludwig Hutter
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  • Andreas Seiler
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Kurz, aber heftig hat der Sturm in der Nacht auf Dienstag im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gewütet. Mehrfach mussten Feuerwehr und Polizei ausrücken. Besonders heftig hat es einen Oberauer erwischt, auf dessen Haus zwei Buchen krachten. Ein Überblick.

Landkreis – Nicht der Sturm, sondern seine völlig aufgelöste Schäferhündin hat Bernhard Hübner gestern gegen 3.20 Uhr aus dem Schlaf gerissen. „Sie ist immer wieder gegen die Tür gehüpft.“ Warum das Tier so aufgeregt war, stand schnell fest. Zwei Buchen stürzten auf das Dach seines Hauses am Oberauer Kirchbichl, eine landete auf dem Gastank. Etliche weitere Bäume im darüberliegenden Wald – Hübner schätzt bis zu 50 – rissen die heftigen Windböen ebenfalls um. Hübner, der mit seiner Familie im Erdgeschoss wohnt, erinnert sich „an einen gewaltigen Schlag“. Der Spuk, der ihm wie ein Wirbelsturm erschien, dauerte knapp 15 Minuten. Zeit genug, um einen enormen Schaden anzurichten. Laut Gutachter, der sich gestern Nachmittag gleich ein Bild von dem Unglück machte, liegt dieser im mittleren fünfstelligen Bereich. „Bei uns schaut’s aus wie nach einem Bombenangriff“, sagt Hübner. So etwas habe er noch nie erlebt. „Eine Holzpalette ist 20 Meter in die Luft geschleudert worden.“

Die Aufräumarbeiten, bei denen Kräfte der Oberauer Feuerwehr mit Kommandant Florian Schindlbeck kräftig anpackten, dauerten bis in den Nachmittag hinein. Neben den umgestürzten Bäumen wurden auch solche, von denen Gefahr drohte, entfernt. „Das Dach haben wir erst einmal mit einer Plane abgedeckt“, erklärt Hübner. Nachdem er in den frühen Morgenstunden das Ausmaß der Zerstörung an seinem Haus begutachtet hatte, machte er sich zu den Nachbarn auf. „Da war aber alles in Ordnung.

Garmisch-Partenkirchen: Wankbahn steht zeitweise still

„Nicht dramatisch beschreibt ein Sprecher der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen die Nacht auf Dienstag. Sieben Notrufe wegen umgestürzter Bäume und herumliegender Äste gingen bei ihm und seinen Kollegen ein. „Das konnte die Feuerwehr schnell beseitigen. Wir sind gut davongekommen.“

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Der starke Wind sorgte allerdings dafür, dass die Wankbahn zeitweise nicht fahren konnte. Am Dienstag ging zwischen 12 und 13 Uhr nichts mehr, am Montage hatte der Sturm den Mitarbeitern bereits kurz nach 10 Uhr zu schaffen gemacht. „Dazu kam noch ein mechanischer Schaden an einer Stütze“, sagt Johannes Burkart, Sprecher der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB). Somit ging im oberen Bereich der Anlage gar nichts mehr. Berggeher, die eigentlich per Bahn zurück ins Tal gelangen wollten, mussten im Wankhaus übernachten. Zwischen Tal- und Mittelstation verkehrte die Bahn ab Mittag wieder.

Loisach: Uferwege sind komplett gesperrt

Zwischen Garmisch-Partenkirchen und Murnau sind die Uferwege an der Loisach derzeit komplett gesperrt. „Nach dem Föhnsturm könnten Bäume umstürzen und Äste herabfallen“, erklärt Franziska Klein vom Landratsamt Garmisch-Partenkirchen. Die Sperrung gilt bis Ende kommender Woche.

Ohlstadt: Maibaum wird aus Sicherheitsgründen umgeschnitten 

Der Ohlstädter Maibaum hat dem heftigen Sturm nicht standgehalten.

Stark in Mitleidenschaft gezogen wurde die Gemeinde Ohlstadt. „Uns hat es besonders heftig erwischt“, berichtet Bürgermeister Christian Scheuerer (parteilos). Sogar das Wahrzeichen des schmucken Heimgarten-Dorfes, der Maibaum in der Ortsmitte, musste daran glauben. Er stand nach dem heftigen Sturm schief, weil es die Halterung verbogen hatte. Das gute Stück musste aus Sicherheitsgründen abgesägt und mithilfe des großen Feuerwehrkrans aus Garmisch-Partenkirchen abmontiert werden – ein aufwändiger Einsatz, den sich viele Schaulustige nicht entgehen ließen. Außerdem wurden im gesamten Ortsgebiet mehrere Gebäude beschädigt, in erster Linie an den Dächern und Kaminen. Zudem wurden die Wander- und Bergwege gesperrt, weil überall Sturmholz herumliegt und die Strecken nicht passierbar sind.

Die Feuerwehren im Staffelsee-Gebiet waren im Dauereinsatz. Die ehrenamtlichen Kräfte befreiten die Straßen von Bäumen und Ästen, aber auch von herumgewirbelten Reklametafeln, Mülltonnen, Gelben Säcken, Bauzäunen und Verkehrsschildern. Für die Staatsstraße von Murnau nach Westried wurde gleich ein Schneepflug angefordert, um die Äste und das viele Laub zur Seite zu schieben. Das berichtet die Murnauer Feuerwehr auf ihrer Homepage. Demnach führten die Aufräumarbeiten auf der Autobahn 95 zu vorübergehenden Sperrungen. Die Murnauer Polizei meldet zwei Auto-Unfälle, die sich frühmorgens aufgrund umgestürzter Bäume ereignet hatten. Betroffen waren ein Murnauer (27) am UKM-Berg und ein Murnauer (37), der in Ohlstadt auf der Schwaiganger Straße zu spät auf die Hindernisse reagieren konnte. Glücklicherweise blieben beide Fahrer unverletzt. An ihren Fahrzeugen entstand jedoch ein beträchtlicher Gesamtschaden in Höhe von schätzungsweise 12 000 Euro.

Ammertal: Umgestürzte Bäume auf der Strecke Plansee-Reutte 

Keine Schäden meldet das Ammertal aus der Sturmnacht, obwohl ein heftiger Wind eine gute halbe Stunde über Dächer und Baumwipfel pfiff. Einige umgestürzte Bäume in Oberammergau und Bad Kohlgrub waren das ganze Schadensszenario zwischen Ettal und Bad Bayersoien. Im Graswangtal ging’s ebenfalls glimpflich ab, während die Strecke Plansee-Reutte auf österreichischer Seite gesperrt werden musste, weil hier der Sturm Bäume niedergerissen hatte.

Oberes Isartal: Zugverkehr für mehrere Stunden unterbrochen

„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt der Mittenwalder Polizeichef Thomas Holzer. Ihm zufolge hat das Sturmtief in der Nacht auf Dienstag im Oberen Isartal verhältnismäßig wenig angerichtet – abgesehen von den sechs entwurzelten Bäumen entlang der Bahnstrecke zwischen Klais und Schmalensee. Einer von ihnen krachte direkt auf die Oberleitung. Der Zugverkehr zwischen Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald musste für mehrere Stunden unterbrochen werden.

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