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Müsste neue belebt werden: Die Immobilie am Kirchweg in Burgrain

Sozialer Brennpunkt?

Burgrain hat traditionell ein Image-Problem

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Die Gemeinderäte Daniela Bittner, Alexandra Roos-Teitscheid und Harald Helfrich verstehen sich als Burgrains Anwälte und Fürsprecher. Für sie ist der Garmisch-Partenkirchner Ortsteil  „schön, lebens- und liebenswert“.

Burgrain – Sie sind sich einig. Völlig einig. Über Parteigrenzen hinweg. Die Gemeinderäte Daniela Bittner (CSB), Alexandra Roos-Teitscheid (parteifrei) und Harald Helfrich (SPD) eint die Liebe zu Burgrain – neben Garmisch und Partenkirchen der dritte Ortsteil der Marktgemeinde, zu der auch noch Wamberg und Griesen gehören. „Burgrain ist schön, lebens- und liebenswert“, sagt Helfrich und erntet von Bittner und Roos-Teitscheid für diese Aussage ein zustimmendes Kopfnicken. Der Schauspieler und Regisseur, der mit 50 Jahren eine Ausbildung zum Erzieher begonnen hat, versteht sich ebenso wie die Diplom-Sozialpädagogin Bittner und die Gymnasiallehrerin Roos-Teitscheid als Anwalt und Fürsprecher von Burgrain.

Daniela Bittner.

Burgrain hat traditionell ein Image-Problem – und das seit seiner Gründung 1939. Der Ortsteil galt schon immer ein bisschen als sozialer Brennpunkt. Daran hat sich Lauf von fast 80 Jahren nichts geändert. Heute leben viele Menschen mit Migrationshintergrund dort. „Der Anteil derer, die Deutsch nicht als Muttersprache haben, ist in Burgrain sicher höher als in Garmisch oder Partenkirchen“, sagt Bittner. Trotzdem: Burgrain sei kein Glasscherbenviertel. „Dagegen verwehren wir uns“, erklärt Helfrich.

Die Bevölkerungszahl hat abgenommen. Nannten vor einigen Jahren noch rund 2500 Menschen Burgrain ihr Zuhause, sind es derzeit bei rund 1200 Haushalten 2065. „Die Kinder von Familien, die in den großen Wohnungen lebten, sind erwachsen und weggezogen“, mutmaßt Roos-Teitscheid, die in Burgrain geboren ist und selbst drei Kinder hat. „Die können hier unbeschwert aufwachsen.“

In den kommenden Jahren wird es wieder einen Zuzug geben. Auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Hornung an der Steigfeldstraße plant die Gemeinde Häuser mit 30 bis 35 Einheiten im Kommunalen Wohnungsbau. Die Angst, die bei Burgrainern umgegangen war, dass dort ausschließlich geduldete und anerkannte Asylbewerber einziehen, hat sich mittlerweile gelegt.

Harald Helfrich.

Bittner, Roos-Teitscheid und Helfrich haben bei ihren Sprechstunden, die allerdings nur noch im Drei-Monats-Rhythmus stattfinden und bei denen immer einer der beiden Bürgermeister anwesend ist, Aufklärungsarbeit geleistet und die Menschen beruhigt. Jetzt bewegt die Parkplatzsituation, die in Zukunft an der Steigfeldstraße herrschen könnte, die Gemüter. Schon jetzt ist die Lage nicht immer besonders rosig. Als vor einigen Wochen viel Schnee gefallen war, konnten die Räumfahrzeuge wegen der zahlreichen Autos, die am Straßenrand abgestellt waren, ihren Dienst nicht verrichten. Deshalb fordern die drei Kommunalpolitiker, dass die Gemeindeverwaltung bei der Planung vor den Häusern Parkmöglichkeiten vorsieht. „Ein Stellplatz pro Wohnung wird jedoch nicht reichen“, vermutet Bittner.

In einigen Bereichen ist Burgrain Modellregion. Die Durchgangsstraße wurde zurückgebaut, in den Seitenstraßen durchgängig Tempo-30-Zonen geschaffen, das Radfahr-Konzept der Gemeinde zu großen Teilen umgesetzt. In anderen Dingen fühlt man sich in Burgrain von der allgemeinen Entwicklung abgekoppelt. Besonders beklagenswert: Es gibt kein Lebensmittelgeschäft. Ein Dorfladen war einmal im Gespräch. „Doch der mögliche Betreiber hat sich letztlich nicht getraut“, weiß Helfrich. Damit fehlt ein Treffpunkt, um soziale Kontakte knüpfen zu können. Außer einer Bäckerei, einer Pizzeria, einem Friseur und einem Kosmetikstudio verzeichnet Burgrain kaum Geschäfte.

Alexandra Roos-Teitscheid.

Tote Hose also? Nicht ganz. Roos-Teitscheid zufolge fangen viel „die sehr aktiven Kirchen und der Sportverein auf“. Burgrain möge vielleicht eine „Schlafstadt sein, aber die Bürger, die hier wohnen, schlafen nicht.“ Bittner lobt das Miteinander, es herrsche eine große Solidarität. So habe die Türkische Gemeinde beim Weihnachtsmarkt einen eigenen Stand. „Das ist eine Bereicherung für alle.“ Nötig sei aber ein Treffpunkt. Ideal fänden die drei Gemeinderäte die Immobilie am Kirchweg, die der Gemeinde gehört und die die Oasekirche und den Jugendtreff beherbergt, den Helfrich „eine wichtige Einrichtung“ nennt.

Als Armutszeugnis bewerten sie einen fehlenden Bargeldautomaten, seit die Kreissparkasse ihre Filiale am Kirchweg aufgegeben hat und auch die Zweigstelle in Farchant, für viele Burgrainer seitdem Anlaufstelle, heuer geschlossen werden soll. „Dagegen regt sich Widerstand“, sagt Roos-Teitscheid. Sie habe in ihrem Briefkasten schon Schreiben besorgter Bürger gefunden, die diese Situation anprangern und aktiv werden wollen. In ihrem Bemühungen will sie nicht nachlassen, damit Burgrain noch mehr lebens- und liebenswert bleibt. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, sagt sie. „Das habe ich von Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer gelernt, als sie noch in der Opposition war.“

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