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Zugeparkte Straßen sind in Griesen ein großes Ärgernis für die Anwohner.

Höhepunkt überschritten

Unerträgliche Parkzustände in Griesen

Die Parksituation im kleinen Garmisch-Partenkichner Ortsteil Griesen spottet jeder Beschreibung. Jetzt machen die Bürger mobil und haben gemeinsam mit der Polizei und der Gemeindeverwaltung eine Lösung gefunden. Ein eingeschränktes Halteverbot soll die Probleme beheben.

Garmisch-Partenkirchen – Der Höhepunkt ist erreicht, wenn nicht gar überschritten. „Hier parken Autos, Wohnmobile, Camper und Busse teilweise auch entgegen der Fahrtrichtung“, schimpft Ludwig Kraus, der in Griesen, dem kleinen Ortsteil von Garmisch-Partenkirchen, wohnt. Er spricht von „unerträglichen Parkzuständen“, gerade im Bereich des Radwegs oberhalb des Kiosks.

Doch jetzt scheint eine Lösung in Sicht: Die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen und das Landratsamt – die für die Bundesstraße 23 zuständige Verkehrsbehörde – einigten sich auf ein eingeschränktes Halteverbot im Bereich Griesen. „Die Schilder werden demnächst aufgestellt“, betont Rathaus-Sprecherin Ute Leitner. Initiiert wurde das Treffen der Behörden von Michael Reim (CSU), dem Griesen-Referent des Gemeinderats. Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) hat mittlerweile einen Brief an Kraus geschickt, in dem sie vom Lösungsvorschlag berichtet.

Wie gefährlich die Situation ist, wenn Urlauber und Naherholer mit ihren Fahrzeugen den Radweg zuparken, verdeutlicht Kraus. „Ein gefahrloses Verlassen aufgrund der nicht vorhandenen Einsicht in die Straße der jeweiligen Hofeinfahrten ist dadurch fast unmöglich.“ Er charakterisiert die Lage für die Bewohner von Griesen als „unbefriedigend“. Der Griesener spricht im Namen seiner Nachbarn und bemängelt, dass bislang weder Gemeinde noch Polizei etwas unternommen hätten, um die Gefahrensituationen zu entschärfen.

Dabei wäre ein Handeln auch wichtig, weil Garmisch-Partenkirchen jetzt sogar als Deutschlands beliebtestes Reiseziel gekürt wurde. Eine Studie hatte diesen Rang ergeben.

Die Probleme mit Parkern in Griesen sind bei der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen bekannt. Speziell betroffen sind die Streifen – teils mit Schotter, teils begrünt –, die sich zwischen der Straße und dem Fahrradweg befinden. Werden die Autos dort abgestellt und blockieren weder die B23 noch den Radweg „haben wir keine Handhabe, weil sie innerhalb geschlossener Ortschaften parken“, bedauert Florian Thoma. Er berichtet davon, dass die Parksituation von der Polizei in Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt erörtert wurde. Das eingeschränkte Halteverbot in diesem Bereich sieht er skeptisch. Sollten Marktgemeinde und Landratsamt diese Beschränkung durchsetzen, erwartet Thoma die nächsten Schwierigkeiten. „Die Leute wollen rausfahren, wir werden derzeit überlaufen“, sagt er. Wenn das Parken in Griesen nicht erlaubt ist, „stellen die sich dann irgendwohin, in den Wald, in die Natur. Das wird ein Verdrängungsproblem“.

Der Ordnungshüter verweist auf ähnlich knifflige Fälle am Eibsee-Parkplatz, am Skistadion oder am Pflegersee – dort herrscht ebenfalls ein Mangel an Stellplätzen. In den vergangenen Jahren hätten in Griesen die Parkplätze ja gereicht. Weil derzeit das Werdenfelser Land an schönen Tagen von Tagestouristen überschwemmt wird, sind die wenigen Plätze in Neidernach gleich besetzt. „Darum kommt es in Griesen zu Verparkungen“, sagt Thoma. In die gleiche Kerbe schlägt Leitner. „Wir haben derzeit im ruhenden und im fließenden Verkehr viele Störungen“, sagt Rathaus-Sprecherin. Es gebe vermehrt Beschwerden von Anwohnern über Baustellen und Besucherströme.

Was dem Griesener Kraus noch unangenehm aufgefallen ist, sind die fehlenden durchgezogenen Linien, die die Straße vom Radweg trennten. Mal wurde die Fahrbahn gerichtet, mal wurden Leitungen verlegt, „jetzt ist der weiße Strich verschwunden“. Die nicht vorhandene Markierung lädt die Autofahrer zusätzlich zum Parken ein. Kraus erzählt von weiteren Missständen. So ignorierte im vergangenen Jahr die Besatzung einer Polizeistreife die Bewohner von Griesen, die die Beamten alarmiert hatten. „Die sind einfach vorbeigefahren, obwohl wir gut sichtbar am Straßenrand warteten“, moniert er. Im Mai dieses Jahres verletzten sich zwei Motorradfahrer wegen der unübersichtlichen Parksituation. „Wir haben stark den Eindruck, dass es den zuständigen Behörden egal ist, was in Griesen abgeht“, schimpft er. Seine Einwände wurden mittlerweile gehört – Gemeinde und Landratsamt haben reagiert.  

Alexander Kraus

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