Zwei Männer begeben sich auf Drogenfahrt

Vor Gericht: 35.000 Euro von der eigenen Mutter geklaut 

Auf eine abenteuerliche Reise haben sich ein Garmisch-Partenkirchner (19) und ein Oberammergauer (20) gemeinsam begeben. Mehrere tausend Euro haben sie dabei auf den Kopf gehauen. Das Geld hatten sie bei einem Einbruch mitgehen lassen. Opfer war die Mutter von einem der beiden Burschen.

Garmisch-Partenkirchen Mit Brecheisen und Hammer sind ein Garmisch-Partenkirchner (19) und ein Oberammergauer (20) in die Wohnung der Mutter des 19-Jährigen eingebrochen. Dort haben sie eine Geldkassette gestohlen, in der sich satte 35 000 Euro Bargeld befanden. Anschließend sind die beiden für einige Monate nach Österreich und Holland gereist, wo sie das gesamte Geld ausgaben – unter anderem für Drogen. Nun standen sie dafür in Garmisch-Partenkirchen vor Gericht.

Einbruchsdiebstahl: Dieses Delikt hatte Staatsanwalt Marco Heim den beiden jungen Männern, die keinen Beruf ausüben, vorgehalten. Die Initiative dazu war vermutlich von dem 19-jährigen Garmisch-Partenkirchner – also dem Sohn des Opfers – ausgegangen. Der 19-Jährige war damals zwar in Augsburg wohnhaft, wusste aber, dass seine Mutter in ihrer Wohnung eine Geldkassette aufbewahrte. Wie viel sich darin befand, wusste er seiner Aussage nach nicht.

Mit Brecheisen dringen sie in die Wohnung der Mutter ein

Am Vormittag des 12. Januar 2016 sind die beiden arbeitslosen Männer in die Wohnung der Mutter eingedrungen. Mit einem Brecheisen, das sie eigens gekauft hatten, rissen sie die Tür zur Vorratskammer auf und entwendeten die dort deponierte Geldkassette. Da diese zugesperrt war, knackten sie die Kasse auf. Und zwar in der Nähe der Wallfahrtskirche St. Anton. „Dass soviel Geld und dazu auch ein paar Goldringe drin waren, hat uns gefreut“, erinnerte sich der Sohn vor dem Richter. Voller Freude hätten sich beide sodann auf ihre Reise begeben, die unter dem Motto „einfach weg“ gestanden sei. Gewissensbisse hatten sie nicht. „Schließlich hat mich die Mutter immer wieder geschlagen“, beteuerte der Sohn.

Ihre anschließende Tour, sagten beide aus, war nicht geplant. „Wir hatten beide kein Wunschziel“, erklärte der 19-Jährige. „Wir dachten an Österreich oder Holland.“ Also ging’s erst per Zug nach Innsbruck, wo sich das Duo für einige Wochen in einem Hotel einmietete und das Geld planlos ausgab.

Das nächste Ziel war Amsterdam: Vorrangig, um Drogen zu kaufen

Zwei Laptops mussten her, Spielkonsolen, ein Fernseher, Kopfhörer und noch einiges mehr. Allein in den drei Innsbrucker Wochen gingen an die 6000 Euro drauf. Dann steuerten die beiden das nächste Ziel an: Amsterdam. In erster Linie, um dort Drogen zu kaufen. Die Männer konsumierten diese derart häufig, dass dies insbesondere dem 19-Jährigen große Probleme einbrachte. Er litt schließlich unter Selbstmord-Gedanken und Albträumen. Nach seiner Heimkehr musste er deshalb fast ein halbes Jahr in der Psychiatrie verbringen.

Sein ebenfalls immer noch arbeitsloser Freund hingegen lernte in der Zeit ein 14-jähriges Mädchen kennen, mit dem er nunmehr eine Familie gründen will. „Sie ist schwanger, und ich liebe sie“, sagte er vor Gericht. Vom gestohlenen Geld der Mutter seines Spezls seien übrigens nach der Reisenur noch um die 10 000 Euro übrig gewesen. „Da brechen also die Herrschaften ein“, fasste Richter Paul Georg Pfluger den Sachverhalt zusammen, „klauen 35 000 Euro, kaufen damit wie die Kinder allerlei Kram, fahren nach Holland der Drogen wegen und kommen dann jammernd und krank zurück.“

Während der Staatsanwalt für die beiden mehrfach vorbestraften Angeklagten Jugendknast ohne Bewährung beantragte – für den diebischen Sohn acht, für seinen jüngeren Kumpel elf Monate – ahndete Richter Pfluger den doppelten Einbruchsdiebstahl etwas differenzierter. Er attestierte den beiden Heranwachsenden zwar „schädliche Neigungen“, fällte jedoch ein milderes Urteil, als der Staatsanwalt gefordert hatte. Der Sohn, der die Initiative für den Einbruch ergriffen hatte, bekam acht Monate Jugendstrafe, sein Spezi elf Monate. Jedoch drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Überdies muss er 120 Stunden Sozialarbeit ableisten. Nicht zuletzt wurden beide vom Richter dazu verpflichtet, sich eine Arbeit zu suchen.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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