Entspannter als im Vorjahr

Kaum Interesse, kaum Fragen: Bürgermeister werden mit wenig Kritik konfrontiert

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Einen Überblick über das Geschehen im Ort gab Dr. Sigrid Meierhofer bei der Bürgerversammlung. Doch die war eher mäßig besucht. 

Garmisch-Partenkirchen – Den Bewohnern von Garmisch- Partenkirchen scheint’s relativ gut zu gehen. Das Interesse an der Bürgerversammlung war ähnlich wie in den zurückliegenden Jahren: überschaubar. Der Olympiasaal war nur gut zu zwei Dritteln gefüllt. Anders als im Vorjahr, als die Atmosphäre durch den anstehenden Bürgerentscheid zum Kongresshaus aufgeladen war, ging’s eher emotionslos zu. Größere Themen waren die Situation an den Grund- und Mittelschulen, die Tiefgarage in Partenkirchen, natürlich wieder der Sachstand des Kongresshauses und der Verkehr. „Während meiner Amtszeit haben wir 56 Millionen Euro in Infrastrukturprojekte investiert“, sagte Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). Die Rathaus-Chefin und ihr Vize Wolfgang Bauer (CSU) hatten das Format, das im vergangen Jahr Premiere gefeiert hatte, beibehalten, weil es sich bewährt hatte. Sie verzichteten weitgehend auf Reden, sondern beantworteten Fragen, die schriftlich bei der Verwaltung eingegangen waren oder die während der Versammlung gestellt wurden. Für beide war es ein entspannter Abend.

Finanzen

Garmisch-Partenkirchen steht Meierhofer zufolge finanziell jetzt besser da als bei ihrem Amtsantritt 2014. Sie wies darauf hin, dass unter ihrem Vorgänger – ohne Thomas Schmid (CSB) namentlich zu erwähnen – nur durch die regelmäßigen Verkäufe von Häusern und Grundstücken, pro Jahr im Wert von circa drei Millionen Euro, ein Haushaltplan aufgestellt werden konnte. „Das bedeutet aber leider noch lange nicht, dass wir uns alles leisten können, was wir gerne hätten.“ Immerhin sei der Markt aber wieder kreditwürdig.

Kongresshaus

Die Bürgermeisterin machte deutlich, dass sie das Ergebnis der Bürgerentscheids – 78,01 Prozent der Bürger, die abgestimmt hatten, votierten für Sanierung und Teilneubau – respektiert. „Das ist die Grundlage für alle weiteren Planungen.“ Jetzt müssen die Kosten ermittelt werden, da der immer wieder ins Spiel gebrachte Entwurf des Berliner Architektenbüros Henchion und Reuter keine Sanierung des Altbestands, sondern lediglich die Brandschutzmaßnahmen, umfasste. Um das Kongresshaus, für das die GaPa-Tourismus GmbH gerade ein Nutzungskonzept erstellt, weiter betreiben zu können, hat der Markt bereits 465 000 Euro in den Brandschutz investiert.

Weitere Bauprojekte

Die Sanierung des Olympiaskistadions schreitet voran. Die Arbeiten im Innenraum sind zu 95 Prozent abgeschlossen. Ähnlich sieht es bei den Rundungen der Tribünen aus. „Von unserer Seite steht dem Neujahrsskispringen nichts mehr im Wege.“

Schulen

Für Aufregung hatte vor Monaten der Brandbrief von CSB-Gemeinderätin Ursula Kössel gesorgt, die die katastrophale bauliche Situation an den Grund- und Mittelschulen in Garmisch-Partenkirchen Meierhofer anlastete. Die Elternbeiräte der Grundschulen an der Burg-/Krankenhausschule und am Gröben hatte Meierhofer im Vorfeld der Bürgerversammlung einen Fragenkatalogs zukommen lassen. Mit den Antworten gelang es die Bürgermeisterin, die meisten Vorwürfe zu entkräften. So entspreche die Brandmeldeanlage an der Grund- und Mittelschule am Gröben nach der Meinung von Fachplanern „den brandschutztechnischen Vorschriften“.

In der Krankenhausschule machen die maroden Fenster derart Probleme, dass laut Elternbeirat „aufgrund der mangelnden Isolierung Kinder in den kälteren Monaten oftmals in Jacken dem Unterricht folgen“. Meierhofer zufolge ist 2020 eine teilweise Sanierung der Fenster geplant. Dafür sind 96 000 Euro im Haushalt angemeldet. Eine Erneuerung sei nicht möglich, da das Gebäude unter Denkmalschutz stehe.

Laut Elternbeirat musste die Gröbenschule in der Vergangenheit mehrfach geschlossen werden, weil die Heizungsanlage defekt war. Deshalb sei es vermehrt zu Krankheitsfällen unter den Schülern gekommen. Dieser Darstellung widersprach Meierhofer. „Dem Bauamt ist bekannt, dass einmal der Unterricht früher beendet werden musste. Medizinische Gutachten über daraus resultierende Krankheiten liegen uns nicht vor.“ Nachdem die Heizanlage in den Herbstferien ertüchtigt wurde, geht die Bürgermeisterin davon aus, „dass zeitnah keine weiteren Probleme auftauchen“. Die Heizung zu erneuern, sei mit einem erheblichen baulichen Aufwand und hohen Kosten verbunden. „Das Bauamt prüft auch diese Möglichkeit.“

Meierhofer machte klar, dass die Schütte- und die Gröben-Schule einer Grundsanierung bedürfen. Die Mittel dafür stehen im Investitionsprogramm des diesjährigen Haushaltsplans.

Verkehr

Um dem drohenden Verkehrskollaps entgegenzuwirken, will Meierhofer „Alternativen zum Auto“ schaffen. „Wenn wir erreichen wollen, dass mehr Leute das Rad nutzen, müssen wir aber dringend dafür sorgen, dass das Radfahren in Garmisch-Partenkirchen attraktiver und sicherer wird.“ Deshalb macht es sie fassungslos, dass eine knappe Mehrheit im Gemeinderat den Bau eines Radwegs zwischen Rathausplatz verhindert hat. Nach wie vor findet sie die Argumentation der Radweg-Gegner unschlüssig. „Ich wundere mich immer noch, dass die professionellen Arbeiten der Verkehrsplaner erst in letzter Sekunde als mangelhaft dargestellt wurden und nicht schon bei den vielen Vorberatungen in den Ausschüssen.“

Parkhaus

Brigitte Barth kritisierte die Preisgestaltung in der Tiefgarage an der Badgasse in Partenkirchen. Sie meint, die Gebühren sind zu hoch. Deshalb stehe die Garage in den Sommermonaten leer. Vize-Bürgermeister Wolfgang Bauer sieht das nicht so. Er hält den Preis von fünf Euro für eine Tagesticket und 25 Euro für ein Wochenbillett für vertretbar. „Eine erneute Behandlung und Thematisierung im Hauptausschuss ist zurzeit nicht geplant.“ Bei Bedarf werde man aber eingreifen.

Sportstraße

Für die Sportstraße besteht teilweise ein Fahrverbot, allerdings meint Franz Grasegger aus der Triftstraße, dass der Abschnitt zwischen Kochelbergstraße und Hausbergparkplatz pro Tag von mindestens 70 Fahrzeugen benutzt werde, die diesen Bereich als Abkürzung nutzen. Es gebe so gut wie nie Kontrollen. „Auch ich bin der Meinung, dass das widerrechtliche Befahren der Sportstraße unterbunden werden muss“, sagt Bauer. Jedoch können die Verstöße nur von der Polizei überwacht und geahndet werden. „Wir haben daher die Polizeiinspektion gebeten, diesen Bereich in der nächsten Zeit im Rahmen ihrer dienstlichen Möglichkeiten entsprechend zu überwachen.“

Kultur

Die Kultur ist eines der Steckenpferde der Rathaus-Chefin. Das Zamma-Festival im Sommer 2019 bezeichnete sie als großen Erfolg und soll deshalb ein Nachfolgeprojekt erhalten. Dies soll vom 14. bis 19. Juli 2020 stattfinden. Zum Richard-Strass-Festival, das durch ein Minus von mehr als 100 000 Euro in die Schlagzeilen geraten ist, verlor Meierhofer allerdings kein Wort. Und die die Besucher der Bürgerversammlung hatten seltsamerweise dazu keine Fragen.

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