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Beamten-Trio: (v.l.) Stellvertretender Dienststellenleiter Thomas Holzer, Robert Kopp (Präsident Polizeipräsidium Oberbayern Süd) und Garmisch-Partenkirchens Leiter der Polizeiinspektion, Thomas Kirchleitner.

Ausbildung der Ordnungshüter ändert sich deshalb

Polizisten beschimpft, beleidigt und bedroht

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Immer öfter werden Polizeibeamte tätlich angegriffen – nicht nur in Großstädten oder vermeintlichen Problembezirken. Zuletzt kamen derartige Nachrichten aus Weilheim und Rosenheim. Auch in Garmisch-Partenkirchen hat sich das Verhalten gegenüber der Polizei verändert. Und das der Beamten folglich auch.

Thomas Holzer

Garmisch-Partenkirchen – All die Schimpfwörter, die Beamte im Einsatz begleiten – Thomas Kirchleitner will sie gar nicht aussprechen. „So etwas geht uns nicht einfach über die Lippen.“ Der Leiter der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen macht eine Ausnahme, verrät, wie er sagt, nur die harmlosesten. „Arschloch“, „Fuck me“, „Schlampe“. Noch viele mehr würden ihm und seinem Stellvertreter Thomas Holzer einfallen. Würden sie und ihre Kollegen jede dieser Beleidigungen tatsächlich zur Anzeige bringen – „wir würden gar nicht mehr fertig werden“, sagt Holzer. Er beobachtet „eine Verrohung der Sprache“ und der Umgangsformen, zudem mangelnden Respekt. Und Polizeibeamte bekommen dies offenbar besonders zu spüren. Meistens, aber bei Weitem nicht nur verbal.

Vor einigen Wochen verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf das Dienstgebäude der Weilheimer Polizei, verletzt wurde glücklicherweise niemand. Wenige Tage zuvor hatte ein Mann einen Beamten in Rosenheim angegriffen. Während einer Personenkontrolle ging der unbeteiligte Passant auf ihn los, würgte ihn und schlug ihm mit den Fäusten ins Gesicht.

Damit hatten Angriffe gegen Polizeibeamte ein Ausmaß erreicht, das Robert Kopp, Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, reagieren ließ. „Die Intensität der Gewalt gegen Polizeibeamte, wie sie in Rosenheim und Weilheim geschehen, ist alarmierend“, schrieb er via Pressemitteilung. Täglich setzten sich die Kollegen für die Sicherheit ein, nun müsse man „die schützen, die uns schützen“. Man werde alles tun, um die Täter zu überführen.

Verhalten gegenüber der Polizei hat sich verändert

Auch die Beamten in Garmisch-Partenkirchen reagierten schockiert auf die Meldungen. „Schlimm. Völlig unverständlich. Welche Grund gibt es für eine solche Aggression?“ Kirchleitner beantwortet seine Frage selbst: „Keinen.“ In Garmisch-Partenkirchen hat er derartige Angriffe noch nicht erlebt. Verändert hat sich das Verhalten gegenüber der Polizei sehr wohl.

Seit über vier Jahren erfassen die Verantwortlichen für die Inspektion jeden Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte mit „unmittelbarem Zwang“. Fälle also, in denen der Polizist zum Beispiel körperliche Gewalt – die letzte Stufe des unmittelbaren Zwangs wäre der Gebrauch der Schusswaffe – anwenden muss. Diese Fälle nehmen zu. Zwölf zählte Kirchleitner 2016 über das ganze Jahr. 2017 hat er das Dutzend bereits zum Halbjahr erreicht. Jeder Fall wird dabei genau überprüft und ausgewertet. Deshalb weiß Kirchleitner: 90 Prozent der Personen, die sich widersetzen, sind Deutsche. Und quasi jeder ist betrunken oder hat Drogen konsumiert. Dieses Problem habe deutlich zugenommen, sagt Holzer.

Generell, erklären die beiden Verantwortlichen, liege Garmisch-Partenkirchen mit seinen Zahlen unter dem Durchschnitt, was körperliche Attacken gegen Beamte betrifft. Auch wegen des höheren Altersdurchschnitts der Bevölkerung. Doch alle kennen die Nachrichten. Von Vorfällen wie in Rosenheim und Weilheim. Von Übergriffen auf Polizei, Sanitäter und andere Einsatzkräfte in ganz Deutschland. Sie sensibilisieren.

„Jeder ist extrem vorsichtig“

Thomas Kirchleitner

Zu jedem Einsatz fahren die Beamten heute mit der Einstellung: „Wir müssen aufpassen, dass nichts passiert“, sagt Holzer. Im Unterschied zu früher sei dieser Gedanke deutlich präsenter, der Eigenschutz spiele eine größere Rolle. „Jeder ist extrem vorsichtig.“ So achten die Beamten beispielsweise genau darauf, den Zwei-Meter-Sicherheitsabstand einzuhalten, den sie in der Ausbildung lernen. Oder sie schreiten erst ein, wenn ausreichend Beamte vor Ort sind. Früher sei man schon mal „etwas blauäugig“ einfach in eine Wohnung marschiert, sagt Kirchleitner. „Oder wer hat damals eine Schutzweste getragen?“ Holzer und Kirchleitner, beide seit etwa 40 Jahren im Polizeidienst, schütteln den Kopf. Kaum jemand, schon gar nicht bei 30 Grad im Schatten. Heute sieht man kaum mehr einen Kollegen auf Streife ohne.

Auch die Ausbildung habe sich verändert: Viel stärker werden die Beamten Kirchleitner zufolge in Kommunikation geschult, sie arbeiten deeskalierend. Andernsfalls gäbe es, davon ist der Inspektionsleiter überzeugt, deutlich mehr Fälle von Widerstand mit unmittelbarem Zwang zu dokumentieren.

„I kill you“ - ein häufiger Satz

Entscheidend in der Praxis aber sind eben auch jene Fälle, die nicht registriert werden. Weil sie die Beamten prägen und ihr Verhalten beeinflussen. Dazu gehören die ständigen Beleidigungen. Ebenso wie Drohungen – gerade bei Einsätzen im Asylbereich. Einen Satz hören die Kollegen Kirchleitner zufolge dort regelmäßig: „I kill you.“ Hinzu komme eine latente Gefahr: „Wir wissen: In diesem Bereich hat fast jeder ein Messer dabei.“

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