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Die Schönheit Garmisch-Partenkirchens aus der Schanzenperspektive präsentiert Bürgermeisterin Elisabeth Koch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.

Der gern gesehene Gast

Wirtschaftsminister Aiwanger will Touristenströme lenken

  • Peter Reinbold
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Die Nöte der Tourismusorte am Alpenrand, die von Ausflüglern und Touristen corona-bedingt überrannt werden, haben Hubert Aiwanger wieder einmal nach Garmisch-Partenkirchen geführt. Während Bayerns Wirtschaftsminister in seinen Aussagen vage blieb, will Bürgermeisterin Elisabeth Koch mit der Bewirtschaftung von Parkplätzen handeln.

Garmisch-Partenkirchen – Wahrscheinlich hat sich in den vergangenen Jahren kein bayerischer Spitzenpolitiker so häufig in Garmisch-Partenkirchen aufgehalten wie Hubert Aiwanger. Hier scheint sich der Niederbayer wohlzufühlen. Der Markt und der Landkreis sind so etwas wie eine Hochburg der Freien Wähler im CSU-Stammland Oberbayern. Im Kommunalwahlkampf hatte der Wirtschaftsminister Schützenhilfe für die Bürgermeisterkandidatin Lilian Edenhofer geleistet, mit Anton Speer stellen die Freien Wähler den Landrat, Florian Streibl, der Chef der Landtags-Fraktion, wohnt in Oberammergau.

Gestern war Aiwanger als gern gesehener Gast wieder in Garmisch-Partenkirchen, um sich mit Kommunalpolitikern der Alpenregionen zwischen Oberstdorf und Berchtesgaden auszutauschen, deren Gemeinden besonders vom corona-bedingten Ansturm der Urlauber betroffen sind. Garmisch-Partenkirchen hatte sich neben der Region am Tegernsee, Kochel- und Walchensee als besonders belastet erwiesen. Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) hatte sich im Kampf, Garmisch-Partenkirchen für die Einheimischen lebenswert zu belassen, besonders hervorgetan. Und sie will darin auch nicht locker lassen, obwohl es nicht viele Möglichkeiten gibt, die Besucherströme zu lenken. Doch die wenigen gedenkt Koch umzusetzen. Sie plant bereits seit Längerem die stark frequentierten Parkplätze, wie den vor dem Olympia-Skistadion, zu bewirtschaften. „Die Anweisungen habe ich schon gegeben.“ Zudem sollen die Einheimischen sich in ihrem Ort wieder zu Hause fühlen können. Deshalb appelliert sie an die Gäste, weniger „egoistisch zu sein und sich an Regeln zu halten“. Aiwanger sprach sich für Verkehrsleitsysteme aus. Bei der Umsetzung von Maßnahmen, die helfen können, die Besucherströme zu entzerren, bot er, wenig konkret, „Hilfe vom Freistaat an“.

Aiwangers Visite von Garmisch-Partenkirchen war nach dem Termin mit den Bürgermeistern und Landräten noch nicht beendet. „Es ist hilfreich, wenn man direkte Verbindungen zur bayerischen Staatsregierung hat“, sagt Lilian Edenhofer, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Gemeinderat. Noch hilfreicher ist es Edenhofer zufolge jedoch, „wenn der Wirtschaftsminister auch noch ein Ohr für uns hat“. Bei einem Treffen Aiwangers mit den drei Gemeinderatsmitgliedern berichteten Edenhofer, Daniel Schimmer und Martin Kurschatke über die aktuelle Situation im Ort. „Die immer noch zu großen Wettbewerbsnachteile für Hotellerie und Gastronomie zum Nachbarn Österreich kosten unsere Gastgeber und Wirte täglich nicht nur Unsummen von Geld, sondern sind in der Praxis für viele nur sehr schwer umsetzbar“, sagt Schimmer, der auch als Ortsobmann Garmisch-Partenkirchens des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA Bayern) die Branche vertritt. Der doppelte Personaleinsatz, der notwendig ist, um die Daten der Gäste zu dokumentieren, die Tische zu reinigen und desinfizieren, bei nur halber Tischbelegung wegen der vorgeschriebenen Abstände sei deutlich in Kosten und Umsatz spürbar.

Aiwanger weiß um die Bedeutung des Tourismus als fundamentales Standbein der Wirtschaft Garmisch-Partenkirchens. Er versprach, sich mit aller Kraft dafür einzusetzen, dass die temporär begrenzte Senkung der Mehrwertsteuer, momentan bis zum Jahresende, verlängert wird, um die Leistungsträger spürbar zu entlasten. Sein Ziel ist es, dass gerade die kleineren, regionalen und mittelständischen Strukturen in Bayern und in Deutschland „eine Chance haben“.

Zum Abschluss des Treffens im Biohotel Garmischer Hof, dessen Manager Schimmer ist, betonte Aiwanger, dass der Markt aufgrund seiner landschaftlichen Gegebenheiten die optimalen Voraussetzungen für einen Urlaub in Bayern bietet. Allerdings müssen die Bedingungen für alle stimmen: für Gäste und die Bürger Garmisch-Partenkirchens. " BAYERN

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