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Vorbeifahrt: Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer gestern auf dem Rad vor dem Spielzeugland Zitzmann.

Bürgerbegehren abgeschmettert

Zitzmann und (k)ein Ende?

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Wie geht es weiter in Sachen Zitzmann? Nachdem der Gemeinderat das Bürgerbegehren abschmetterte, hält sich Initiatorin Amanda Stork über die nächsten Schritte bedeckt. Im Raum steht ein Gang vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof.

Garmisch-Partenkirchen – Wundenlecken war angesagt. Am Tag danach herrschte immer noch Verständnislosigkeit über das, was am Mittwochabend im Gemeinderat von Garmisch-Partenkirchen passiert ist. „Ich habe damit gerechnet, aber auf die Vernunft der Politiker gehofft“, sagt Amanda Stork. Die Kommunalpolitiker hatten das Bürgerbegehren zum Erhalt von Zitzmann Spielzeugland am bisherigen Standort am Richard-Strauss-Platz 2, deren Initiatorin Stork ist, mit knapper Mehrheit (12:11) abgelehnt (wir berichteten). Deutlich überraschter als Stork, die für Zitzmann arbeitet, zeigte sich Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), „da wir davon ausgegangen sind, dass das Bürgerbegehren zulässig ist. In den nächsten Tagen muss nun geprüft werden, wie es weiter geht und welche Schritte nötig werden“.

Gleiches plant Stork. „Die Nacht war lang. Wir haben noch sehr intensiv diskutiert“, sagt sie. Aufgeben war dabei nie ein Thema. Sie will weiter für den Erhalt ihres Arbeitsplatzes kämpfen, „obwohl die vergangenen Wochen Nerven gekostet haben und an die Substanz gegangen sind“. Ihr Arbeitsplatz und der der restlichen Belegschaft ist gekündigt. Die Nutzungsvereinbarung zwischen Geschäftsinhaber Max Zitzmann (58) und der Marktgemeinde, der das Gebäude gehört, endet am 31. Dezember 2017. Stork will sich zeitnah juristisch beraten lassen und dann entscheiden, „welchen Weg wir gehen.“ Dazu sollen Gutachten eingeholt werden. Und sie bittet um Verständnis, dass auch die Pressemitteilung, die ihr Chef gleich nach der Gemeinderatssitzung für gestern angekündigt hatte, erst heute versandt wird. „Wir müssen das Geschehene sacken lassen.“

Einziger Unterstützer für Zitzmann und sein Begehr, einen Mietvertrag über weitere vier Jahre zu erhalten, war im Gemeinderat FDP-Mann Martin Schröter. Und der steht im Verdacht, auf jeden populistischen Zug aufzuspringen. Einige andere, wie Alfred Heinle (SPD), wollten, dass nach zweieinhalb Jahren „endlich Ruhe einkehrt. Deshalb sollte das Volk entscheiden“. Dass sich für Zitzmann kaum eine Hand rührt, hat vor allem mit seinem Verhalten zu tun, das nicht gerade von diplomatischem Geschick geprägt ist. Jüngstes Beispiel: Seine Klage gegen Meierhofer-Vize Wolfgang Bauer (CSU). Zitzmann hat diese eingereicht, weil sich Bauer bislang weigerte, eine Gegendarstellung abzugeben. Eine Äußerung des Zweiten Bürgermeisters, gefallen am 29. Juni im Tourismusausschuss, erregte seinen Unmut, und die will Zitzmann klargestellt wissen. „Was die Klage anbelangt, gebe ich mich vertrauensvoll in die Hände der Justiz und kann mich leider zum laufenden Verfahren nicht äußern“, ließ Bauer über Pressesprecherin Ute Leitner erklären.

Den Rechtsweg zu beschreiten – für Zitzmann fast Tagesgeschäft. In den zurückliegenden zwei Jahren hat er Meierhofer mit Rechtsaufsichtsbeschwerden überzogen. Allerdings ohne Erfolg. Zitzmann, Kämpfer für die eigene Sache, der nur Rückhalt bei seiner Familie, seinen Mitarbeitern und 1766 Bürgern, die das Bürgerbegehren unterstützt haben, findet, hatte sich vor einigen Wochen sogar an den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) gewandt. Im Rahmen einer Eingabe machte er auf seine Situation aufmerksam. Ein Akt der Verzweiflung, der bislang offenbar ohne Erfolg blieb.

Die Fronten zwischen dem Geschäftsinhaber und dem Markt samt Politikern sind verhärtet, eine Lösung wohl unmöglich. Beide Seiten fühlen sich im Recht. Verwaltung und Gemeinderat behaupten, sie brauchten das Gebäude, weil man für die Tourist-Information mehr Platz benötige. Allerdings ist noch längst nichts fix. „Da bewegen wir uns auf dünnem Eis“, meint der Grüne Dr. Stephan Thiel. Ein Konzept soll Tourismus-Direktor Peter Nagel laut Meierhofer bis Ende September vorlegen. Zitzmann selbst hegt einen ganz anderen Verdacht. Die Gemeinde habe dem Bauunternehmer Franz Hummel das Gebäude versprochen. Und der wolle es weitervermieten – an den Herrenausstatter Hirmer, wie Gerüchte behaupten.

Der Markt könne einen weitaus höheren Mietzins erzielen, meint CSB-Gemeinderat Florian Hilleprandt. Er behauptet, Zitzmann zahle in der 1b-Lage am Ende der Garmischer Fußgängerzone eine subventionierte Miete. Was Zitzmann in Abrede stellt und auch CSU-Gemeinderat Max Wank anzweifelt. Das Rathaus hat Meierhofer zufolge darüber ein Gutachten in Auftrag gegeben. „Es ist aber noch nicht abgeschlossen.“

Gleiches dürfte für das Bürgerbegehren gelten. CSU-Fraktions-Chefin Elisabeth Koch, als Rechtsanwältin vom Fach, beziffert die Chancen einer Klage vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof „auf 50:50“. Eine Eilentscheidung dürfte in sechs bis acht Wochen vorliegen, „die Hauptsache länger dauern“. Ein Gang vor den Kadi hätte aufschiebende Wirkung. Soll heißen: Zitzmann könnte vorerst in dem Gebäude bleiben und das tun, was er und seine Familie seit mehr als 70 Jahren machen: Spielzeug verkaufen.

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