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Prosit: Fastenprediger (Andreas Bräu) und Bavaria (Marie-Teres Pfefferle) lassen sich den Josefibock schmecken.

Neuer Fastenprediger begeistert

Spöttisch, bissig, unverblümt

Die Premiere ist gelungen: Andreas Bräu hat als Fastenprediger alle Register gezogen und das Publikum im Saal des Gasthof Schatten begeistert. Unverblümte Worte fand er vor allem für die Lokalpolitik und den Wahlkampf zwischen Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer und Herausforderin Elisabeth Koch.

Garmisch-Partenkirchen – Ein ausdrückliches Lob schon für den Anfang: „Gelobt sei Jesus Christus“, sagte Fastenprediger Andreas, wie sich das für einen Pater standesgemäß ziemt, bereits zu Beginn seiner Darlegungen. Und das Publikum antwortete brav: „In Ewigkeit Amen“. Stilvoll jedenfalls fing Andreas Bräu (30), der neue „Mönch“ beim Starkbieranstich im Gasthof Schatten an, doch das sagte ja nichts über den Inhalt seiner einstündigen Betrachtungen. Die waren nicht nur im Dialekt, sondern auch gleichermaßen spöttisch wie bissig, wie sich das für jemand gehört, der unverblümte Worte über Leute findet, die, da meistens von uns Bürgern gewählt, gehobene Positionen aller Art haben: Bürgermeister und Gemeinderäte, Landrat, Minister, Präsidenten. Und der Ur-Partenkirchner Bräu, studierter Politiker und Soziologe, von Beruf, aber schon seit Jahren Autor, Schauspieler und Moderator, hat genau die dazu passende Figur als Pater aus dem Antonikloster gefunden, um souverän sprechend und heiter mahnend den Josefibock, der im Schatten ausgeschenkt wird, auf genau die Art zu präsentieren, dass Gelächter am laufenden Band angesagt ist. Landrat Toni Speer, der wohl die höchste Anerkennung erhielt, sagte: „Sehr guad war’s.“ Elisabeth Koch, die eher weniger gelobt wurde, meinte: „Besser so, als gar nicht erwähnt.“ Bürgermeisterin Dr. Meierhofer war nicht anwesend, ihr Vize Wolfgang Bauer gab dem Prediger ein „sehr gut“.

Herzlich gelacht: (v.l.) Maria Speer, Anton Speer und Elisabeth Koch. 

Das fängt schon damit an, dass er mit dem kürzlichen Partenkirchner Fasenachts-Radlrennen beginnt, wo unter anderem auf Dosen geworfen werden konnte, geziert mit den Gesichtern heimischer Politprominenz, gefüllte „Hohlkörper“ von Leuten also, für die man kein Pfand zurückkriegt und sie deshalb gleich recycelt. Denn egal, wie sie heißen und welcher politischen Richtung die Gemeinderäte angehören, „mit denen geht sowieso nicht viel vorwärts“ war schon gleich zum Auftakt zu hören. „Vui ist bei denen für’n Container, bei ihren Dauerkarnevalssitzungen.“ Wobei sich die Bürgermeisterin, die manchmal wie eine Sommerfrischlerin wirke, vor allem „aufs Postkartengrinsen und Briefeschreiben beschränkt und die Rathaus-Poststelle gut beschäftigt ist“. Sissi Koch aber, die „oberste CSU-Schießbudenfigur“ im Ort“, habe zwar vor ihrem Anwaltsbüro eine Webkamera aufgehängt, „doch bloß als Voyeur die Kamera kreisen lassen und danach schimpfen, huift halt aa nix“. Ohnehin wittere sie jetzt die Gelegenheit zur Bürgermeisterkanditatur. „Als Chance oder aus Verzweiflung, weil insere prächtige CSU sonst koan mehr hat: Zwoa g’stutzte Amazonen, damals gegas CSB noch beste Freundinnen, nun durchs Kainzenbad entzweit, treten gegeneinander an ums höchste Amt im Ort, Sigi geg’n Sissi? Na Prost!“

Ansonsten machten die meisten heimischen Politiker, die Sissi voran, halt Medienpolitik im Facebook: „Da wird austeilt, geteilt, kommentiert und dementiert, ois Faschingsfiguren halt.“ Denn aus der Zeitung müssten sie wichtige Informationen beziehen. „Die Frau Bürgermeisterin spricht liawa mit’m Tagblatt als mit’m Gmoarat, vielleicht weil sie denkt, wenn sie’s lesen, kapieren sie es wenigstens, zuahör’n dean sie sowieso ned.“

„Kemma mir jetzat zu unser aller Landrat, dem Speer. Kein Berufspolitiker, aber ein Schaukäser, Hochzeitslader und Bauer. Was koa schlechte Grundlage ist, denn wer sich mit Rindviecher auskennt, der find’t sich aa in der Politik zurecht“, lobte Bräu den Chef im Landratsamt. „A vernünftige Ausbildung und a guada Durscht: Damit könnt er bei den Sozi auch Kanzlerkandidat werden.“

Kein Thema der vergangenen zehn Jahre habe so polarisiert wie die Flüchtlingskrise, sagte der Prediger. Wobei er den Brandbrief der Bürgermeisterin an die Regierung anzweifelte: „Denn wenn so wia bei uns bürgerkriegsähnliche Zustände aussehen, dann woaß i ned, warum man aus Aleppo wegläuft: Denn wenn i durch’n Ort laff’, seh’ i an Fleckn, der friedlich, reich und schee is.“ Auch Mittenwald, genauer gesagt, den dortigen Bürgermeister Hornsteiner ließ er nicht außer Acht, „denn der kriegt nicht nur Hausverbot bei der Karwendelbahn, sondern bald auch in seinem Schwimmbad, der arme Kerl“.

Sorgen für den guten Ton: die Gruber Buam, Gstanzlsänger aus Uffing, und die Gletscherschliff-Musi aus Mittenwald.

Ein eigenes Kapitel widmete Pater Andreas auch der heimischen Kulturpolitik. „Bei der’s gar koan Durchblick mehr gibt: Kultursommer pleite, Zwipf weg, Büttel verschollen.“ Dass die Gäste der teuren Straussfestivals „a guads Geld dalassen im Ort, das vergessen freilich die meisten. Der Kultursommer aber, der nur a Kurparkfestival hätte werden sollen, da werkelt jetzert jeder für sich selber, moi recht, mal schlecht, aber z’samma geht nix. Warum, frag i mi, is as Partakurcha Bauerntheater eigentlich immer voll, und warum kriag’n de Ammergauer jeden Summa eana Hütt’n voll? Es sind halt Stückl für den Publikumsgeschmack in Partakurch. Große Oper, Heimatsaund und Theater in Ammergau, da kannt’ man a paar Scheiberl abschneid’n.“

Die Lyzeums-Madl beim kommenden Schulneubau im Container, die teureren Kindergartengebühren, das „Bebauungsverbot mit Hintertürl“ am PX-Grundstück: Die Themen gingen ihm nicht aus. Natürlich durfte auch der Bundesminister Alexander Dobrindt nicht fehlen „mit seiner deppert’n Maut“, der fränkische Rammbock, Oberfaschingsprinz und Heimatminister Söder und der Seehofer, der seine Meinung wie die Weichen seiner Modelleisenbahn umstellt. „Grad wia’s ihm passt, denn Gentleman is er sowieso koana, weder zu seiner Schefin in Berlin noch zu seiner Frau.“

Zum lustigen Schluss der einstündigen Predigt dann noch ein paar Überlegungen, wie wohl der Bürgermeister-Wahlkampf zwischen Sigrid Meierhofer und Elisabeth „Sissi“ Koch ausgetragen werden könnte. „Nämlich als Forstdreikampf, wie ihn der Ostermair Hansjörg im Partakurcha Festzelt machen hat lassen, des war a Gaudi: Zerscht Wiagsogschneid’n. Das passt zu eanam Hin und Her, dann die Baam über die Bühne wörgeln und am End’ zerlegen sie an Baam mit der Hack’, grad wie sie sich sowieso gegenseitig zerleg’n.“

Die Fastenpredigt wurde trefflich umrahmt von den sieben Mittenwalder Gletscherschliff-Musikanten, den drei Huber-Buam aus Uffing mit lustigen G’stanzln und der Ansage der als Bavaria gewandeten Marie-Teres Pfefferle.

Wolfgang Kaiser

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