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Sein ganzer Stolz: Franz Lidl am Schmölzer See, um den er derzeit sehr besorgt ist.

Es tröpfelt nur aus den Schläuchen

Der Kampf ums Kleinod: Wieder sinkt der Wasserpegel des Schmölzer Sees

Es ist ein kleines Paradies. Doch es leidet an Wasserknappheit. Deshalb wollen Franz Lidl und das Staatliche Bauamt alles tun, um den Schmölzer See zu retten.

Garmisch-Partenkirchen – Märchenhaft liegt er da, der Schmölzer See am Fuße des Königstands, zwischen Ruine Werdenfels und Pflegersee gelegen. Grün schimmert das Wasser, eine Ruhe umgibt dieses Kleinod. Kein Wunder, dass die kleine Julia, wenn sie mit ihrer Oma dort spazieren geht, immer wieder behauptet: „Hier wohnen die Elfen.“ Doch dieses kleine Paradies leidet unter Wasserknappheit – und hat diesbezüglich einen Feind: den Kramertunnel. Als es losging mit den Bauarbeiten, die Sprengungen Löcher in den Fels rissen, floss urplötzlich das Wasser ab. See und Quellen rundherum fielen trocken. Ein Drama, Umweltfrevel – die Naturschützer schlugen Alarm. Berechtigterweise. Seither aber kämpfen Franz Lidl, der Eigentümer, und selbst die Experten des Staatlichen Bauamts um den Fortbestand nicht nur des Schmölzer Sees, sondern auch gegen das Versiegen der Quellen.

Der Aufwand ist enorm –und sichtbar. Gerade in Corona-Zeiten, in denen es die Leute nach draußen drängt, fallen die Rohre und Schläuche auf, die an den Kramerhängen verlegt sind. 2013 war es zum Baustopp am Erkundungsstollen für den Kramertunnel gekommen. 583 Meter hatten es die Mineure vom Nordportal aus in den Berg geschafft, 2771 Meter vom Süden her. Fehlten aber noch 349 Meter, um die Not- und Test-Röhre zu vervollständigen. Das ist seither noch nicht geschehen. Ein massiver Wassereinsturz sorgte für Probleme. Im Berg kam das Nass von überall her, an der Oberfläche war alles trocken.

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2,8 Kilometer lange Rohre und Schläuche verlegt

Der größte Zulauf: Die Sonnenbichl-Quelle liefert aber auch nicht immer genügend Wasser.

Eine Lösung musste her. Nach intensiver Vorarbeit begann 2018 der Bau eines Bewässerungssystems für die Hangmoore, die Quellen und den See. Mittlerweile sind 2,8 Kilometer Rohre und Schläuche am Berg verlegt. 2019 startete der Betrieb. Vom Lahnewiesgraben aus wird das betroffene Gebiet nun künstlich bewässert.

Lidl ist froh darüber. Erfahrungen mit dem See hat der 78-Jährige genug gemacht. Seit 50 Jahren kümmert er sich um ihn, kennt jeden Quadratzentimeter. „Durch die Sprengungen bekam der See Risse und lief aus“, sagt er. Nicht zum ersten Mal. Schließlich hatte es im nahe gelegenen Steinbruch früher auch Sprengungen gegeben. Löcher am Grund sind nichts Neues. „Die konnte man stets mit Bentonit-Lehm stopfen“, sagt Lidl. Gerade hat er den Bachlauf zum See wieder mit einem kleinen Bagger freigelegt, Geäst, das bei Rodungen liegen geblieben ist, beseitigt. „Trotzdem kommt nicht mehr genug Wasser an“, bemängelt er. Lidl fürchtet um seine Rotfedern, Karpfen und Hechte. Gerade mal halb voll sei der See in den vergangenen Wochen gewesen. In den vergangenen Tagen sank der Pegel bereits wieder. Aus den Schläuchen, die Wasser bringen sollten, tröpfelt es nur.

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Bauamt beauftragt Fachfirma

Noch nicht in Betrieb: Über diese Leitungen soll der See demnächst mit Wasser versorgt werden.

Nadine Heiß, Ingenieurin im Weilheimer Bauamt, beruhigt aber: „Es ist alles im grünen Bereich.“ Die Verantwortlichen hätten gerade erst auf Sommerbetrieb umgestellt. „Das heißt, auf etwas weniger Wasserzulauf.“ Zudem spiele die lange Trockenperiode im Frühjahr eine Rolle. Zweimal pro Woche werde das Rohrsystem überprüft und notfalls nachgesteuert. Das Bauamt hat extra eine Fachfirma damit beauftragt.

Um dem See mehr Wasser zuzuführen, soll er demnächst für die Bauzeit des Kramertunnels zusätzlich mit Grundwasser aus dem Bergsturzbereich versorgt werden. „Weiter oben, dort wo der Kramerplateauweg von der Pflegerseestraße abzweigt, wurde eine Pumpstation errichtet“, erklärt Heiß. Einige Versuche gab es bereits, in Betrieb ist das Ganze aber noch nicht. Einen Termin kann sie nicht nennen. „Erst, wenn es im Berg trocken ist, können die schwierigen 349 Meter im Tunnel in Angriff genommen werden.“ Lange kann es also nicht mehr dauern. Lidl, der mehrmals in der Woche am See ist, aber auch viele Wanderer werden ein Auge drauf haben.

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Margot Schäfer

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