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Kämpfen für weniger Lärm: Burgrainer Bürger, die in Sichtweite des Gewerbegebiets Loisachauen wohnen.

Ein jahrelanger Kampf - nimmt er noch ein gutes Ende?

Burgrainer vom Lärm geplagt: Gewerbegebiet-Anwohner wehren sich 

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Seit vielen Jahren müssen Bewohner Burgrains, die in Sichtweite des Gewerbegebiets Loisachauen wohnen, Lärm ertragen. Sie haben begonnen, sich zu wehren. Zwar soll ein Brecher, die Wurzel allen Übels, verlegt werden. Doch wird das Problem damit nur verlagert.

Garmisch-Partenkirchen – Der Krach ist ohrenbetäubend. Nicht nur der, den der Brecher verursacht, der an zehn Tagen pro Jahr von früh bis spät große Betonteile in Krümel zermahlt. Dazu kommen der Lärm von Baggern und Lkw, die die Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 Stundenkilometern ignorieren. Störend auch eine nebelartige Staubentwicklung, die häufig die Sicht nimmt. Sie haben alles dokumentiert. Auf Fotos, per Video und auch das Getöse aufgezeichnet, das ihnen das Leben fast zur Hölle macht. Burgrainer Bürger, die in Sichtweite des Gewerbegebiet Loisachauen wohnen und die seit 15 Jahren für mehr Ruhe kämpfen. „Ich will wieder mal auf meiner Terrasse sitzen und ungestört mit meiner Frau Kaffee trinken“, sagt Helmut Sing. Er vermietete bis vor einigen Jahren auch eine Ferienwohnung. Das hat er mittlerweile sein lassen, weil die Urlauber unzufrieden waren. Der dauernde Lärm hatte ihnen die Ferien vergällt. Die Tochter von Christa und Dieter Hienzsch, die ihr Schlafzimmer in Richtung Loisachauen hatte, ist innerhalb des Hauses umgezogen. „Sie konnte es nicht mehr aushalten“, sagt Dieter Hienzsch, der so etwas wie der Sprecher der Interessengemeinschaft Burgrain gegen den Lärm aus dem Gewerbegebiet Loisachauen ist.

Ungefähr zehn Frauen und Männer sitzen im Wohnzimmer von Hienzschs Haus an der Grubenkopfstraße. Nach Angaben des Landratsamts Luftlinie 185 Meter vom derzeitigen Standort des Brechers entfernt. Das Obdachlosenheim steht ganz nah zur Lärmquelle, praktisch im Auge des Getöses. „Wir wundern uns, wie so etwas überhaupt genehmigt werden kann“, lautet der gemeinsame Tenor. Das Landratsamt verweist auf den Immissionsrichtwert von 70 Dezibel A, der bei Messungen 2004 nicht überschritten wurde. Die Bewohner des Asyls seien keiner Gesundheitsgefährdung ausgesetzt.

„Wir haben das Vertrauen in die Politik verloren“

Die Burgrainer erzählen von ihrem Kampf für mehr Lebensqualität, der nach ihrem Empfinden häufig einer gegen Windmühlenflügel war. „Wir haben in der Gemeinde und im Landratsamt vorgesprochen, haben Bürgersprechstunden besucht“, erklärt Hienzsch. Nichts hat gefruchtet. „Es hat nur Zeit, Energie und Geld gekostet.“ Die Folge. „Wir haben das Vertrauen in die Politik verloren“, sagt er. Jetzt wollen sie juristische Schritte einleiten. Johannes Mohr, von der Kanzlei Labbé & Partner in München, in der Gemeinde kein Unbekannter, weil er zum Beispiel dafür gesorgt hat, dass der Bebauungsplan 112 für das Bahnhofsareal westlich der Lagerhausstraße und am Wannerweg im Eilverfahren außer Vollzug gesetzt wurde, haben sie beauftragt, ihre Interessen zu wahren.

Die Welt verstanden Hienzsch und einige Mitstreiter nicht mehr, nachdem sie als Zuhörer am 12. November eine Sitzung des Bauausschusses verfolgt hatten. Dieser legte einstimmig fest, dass der Brecher, den die Firma Neuner betreibt, von seinem derzeitigen Standort auf das Anwesen Loisachauen 27 wechselt, das sich in Besitz von Wertstoff Bader befindet. Das Entsorgungsunternehmen hat auch den Antrag gestellt. Am 18. Juni hatten die Gemeinderäte dieses Ansinnen noch mit 10:0 abgelehnt. „Dieser Sinneswandel ist für uns nicht nachzuvollziehen“, sagt Hienzsch.

Lärmschutz wird gefordert

Die Kommunalpolitiker haben ihre Entscheidung indes auf der Basis neuer Fakten getroffen. Ein Gutachten der Firma Müller BBM besagt, dass die Lärmimmissionen deutlich unter den zulässigen Grenzwerten liegen. Zudem, so der Beschluss des Bauausschusses, müsse der bisherige Standort des Brechers aufgegeben werden. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Geräuschpegel für die Anlieger der Grubenkopfstraße verringert – doch nicht in dem Maße wie gewünscht. „Was wir brauchen, ist ein Lärmschutz“, meint Hienzsch.

Für den plädiert auch Jürgen Kautz. Er wohnt an der Schloßangerstraße, genau gegenüber des neuen Standorts der Schredderanlage. „Das Problem wird nur verlagert“, sagt der Mann, der der Gemeinde lange Jahre als Kämmerer diente. Er befürchtet, dass nun der Teil Burgrains, in dem er lebt, mit Krach und Schmutz zurechtkommen muss. Das Gutachten, „eine Prognose“ wie Landratsamts-Sprecher Stephan Scharf erklärt, kommt zu einem anderen Schluss. „Die Grenzwerte werden unterschritten.“ Das Empfinden der Menschen ist ein anderes.

Das Gewerbegebiet Loisachauen sieht Robert Klinger „am Limit“. Der Chef von Wertstoff Bader kann verstehen, dass die „Bürger im südlichen Burgrain kritisch sind“. Er versucht, Beruhigungspillen zu verabreichen. Es sei ein Gerücht, dass der Brecher in Zukunft stationär auf seinem Gelände stehe. Bei dem Gerät handele sich weiter um eines, das temporär betrieben werde. „Ich bin an einer vernünftigen Nachbarschaft interessiert.“ Auch er hält eine Lärmschutzwand für die Lösung aller Probleme und für ein Instrument, die besorgten Bürger zu befrieden. Dies scheint mittlerweile auch für Rathaus-Verwaltung und Politik ein Weg zu sein, um Ruhe einkehren zu lassen. Eine „Schallschutzwand Loisachauen Nord“ steht auf der Tagesordnung des Bauausschusses, der am Montag, 10. Dezember, um 18 Uhr tagt.

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