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Stolz auf die Auszeichnung: Christoph Schönmoser mit der Tafel, die er in seinem Häuschen aufhängen wird. 

Gemeinde lasse ihn im Stich

Großer Ärger über Wildcamper - Stellplatz-Betreiber total genervt: „Manche sind skrupellos“

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Christoph Schönmoser vom Alpencam am Wank fühlt sich von der Gemeinde im Stich gelassen. Weil die nichts gegen das kostenlose Nachtparken am Skistadion unternimmt. 

  • Sein Campinplatz „Alpencamp“ wurde erneut von einem Fachmagazin ausgezeichnet, doch Christoph Schönmoser ist trotzdem nicht zufrieden. 
  • In der Gemeinde gibt es Probleme mit „Wildcampern“. 
  • Von der Lokalpolitik fühlt er sich im Stich gelassen.
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Garmisch-Partenkirchen – Man möchte meinen, Christoph Schönmoser dürfte keinen Grund haben, unzufrieden zu sein. Schon wieder hat er eine Auszeichnung für seinen Alpencamp am Wank erhalten. Die Leser des Wohnmobil-Magazins promobil wählten seinen Stellplatz an der Talstation der Bergbahn deutschlandweit auf Platz drei unter den Anlagen mit mehr als 80 Parkflächen. Freut den Garmisch-Partenkirchner. Logisch. Bestätigt ihn, dass es nicht so falsch ist, was er in nun 15 Jahren für die Camper aufgebaut hat, dass die 200 000 Euro, die er aus eigener Tasche in bessere Sanitär- und Stromanlagen gesteckt hat, jeden Cent wert waren.

Ärger in Garmisch-Partenkirchen: Camping-Platz-Betreiber fühlt sich im Stich gelassen

Nur – wie so oft – gibt es eine Kehrseite der Medaille: Auch Schönmoser hat Probleme mit Wildcampern, seit einigen Jahren fühlt er sich zudem von der Gemeinde im Stich gelassen. In erster Linie geht es ihm um den Parkplatz am Skistadion, auf dem Wohnmobile nachts kostenlos stehen können. „Ich habe eine Klausel zum Konkurrenzschutz in meinem Vertrag, sonst hätte ich ihn damals nicht unterschrieben.“ Seit 2015 versuchte er mit der Gemeinde die Situation zu lösen. Vergeblich. „Bürgermeisterin Meierhofer hatte mir versprochen, das zu klären.“ Passiert ist nie etwas.

Schönmoser kann es nicht nachvollziehen. „Mein Anwalt hat gesagt, die verklagen wir“, spricht der 57-Jährige offen. Vertragsbruch steht im Raum. Doch: Das will er nicht. Er wünscht sich lediglich eine klare Regelung. Wenn Campingmobile am Skistadion stehen dürfen, sollten die Gäste auch entsprechend dafür zahlen – „und nicht nur von 9 bis 18 Uhr“. Schönmoser versteht nicht, dass sich die Gemeinde die Einnahmen entgehen lässt. 14 Euro verlangt er am Wank pro Tag. Dazu kommt der Kurbeitrag von drei Euro pro Person. „Meistens sind es also 20 Euro.“ Diese könne auch das Rathaus einfordern. „Da müsste man nur einen Automaten aufstellen und kontrollieren.“

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Campingplatz-Betreiber setzt Hoffnung auf neue Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen

Ein wenig Hoffnung macht ihm die neue Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU). „Ich bin froh, dass sie in dieser Thematik so deutlich vorgeht und ans Skistadion denkt.“ Schönmoser kann den Frust und Ärger bei der Rathauschefin gut nachvollziehen. Auch er hat immer wieder Schwierigkeiten mit den Wildcampern. „Manche sind einfach nur skrupellos“, urteilt er hart. In seinen Augen hat sich die gesamte Szene stark verändert. „Früher war das eine Lebenseinstellung.“ Jetzt möchte jeder dieses Gefühl von Freiheit erfahren. „Die Leute stellen sich dann einfach irgendwo hin.“ Die Gesetzeslage in Deutschland macht es schwierig, dagegen vorzugehen. Wo es nicht verboten wird, ist das Übernachten grundsätzlich erst einmal erlaubt. „Wenn die Leute dann aber zahlen müssen, werden sie schnell unverschämt.“

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Schönmoser erlebt es am Wank immer wieder: „Nachts stehen die Wohnmobile draußen in der Natur, tagsüber bei uns.“ Ohne zu zahlen. Denn das Kassenhäuschen am Alpencamp ist lediglich von 16.30 bis 18 Uhr besetzt. Keine Ausnahme bei reinen Stellflächen, die eben kein vollwertiger Campingplatz sind. Schönmoser und seine Angestellten kontrollieren zweimal am Tag. In der Früh gibt es eine Platzrunde, bei der die Camper zahlen können, die über Nacht angereist sind. Am Abend zahlen die Übernachtungsgäste, die tagsüber kommen. Wenn sie dann eben nicht schon wieder weg sind. „Es gibt so viele, die stehen von 9 bis 15.30 Uhr bei uns und hauen dann wieder ab.“ Ohne einen Cent zu zahlen. „Für die Nacht fahren sie dann wieder ans Skistadion, weil diese Möglichkeit sogar schon in den Internet-Foren oder in Führern steht.“

Video: Urlaub mit dem Wohnmobil

Wildcamper entleeren Abwassertank am Skistadion - ohne etwas zu bezahlen

Oft entleeren die ungebetenen Gäste auch gleich noch ihren Abwassertank. Einen Obolus von zwei Euro verlangt er normalerweise von fremden Wohnmobilen. Doch die Klappe ist immer offen, denn für Camper, die über Nacht bleiben, ist der Service frei.

Schönmoser hatte schon einmal bei der Gemeinde beantragt, einen Automaten samt Schranke aufstellen zu dürfen. Der Gemeinderat war sogar dafür, aber Garmisch-Partenkirchen Tourismus verneinte. „Dort wollen sie alle Adressen der Gäste.“ Selbst das wäre über ein Computersystem am Automaten möglich gewesen. Aber es blieb beim Nein. „Dabei bin ich quasi einer der besten Kunden, generiere im Jahr rund 75.000 Euro an Kurbeitrag.“

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Schönmoser kann es wie so vieles nicht verstehen. Lange muss er sich nicht mehr ärgern. Ende 2021 ist für ihn Schluss am Wank. Dennoch: „Es geht ja auch um meinen Nachfolger.“ Der soll ein vernünftiges Konstrukt vorfinden. Dafür will Schönmoser noch ein wenig kämpfen.

Wie ntv berichtet, gibt es auch an der Nordsee aktuell ein Problem mit Wildcampern:

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