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Ankunft am Rathausplatz

Zehn neue Glocken für drei Kirchen: Jetzt sind sie in Garmisch-Partenkirchen eingetroffen

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Willkommen in der Heimat: Über 50 Menschen nehmen am Rathausplatz den Transporter mit den zehn neuen Partenkirchner Glocken in Empfang. Zum ersten Mal sind die Bronze-Exemplare am Mittwoch zu sehen – und lösen Emotionen aus.

Garmisch-Partenkirchen – Josef Angelbauer wälzt sich im Bett hin und her. Bis ihn seine Frau weckt. Um halb vier in der Nacht. „Ich hab’ die Glocken verteidigt“, sagt er gut vier Stunden später. Jemand wollte sie klauen. Nur ein Albtraum – auf den ein Traumtag folgt.

Der Kirchenpfleger und Pfarrer Andreas Lackermeier positionieren sich am Mittwochfrüh an der Einfahrt zum Rathausparkplatz. „Der Puls steigt“, sagt Angelbauer. „Eine Operation könnt’ ich heute nicht machen lassen.“ Beide sind aufgeregt, gespannt auf den historischen Moment. Darauf, dass die neuen Partenkirchner Glocken – je drei für St. Anna und St. Anton sowie vier für Maria Himmelfahrt – endlich eintreffen.

Um kurz nach acht Uhr erklingen die bestehenden Glocken in der Marktgemeinde. Ebenso in Farchant und Oberau. Ein Signal, dass die zehn in Passau gegossenen Exemplare vom Friedhof – dort wurden die Planen entfernt – auf dem Weg sind. Wenige Minuten später nähert sich das Feuerwehrauto, dahinter der beladene Schwertransporter. Die Fahrzeuge biegen in den Parkplatz ein, die Blaskapelle Partenkirchen spielt auf, die gut 50 Schaulustigen applaudieren. Lackermeier und Angelbauer atmen durch, strahlen vor Glück.

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Eine Gemeinschaftsleistung

Sofort strömen die Interessierten, darunter der langjährige Garmischer Pfarrer Franz Sand, Gemeinderäte und die beiden Bürgermeisterinnen Elisabeth Koch und Claudia Zolk, zu den Glocken, die mit roten Spanngurten auf dem Transporter fixiert sind. So nah bekommen sie diese und deren Verzierungen – entworfen vom einheimischen Bildhauer Luis Höger – wohl nie mehr zu sehen. Nur knapp eine Stunde gibt’s die Ausstellung der besonderen Art, dann wartet das sichere Lager.

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Jede Sekunde kostet Heidi Lesewa aus. Schon Stunden vor der Ankunft betete sie den Rosenkranz, ehe sie das Geläut mit gefaltenen Händen inspiziert. Gerührt und berührt. „Das geht ins Herz rein“, sagt die Partenkirchnerin. Lange fieberte sie diesem Tag entgegen.

Weihe im Skistadion

Lackermeier kann ihre Gefühle nachempfinden. Seit neun Jahren arbeitete die Pfarrei an dem Projekt, bekam große Unterstützung von vielen Seiten. „Man sieht, was rauskommen kann, wenn man zusammenhält“, betont der Geistliche. Jede Hilfe, jede Spende zählte. Etwa 340 000 Euro kosten die zehn Exemplare samt Klöppel, Glockenstuhl, Ein- und Ausbau. Alles abgewickelt über den Passauer Traditionsbetrieb Perner, der die Glocken gegossen hat. Hinzu kommen bis zu 70 000 Euro für Elektro-, Maurer- und Malerarbeiten.

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Doch ans Geld denkt Lackermeier am Mittwoch weniger. Vielmehr genießt er den Moment und richtet seinen Blick schon auf kommenden Sonntag. Dann weiht der Abt von Ettal die geschmückten Glocken im Olympia-Skistadion. Maximal 200 Menschen dürfen wegen Corona das besondere Ereignis mitverfolgen –und sich vom Klang überzeugen. Beim Gottesdienst werden die Modelle aus Bronze mit einer Lebensdauer von mindestens 300 Jahren zum ersten Mal angeschlagen. Nur der Sachverständige der Erzdiözese hat schon eine Kostprobe für sein Gutachten erhalten. „Er war völlig aus dem Häuschen“, erzählt Lackermeier. 

Die Glocken sind aufeinander abgestimmt, sie geben ein Gesamtklangbild ab. Irgendwann an einem Feiertag „lassen wir sie zusammen läuten“, kündigt Angelbauer an. Um eines zu verdeutlichen: „Wir sind eine Pfarrei, eine Einheit.“

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