+
Hat Gartenmöbel und -Pool unter sich begraben: der gewaltige Ast einer über 100 Jahre alten Buche, der an der Dreitorspitzstraße in den Garten eines Mehrfamilienhauses fällt. 

Baum fällt in einen Garten und auf ein Haus

Sturm fegt über Garmisch-Partenkirchen hinweg - und hinterlässt beachtlichen Schaden

  • schließen

Kurz, aber mit heftigen Auswirkungen: Am Samstagabend fegten stürmische Böen über Teile Garmisch-Partenkirchens hinweg. Zwei große Bäume stürzten um. 

Garmisch-Partenkirchen – Gemütlich sitzen seine Eltern auf der Terrasse, die Enkelkinder schwirren um sie herum. Bis der Wind am Samstag plötzlich durch ihren Garten peitscht. „Meine Mutter hat schnell reagiert“, sagt Andreas Glas. „Nei, nei“, ruft sie. Ehemann und Kinder sollen sofort ins Haus. Zwei Minuten später liegen Blätter im Wohnzimmer, draußen ein mächtiger Teil der über 100 Jahre alten Buche auf dem Rasen. Er hat alles zermalmt, was ihm im Wege stand.

Während manche am Samstag gerade den Grill anfeuern, braut sich über Garmisch-Partenkirchen ein Unwetter zusammen. Gegen 18 Uhr fegt ein Sturm durch die Marktgemeinde, zumindest partiell. Die stärkste Böe mit 65 Stundenkilometern, heißt es vom Deutschen Wetterdienst. Eigentlich nicht außerordentlich viel, aber ausreichend, um zum Teil enorme Schäden zu verursachen.

Lesen Sie auch: Regen und Gewitter über Bayern - Blitz setzt Dachstuhl in Brand

Glas selbst hält sich zu diesem Zeitpunkt bei McDonald’s auf. Zirka zwei Kilometer von seinem und dem Zuhause der Eltern an der Dreitorspitzstraße entfernt. „Da hat’s geregnet – mehr nicht“, sagt der 46-Jährige. Per Anruf wird er informiert, was gerade passiert war. Er macht sich sofort auf den Heimweg und steht vor einem Trümmerfeld. „Wenn du das siehst“, sagt der Spa-Leiter im Sentigo-Berghotel Hammersbach, „bleibt dir alles stehen.“ Der Riesen-Ast begrub Möbel und den Gartenpool mit 15 000 Liter Wasser unter sich. „Den hat’s zerrissen“, sagt Glas. „Wenn da jemand drin sitzt, der ist tot.“ Das große Trampolin landete im Nachbarzaun, samt verbogener Stangen und zerfetzter Netze. Trotz der zerstörten Gegenstände ist der Familienvater erleichtert über das „Dusel“, dass der Baum das Haus verfehlte. Und vor allem darüber, dass niemand verletzt worden ist. Weder von Glas’ Angehörigen, noch bei den Nachbarn, bei denen der Wind ebenfalls Spuren der Verwüstung hinterlassen hat.

Das könnte Sie auch interessieren: Wetter-Wende droht: Experte spricht sogar von „Schockkarte für Deutschland“

Dachdecker und Feuerwehr suchen Dach nach Löchern ab

Die Feuerwehr Partenkirchen, die bei Privatgrundstücken nur bei schwerwiegenderen Fällen eingreift, rückt an diesem Samstag zu Glas aus. Wie auch an den Riedweg. Dort krachte eine Kastanie mit einem Durchmesser von rund 70 Zentimetern aufs Haus einer älteren Frau. Zweiter Kommandant Michael Sexl spricht von einem „gewaltigen Schaden“. Drei Stunden lang – bis 21 Uhr – schneidet er mit seinen Kameraden den Eingangsbereich frei, räumt Baumteile vom Dach und entfernt Gehölz aus der Kanker. Vorsorglich. „Damit es bei Platzregen keine Probleme gibt.“ Gemeinsam mit einem Dachdecker suchen die Einsatzkräfte das Dach nach Löchern ab, „nicht, dass das Haus absäuft“. Der Frau ist nichts passiert, sie sei ganz locker gewesen, meint Sexl.

Mehr zum Thema:  Wetter in Deutschland: Sturm, Hagel und Temperatursturz im Süden - Wars das mit dem Sommer?

Schneller sind die Kollegen aus Garmisch mit der Arbeit fertig. Eine Stunde lang kümmern sich 30 Kräfte der Wehr um die Schäden. Zum Beispiel um den Baum, der auf den Fußweg beim Hallenbad gefallen war. „Unspektakulär“, urteilt Erster Kommandant Peter Gröbl. Oder um den Bauzaun an der Großbaustelle an der St.-Martin-Straße, den der Wind auf kompletter Länge von knapp 300 Metern umgestoßen hat. Wie auch den am Landratsamt. „Zum Glück“, sagt Gröbl, sei der Sturm nur kurz über Teile der Gemeinde hinweggefegt. „Es war eine Zelle unterwegs“, teilt der Wetterdienst mit. Eine, die abschnittsweise kräftig zugeschlagen hat.

„Man fühlt sich einfach nicht mehr sicher“

Glas und seine Familie räumten am Sonntag den Garten so weit es geht auf. „Wir haben alles auf einen Haufen getan, was zerbatzt worden ist.“ Am heutigen Montag wird der umgestürzte Buchen-Ast restlos zersägt. Den Schaden übernimmt wahrscheinlich die Versicherung, sagt der 46-Jährige. Für ihn geht’s nun aber vor allem darum, dass der noch verwurzelte Baum aus dem Garten entfernt wird. Zumal er ihm zufolge leicht schief stehe. Ein Sachverständiger der Gemeinde war noch am Samstag vor Ort, konnte aber keine Zusage machen. So ein Kaliber – wie noch ein paar Vergleichbare an der Straße stehen – gehört für Glas und seinen Vater in den Wald und nicht in ein Wohngebiet. Er muss nun einen Antrag beim Markt stellen, damit die Buche gefällt wird. Worauf er inständig hofft. „Man fühlt sich einfach nicht mehr sicher.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Flugzeug zerschellt an Berg - Luftfahrtbehörde hat Vermutung zur Ursache
Flugzeugunglück im Wettersteingebirge: Ein Kleinflugzeug ist am frühen Donnerstagabend in der Nähe von Leutasch (Tirol) abgestürzt. Drei Menschen starben.
Flugzeug zerschellt an Berg - Luftfahrtbehörde hat Vermutung zur Ursache
50 Jahre Mondlandung: Für diese zwei Männer ist nicht Neil Armstrong der Mondastronaut
Am 20. Juli 1969 betrat Neil Armstrong den Mond. Millionen verfolgten den Moment. Auch Dr. Günter Steinebach aus Garmisch-Partenkirchen und Asbjörn Raupach aus …
50 Jahre Mondlandung: Für diese zwei Männer ist nicht Neil Armstrong der Mondastronaut
Christoph-Probst-Mittelschule: Zeit des Zitterns ist vorbei
96 Absolventen haben am Freitag an der Murnauer Christoph-Probst-Mittelschule ihre Zeugnisse erhalten. Ein bedeutender Meilenstein im Leben der jungen Leute.
Christoph-Probst-Mittelschule: Zeit des Zitterns ist vorbei
Tragödie im Oberauer Tunnel: Plötzlich löst sich Schlauch und erschlägt Arbeiter
Einen tragischen Ausgang nahm ein Arbeitsunfall für einen 43-Jährigen in der Tunnelbaustelle in Oberau. Nun versucht die Kriminalpolizei, die Unfallursache zu ermitteln.
Tragödie im Oberauer Tunnel: Plötzlich löst sich Schlauch und erschlägt Arbeiter

Kommentare