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Im April 2016 stellte Dr. Sigrid Meierhofer den Siegervorschlag für das Kongresshaus vor.  

Vier neue Varianten fürs Kongresshaus

Reif für die Abrissbirne?

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Kongresshaus, die nächste. Da die Kosten für die Sanierung aus dem Ruder zu laufen drohen, bittet Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer die Gemeinderäte am Donnerstag zu einer Klausurtagung. In diesem Rahmen will sie den Kommunalpolitikern vier Varianten zur Diskussion stellen.

Garmisch-Partenkirchen – Wer hinter die Kulissen blickt, der gewinnt den Eindruck, dass das Garmisch-Partenkirchner Kongresshaus am Richard-Strauss-Platz weit davon entfernt ist, noch als Schmuckstück durchzugehen. Das Gebäude befindet sich weder baulich noch technisch auf der Höhe der Zeit. Kein Wunder: Ein Großteil stammt aus den späten 1970er Jahren, errichtet im Zuge der alpinen Ski-Weltmeisterschaften 1978. Die Einsicht, dass das Kongresszentrum ein Sanierungsfall oder gar reif für die Abrissbirne ist, besteht bei Gemeinde, Politik und Ga-Pa-Tourismus seit langem. Ein Blick ins Tagblatt-Archiv macht das deutlich: In schöner Regelmäßigkeit wiederholen sich seit 2002 Überschriften wie „Wettbewerb für ein neues Kongresshaus“ (2005), „Abriss oder Neubau: Studie zum Kurhaus“ (2007), „Neubau oder Sanierung“ (2008), „Kongresshaus erschüttert Gemeinderäte (2008), „Millionen für marode Mauern“ (2009), „Verfallsdatum längst überschritten“ (2013).

Das Kongresshaus war und ist ein Dauerthema – auch seit Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) im Rathaus das Sagen hat. Allerdings wähnte man sich im April 2016 auf einem guten Weg. Das Berliner Architektenbüro Henchion und Reuter hatte den europaweit ausgeschrieben Realisierungswettbewerb für das 16 Millionen-Euro-Großprojekt, das den Um- und teilweise Neubau des Kongresshauses beinhaltete, gewonnen. Allerdings sind die Kosten seitdem explodiert, Rathaus-Chefin und Gemeinderat ins Grübeln geraten. Derzeit stehen bis zu 38 Millionen Euro im Raum. Und möglich, dass sich die Spirale ungebremst weiterdrehen würde, hätte Meierhofer den Prozess nicht gestoppt. „Bei Leistungsstufe drei ist das möglich.“

Das Christlich Soziale Bündnis favorisiert einen Neubau, der auf 50 Millionen Euro veranschlagt ist. Andere Fraktionen wollen „zurück auf Los“ (Freie Wähler) oder „die Reset-Taste drücken“ (CSU). Und mittendrin die Bürgermeisterin und ihre Verwaltung. Auf Basis der Vorschläge der Fraktionen und eigener Ideen wurden vier Varianten erarbeitet, die Meierhofer in der vergangenen Woche dem Ältestenrat, dem die Fraktionsvorsitzenden und Zweiter Bürgermeister Wolfgang Bauer (CSU) angehören, vorstellte. Am Donnerstag soll der Gemeinderat hinter verschlossenen Türen informiert werden. Die Palette der Vorschläge reicht von Flickschusterei, bei der für zehn Millionen Euro nur der Brandschutz und die Küche ertüchtigt werden sollen, über eine Möglichkeit, die 20 Millionen Euro verschlingen dürfte, aber zu einem Großteil über Zuschüssen finanziert werden könnte. Im Gespräch sind nach wie vor auch die Wettbewerbsvariante und der Neubau.

Alle Möglichkeiten belasten den Haushalt des Marktes auf Jahre hinaus – eine mehr, eine weniger. Die Schulden der Gemeinde belaufen sich derzeit auf etwas mehr als 26 Millionen Euro. Würde sich der Gemeinderat für Abriss und Neubau entscheiden, wie das CSB vorschlägt, summierten sich die roten Zahlen auf weit über 70 Millionen Euro. Eine Last, die der Gemeinde auf Jahre hinaus Fesseln anlegen würde und kaum Entwicklungsmöglichkeiten ließe. „Das kann niemand wollen“, sagt Meierhofer. Sie ist sich in dieser Hinsicht ihrer Linie über viele Jahre treu geblieben. Als sie im Juli 2008 als einfache SPD-Gemeinderätin zusammen mit ihren Kollegen das Kongresshaus mit seinen Mängeln besichtigte, standen für einen möglichen Neubau 60 Millionen Euro im Raum. „Solche Summen sind einfach nicht zu schultern“, sagte sie damals. „Die Frage ist, woher das Geld kommen soll?“ Beide Aussagen sind heute immer noch aktuell.

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