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Mit einem Jazz-Festival feierte der Verein jazzGAP sein zehnjähriges Bestehen.

Zehn vergebliche Versuche

Wieder kein Geld für jazzGAP?

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Jazz ist nicht jedermanns Sache. Die von Dr. Christoph Elschenbroich schon. Der Vorsitzende von jazzGAP versucht, diese Musik den Garmisch-Partenkirchnern schmackhaft zu machen. Bei der Gemeinde stößt er auf wenig Gegenliebe – ganz besonders, wenn es um finanzielle Unterstützung geht.

Garmisch-Partenkirchen – Er hat es wieder getan. Wie in den Jahren zuvor. Es ist bereits der elfte Versuch. Zehnmal ist Dr. Christoph Elschenbroich (78) gescheitert, was ihn nicht daran gehindert hat, es ein elftes Mal zu probieren. „Ich habe noch nie etwas bekommen“, sagt er, „und nehme an, dass ich wieder nichts bekomme.“ Zuletzt hatte das Kommunalparlament seine Anträge nicht einmal mehr behandelt. Elschenbroich, Chef des Vereins jazzGAP und gleichzeitig parteifreier Gemeinderat, stellte Mitte September erneut einen Antrag auf finanzielle Unterstützung für seine Konzertreihe für 2018. 4000 Euro hätte er gerne von der Marktgemeinde, was 22 Prozent des Etats von 18 000 Euro entspricht, die Elschenbroich für die zwölf Veranstaltungen, die rund 600 Besucher anziehen, ansetzt. An Einnahmen verzeichnet sein Verein pro Jahr etwas mehr als 12 000 Euro. Die Differenz hat der Vorsitzende in der Vergangenheit stets aus eigener Tasche bestritten. „Rund 15 000 Euro“, erklärt Elschenbroich. „So viel ich weiß, sind wir die einzigen Kulturschaffenden, die keine Finanzmittel erhalten.“ Derzeit werde viel über soziale Gerechtigkeit gesprochen. „Ich fordere kulturelle Gerechtigkeit.“

Dr. Christoph Elschenbroich.

Das Festival, das er und seine Mitstreiter zum zehnjährigen Bestehen von jazzGAP organisiert hatten, kam allerdings in den Genuss von 10 000 Euro. Elschenbroich glaubt zu wissen, warum. Nach dem Ausfall des Kultursommers verfügte die Gemeinde über freies Geld, das sie nach dem Gieskannenprinzip verteilte. Die einen erhielten mehr, die anderen weniger. So soll zum Beispiel das Bauerntheater in den Genuss von 45 000 Euro gekommen sein.

Nicht nur die Gemeinde hält sich bei Zuschüssen vornehm zurück. Elschenbroich zufolge hat Landrat Anton Speer (Freie Wähler) eine jazzGAP-Förderung „grundsätzlich abgelehnt“. Die Unterstützung des Bezirks Oberbayern beläuft sich auf zehn Prozent des Budgets. „Sponsoren sind praktisch nicht zu finden“, sagt Elschenbroich. Allein die Kreissparkasse leiste einen Obolus von 500 Euro. „Die Gemeinde und die Touristiker haben an Musik dieser Art kein Interesse“, vermutet er als Grund, warum man ihm immer wieder die kalte Schulter zeigt. „Sachlich ist darüber noch nie diskutiert worden.“ Die letzte Ablehnung kam vom Zweiten Bürgermeister Wolfgang Bauer (CSU) – geschrieben auf Briefpapier von GaPa-Tourismus.

Elschenbroich, promovierter Chemiker und Amateur-Saxofonist, sieht sich als Kämpfer in Sachen Kultur. In Garmisch-Partenkirchen herrsche in dieser Hinsicht „tote Hose“. Festivals in Orten ähnlichen Zuschnitts wie im Schweizerischen Verbier oder der Partnerstadt Aspen (USA) bezeichnet er als „grandios und vorbildlich“. Im Markt konzentriere sich alles auf Richard Strauss. Dort werde viel Geld versenkt.

Der Verein jazzGAP, dem derzeit 35 Mitglieder angehören, hat mit seiner Konzertreihe allerdings schon bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Den „Applaus“, den Spielstätten-Programmpreis der Bundesregierung, hat Elschenbroich bereits zweimal – 2014 und 2016 – aus der Hand von Staatsministerin Monika Grütters erhalten. 2017 diese Auszeichnung erneut zu bekommen, hält er für unwahrscheinlich, „weil auch mal andere dran sind“. Die 5000 Euro, mit denen der Preis dotiert war, steckte er wieder in jazzGAP. Da er heuer mit dem Geld nicht kalkulieren könne, „habe ich wegen der unsicheren Finanzlage bisher keine Buchungen von Gruppen vorgenommen“.

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