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Ehrgeiziger Zeitplan

Zehn neue Glocken für drei Kirchen nötig: Pfarrei hofft auf Geldspenden

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Pfarrer Andreas Lackermeier steht vor einer Herausforderung. Einer gewaltigen. Zehn Glocken gilt es, in drei Kirchen – Maria Himmelfahrt, St. Anton und St. Anna – zu erneuern. Gut 324 000 Euro muss die Pfarrei dafür aus eigener Kraft stemmen.

Garmisch-Partenkirchen– 300 Jahre St.-Anna-Kirche in Wamberg und 150 Jahre Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Partenkirchen – auf diese Jubiläen arbeitet Pfarrer Andreas Lackermeier hin. 2021 werden beide Ereignisse gefeiert. „Groß“, kündigt der Seelsorger an. Läuft alles nach seinen Vorstellungen mit neuen Glocken. Der Zeitplan, den Lackermeier und seine Mitstreiter von Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung dafür aufgestellt haben, ist ehrgeizig. Doch sie setzen alles daran, die maroden Eisenglocken durch langlebige Modelle aus Bronzeguss zu ersetzen.

Die 2,6-Tonnen-Glocke der Pfarrkirche, die im März 2017 aus ihrer Verankerung gebrochen war, hatte den Stein ins Rollen gebracht. Daraufhin waren Experten des Erzbischöflichen Ordinariats München erschienen, um die gesamte Anlage unter die Lupe zu nehmen. Mit einem ernüchternden Ergebnis: Die vier Exemplare, die 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg eingebaut worden waren, müssen erneuert werden. Lediglich die Sterbeglocke, „die man behalten durfte, damit die Mütter ihre gefallenen Söhne in Würde betrauern konnten“, und das große Bronze-Modell, das 1948 in Bremen wieder aufgetaucht und zurückerstattet worden war, hielten der akribischen Untersuchung stand. Nachdem im Zuge des Austauschs auch der Glockenstuhl ersetzt werden muss, kalkuliert Lackermeier allein dafür mit 250 000 Euro.

Die Großbestellung soll im Dezember aufgegeben werden

Der Sachverständige des Ordinariats nutzte zudem die Gelegenheit, das Geläut von St. Anton und St. Anna ebenfalls unter die Lupe zu nehmen. Auch hier gilt, die Glocken, die nach dem Krieg installiert worden waren, müssen ausgetauscht werden. Drei in St. Anton machen 40 000 Euro, drei weitere in Wamberg – ebenfalls samt Glockenstuhl – schlagen mit etwa 70 000 Euro zu Buche. Um die erforderlichen zehn neuen Glocken zu finanzieren, fallen 360 000 Euro an. Sobald die Finanzierung und das Konzept stehen, kann er einen Antrag beim Ordinariat einreichen. Zehn Prozent Zuschuss stehen von dieser Seite im Raum. Trotzdem muss die Pfarrei allein noch 324 000 Euro schultern. „Unsere Fachleute befürworten das Ganze“, bestätigt Bettina Göbner, Sprecherin der Erzdiözese München und Freising. Entscheidend sei zudem, „dass die Glocken haltbar sind und gut klingen“.

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Mit Exemplaren aus Bronze, die im Krieg bis auf die Sterbeglocken alle von den Nationalsozialisten abgeholt worden waren, ist genau das gewährleistet. „Fast wie Gesang“ beschreibt Lackermeier ihren „wunderbaren, wohligen Klang“. Kein Vergleich zum Scheppern der Modelle aus Eisen-Hartguss, deren Lebensdauer auch wesentlich geringer ist. Alle Glocken auf einen Streich zu erneuern, nennt er eine „einmalige Chance“. Nicht nur in puncto Kosten – bei einer derartigen Großbestellung rechnet er mit einem preislichen Entgegenkommen der Gießerei –, sondern auch vor dem Hintergrund, „dass wir so das Geläut von St. Anton und Maria Himmelfahrt aufeinander abstimmen können“.

Sechs bis acht Wochen sind keine Glocken zu hören

Vier Angebote liegen der Pfarrei schon vor – zwei aus Tirol, eines aus Passau und eines aus Baden-Württemberg. Noch in diesem Dezember will Lackermeier seine Großbestellung aufgeben. „Dann geht’s in die weitere Feinplanung“, sagt er. Neben der Verzierung gelte es dabei zu klären, welchen Namenspatron das jeweilige Modell bekommt. „Bei einer entsprechenden Zustiftung kann man dabei auch mitreden und sich auf einer Glocke verewigen, die mindestens 500 Jahre läutet.“ Neben einem Namenskürzel des Spenders, das er sich am Glockenrand vorstellen kann, schwebt ihm eine Stiftertafel innen an der Turmwand vor. Der Pfarrer ist offen für alle Vorschläge und Ideen, auch was kreative Spendenaktionen anbelangt. Eine Glocke allein kostet beispielsweise für Maria Himmelfahrt 20 000 Euro. Die Arbeitsleistung, der Ausbau der alten Modelle, der neue Eichenholz-Glockenstuhl samt Steuerungstechnik schlagen zudem noch mit insgesamt etwa 170 000 Euro zu Buche.

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Im Februar 2020 stellt sich Lackermeier vor, erfolgt der Guss. „Der Ausbau der alten Glocken könnte nach Ostern oder Pfingsten passieren.“ Denn zum Patrozinium – am 26. Juli in Wamberg und am 15. August in Maria Himmelfahrt – will er jeweils die neuen Exemplare präsentieren und segnen lassen. Zu St. Anton (Patrozinium am 13. Juni) gelingt das nicht, da muss ein anderer Termin gefunden werden. „Zur Weihe werden sie vor der Kirche aufgestellt, traditionsgemäß weiht sie bei uns der Abt von Ettal“, erklärt Lackermeier. In den folgenden Wochen werden sie dann nach oben gezogen. Schon jetzt ist aber klar, dass sechs bis acht Wochen lang weder in Partenkirchen noch in Wamberg Glocken erklingen. „So lange dauert der Aus- und Einbau.“

Sein Zeitplan ist ehrgeizig, das räumt der Pfarrer ein. Der Herausforderung stellt er sich aber gerne, schließlich hat er ein Ziel vor Augen. „Wenn alles klappt, können wir 2021 ordentlich feiern“, betont Lackermeier. Die beiden anstehenden Jubiläen seien schließlich etwas ganz Besonderes.

Wer helfen will,

die neuen Glocken von Maria Himmelfahrt, St. Anton und St. Anna zu finanzieren, kann das unter dem Verwendungszweck „Neue Glocken für...“ – bitte unbedingt das Gotteshaus angeben, dem die Spende zugutekommen soll, – auf das Konto der Pfarrei IBAN DE42 7035 0000 0000 3181 62 bei der Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen tun. Wer Ideen für Spendenaktionen hat, erreicht das Pfarrbüro unter Telefon 0 88 21/9 67 00 80.

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