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Ist noch nicht bereit fürs Rentner-Dasein: Dr. Sigrid Meierhofer.

Der erste Plan ist hinfällig geworden

Vertrag unterschrieben: Ex-Bürgermeisterin Meierhofer steigt wieder ins Berufsleben ein

  • Peter Reinbold
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Ein Leben als Polit-Rentnerin hätte sie nicht ausgefüllt. Deshalb nimmt Dr. Sigrid Meierhofer wieder eine Tätigkeit auf, die ihr vertraut ist. Für Garmisch-Partenkirchens Ex-Bürgermeisterin geht‘s fast zurück zu ihren Wurzeln. 

Garmisch-Partenkirchen – Politiker fallen meist weich, ganz egal, ob sie freiwillig aus ihrem Amt geschieden sind oder abgewählt wurden. Das gilt für Politiker jeglicher Couleur. Beispiele gefällig? Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) landete im Aufsichtsrat des russischen Energieriesen Gazprom, der ehemalige Kanzelamtsminister Ronald Pofalla (CSU) kam als Vorstand bei der Deutschen Bahn unter. Jüngst sorgte die ehemalige SPD-Bundesvorsitzende Andreas Nahles für Schlagzeilen, weil sie das Amt der Präsidentin der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation erhält.

Was im Großen häufig die Empörungsfreudigen, Missgünstigen und Selbstgerechten auf den Plan ruft, gibt’s auch auf kommunaler Ebene. Ex-Bürgermeister, die sich noch zu jung fühlen für ein Dasein als Pensionist, suchen sich neue oder alte Betätigungsfelder. Thomas Schmid (damals CSB), der 2014 die Stichwahl verlor und der deshalb seinen Posten als Garmisch-Partenkirchner Bürgermeister räumen musste, stieg bereits drei Monate später zum Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Bauindustrieverbandes auf, der seinen Sitz in München hat. Damals war ein Headhunter auf Schmid – lange Jahre als Diplomat unterwegs – gestoßen. Seitdem hat Schmid, der seinen Lebensmittelpunkt in die Landeshauptstadt verlegte, Garmisch-Partenkirchen nur noch selten besucht.

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Am 1. September geht‘s los

Weder einen Headhunter brauchte Dr. Sigrid Meierhofer, um eine berufliche Betätigung zu finden, noch zieht es sie fort aus Garmisch-Partenkirchen. Die Schmid-Nachfolgerin, die für die SPD sechs Jahre lang das Rathaus und die Geschicke des Marktes leitete, geht zurück. Nicht zu ihren Wurzeln als Ärztin. Meierhofer, bei der Stichwahl im März ihrer Herausforderin Elisabeth Koch (CSU) unterlegen, nimmt ab September wieder ihre Lehrtätigkeit an den Berufsfachschulen für Kranken- und Kinderkrankenpflege auf, an der sie viele Jahre unterrichtet hatte. „Ich freue mich sehr“, sagt Meierhofer (64), die am Ende der vergangenen Woche ihren Arbeitsvertrag unterschrieb. „Bevor es die Öffentlichkeit erfährt, sollte alles unter Dach und Fach sein“, erklärt sie im Gespräch mit dem Tagblatt. Sie übernimmt ab dem 1. September die halbe Stelle einer Kollegin, die ihre Elternzeit verlängert hat und gehört damit wieder zum Team um Schulleiter Thomas Abold.

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Die Ex-Bürgermeisterin hatte schon in den Wochen nach ihrem erzwungenen Abschied angedeutet, dass sie wieder ins Berufsleben einzusteigen gedenkt und dafür ihre Approbation benötigt. Das Leben als Polit-Rentnerin hätte sie nicht ausgefüllt. Zunächst hatte sie während der Hoch-Zeit der Corona-Pandemie damit geliebäugelt, wieder als Ärztin zu arbeiten, um die Kollegen in den Krankenhäusern zu entlastet. „Das hat sich erledigt, als klar wurde, dass die Krise ihren Höhepunkt überschritten hat.“

Viel Sport seit der Abwahl getrieben

Die Lehrerin Meierhofer wird selbst noch ein bisschen lernen müssen, bevor sie ihren ersten Schultag hat. Bisher bildeten die Berufsfachschulen, die an der Gehfeldstraße beheimatet sind, ausschließlich Kranken- und Kinderkrankenpfleger aus. Träger waren bislang das Klinikum Garmisch-Partenkirchen und die Kinderklinik Garmisch-Partenkirchen. Seit heuer gehört auch der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising dazu. Grund ist die generalistische Ausbildung, die der Gesetzgeber beschlossen hat, um den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten. Neben Kinderkranken- und Krankenpflege kommt noch die Altenpflege unter das Dach der Schule. „Der Lehrplan wird gerade ganz neu geschrieben“, sagt Meierhofer.

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Sie fühlt sich fit. Die vier Wochen, am 30. April endete ihre Amtszeit, hat sie genutzt, um sich zu erholen. „Ich habe viel mehr Sport gemacht als in den vergangenen Jahren.“ Das habe ihr gutgetan. Und auch der Politik, die sich in den vergangenen 20 Jahren mit Leidenschaft betrieb, hat sie nicht abgeschworen. „Die macht mir nach wie vor unheimlich Spaß.“ Meierhofer gehört in den kommenden sechs Jahren weiter der SPD-Fraktion des Kreistags an und sitzt auch wieder im Verwaltungsrat der Kreissparkasse. „Langweilig wird es mir nicht.“

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