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Große bauliche Mängel? Die Grund- und Mittelschule am Gröben.

Mängel sind der Verwaltung bekannt

Schulen in Garmisch-Partenkirchen in „lebensbedrohlichem“ Zustand: CSB erhebt schwere Vorwürfe 

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Den Zustand der Garmisch-Partenkirchner Grund- und Mittelschulen schildert CSB-Gemeinderätin Ursula Kössel in dramatischen Worten. Sie nennt ihn „lebensbedrohlich“ für die Schüler. Verantwortlich macht sie dafür Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer. 

Garmisch-Partenkirchen– Als Kind war Dr. Sigrid Meierhofer eine begeisterte Zauberin. Wie sie davon erzählt, leuchten ihre Augen. Sie besaß einen Zauberkasten und offenbar geschickte Finger. Die kleine Sigrid konnte Geldstücke verschwinden und wieder erscheinen lassen. Ihre magischen Fähigkeiten haben sie verlassen, weil sie sie nie wirklich besessen hat. Zauberkästen und Zauberei sind nicht viel mehr als gut ausgeführte Taschenspielertricks. Von denen hält sie nichts (mehr). „Nein“, sagt die SPD-Bürgermeisterin, „zaubern kann ich nicht. Obwohl ich es bei vielen Gelegenheiten gut gebrauchen könnte.“

Das scheint aber das Christlich Soziale Bündnis (CSB) – und da insbesondere Gemeinderätin Ursula Kössel – von ihr zu erwarten. In einem Brief an Meierhofer und Vize-Bürgermeister Wolfgang Bauer (CSU) fordert sie, „die bekannten, gefährlichen und gravierenden Mängel an unseren Grund- und Mittelschulen schnellstmöglich zu beheben“. Sie nennt die Zustände „zum Teil lebensbedrohlich“. Die seien der Verwaltung schon lange bekannt. „Passiert ist wieder nichts.“

Eine Mängelliste hat Kössel ihrem Schreiben angefügt. Darin führt sie detailliert auf, woran es an welcher Schule krankt. Schlimme Zustände herrschen Kössel zufolge vor allem an der Garmischer Gröbenschule. Eine kleine Auswahl: Dort sei zum Beispiel die Heizungsanlage derart desolat, dass es in den Wintermonaten zu Unterrichtsausfällen gekommen ist. Ein alter Brennofen laufe immer unbeaufsichtigt in einem Kellerloch unter der Turnhalle. Ein neuer Brennofen, Kostenpunkt 15 000 Euro, habe die Gemeinde bereits vor vier Jahren angeschafft, allerdings habe man es „trotz vielfacher Anfrage“ nicht geschafft, diesen anzuschließen. Kössel zufolge ist die Garantie für das Gerät bereits abgelaufen. Zudem funktioniere die Brandmeldeanlage seit Jahren nicht. Im Falle eines Feuers müssten Kinder und Lehrer über eine Durchsage, die aus dem Sekretariat erfolgt, informiert werden. Im Mittelschultrakt sollen die Rauchschutztüren seit Jahren nicht mehr den TÜV-Normen entsprechen. Der Boden der Turnhalle sei noch original und weise zahlreiche Löcher auf, die zwar sporadisch geflickt worden seien, aber immer wieder aufbrechen. Der bauliche Zustand der Gröbenschule entspreche den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Kössel monierte alte Fenster und Elektroleitungen sowie fehlende Isolierung.

Auch in der Schule in Burgrain müssten die Fenster ausgetauscht werden. „Sie gehen nach außen auf, was für die Schüler sehr gefährlich ist. Zudem sind sie nicht mehr dicht, die Heizkosten daher enorm“, schreibt Kössel. In Burgrain werde auch ein Raum für die Förderlehrerin benötigt. Sogar das Schulamt habe seit Januar bereits dreimal nachgefragt. „Es erhält von der Gemeinde nur vertröstende Antworten.“

Schwere Vorwürfe, die Kössel in Richtung Meierhofer, Bauer und Verwaltung erhebt. Untätigkeit will sich die Bürgermeisterin auf gar keinen Fall anlasten lassen. Schon gar nicht von einer Gemeinderätin, die zur Fraktion des Christlich Sozialen Bündnisses zählt. „Mein Vorgänger, der dem CSB angehörte, hat das zu verantworten. Er hat das allermeiste verschlampt.“ Als sie noch Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten war, „habe ich in jeder Haushaltsrede angemahnt, dass bei den Schulen etwas passieren muss. Jedes Mal bin ich vom CSB überstimmt worden“. Als Bürgermeisterin hat sie ihrer Meinung nach nicht nur geredet, sondern gehandelt. „In den vergangenen fünfeinhalb Jahren ist soviel Geld für die Schulen ausgegeben worden, wie noch nie.“ Die Probleme, die Kössel anführt, sind ihr jetzt bekannt. Sie wusste nur von einer fehlenden Brandschutztür in der Krankenhausschule. Dass ein Investitions- und Sanierungsstau besteht, leugnet sie nicht. Den zu beheben, ist allerdings schwierig. „Es gibt bei der brummenden Baukonjunktur kaum noch Handwerker, die für solche kleineren Arbeiten zu finden sind.“

Deshalb glaubt sie nicht, den Kössel-Antrag, die Mängel in den Schulen schnellstmöglich zu beheben – er soll in der nächsten Gemeinderatssitzung behandelt werden – so bald wird umsetzen können. „Das würde nur klappen, wenn ich wie die ,Bezaubernde Jeannie‘ alles mit Blinzeln erledigen könnte.“

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