Ein Hubschrauber am Klinikum Garmisch-Partenkirchen.
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Gleich mehrmals im Einsatz ist der Rettungshubschrauber, wie hier am Klinikum Garmisch-Partenkirchen.

Einsatz bei Nacht zu riskant

Dauereinsatz am Wochenende: Bergwacht bricht Rettung ab - Wanderer müssen in Zelt übernachten

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Die Bergwacht Garmisch-Partenkirchen war am vergangenen Wochenende im Dauereinsatz. Da früh die Dunkelheit hereinbrach, mussten viele Wanderer gerettet werden.

Garmisch-Partenkirchen - Und plötzlich bricht die Dämmerung herein. Zwei junge Bergsteiger kommen weder vor noch zurück. Sie befinden sich im steilen abschüssigen Gelände. Sind beim Abstieg von der Partenkirchner Dreitorspitze von der Route abgekommen. Dem Duo bleibt nichts anderes mehr übrig, als die Bergwacht Garmisch-Partenkirchen zu rufen.

Garmisch-Partenkirchen: Dämmerung bricht plötzlich herein - Bergsteiger kommen vom Weg ab

Die Bergretter sind an diesem späten Sonntagnachmittag gerade erst von einem ähnlichen Einsatz zurückgekehrt. Zwei verstiegene Bergsteiger holten sie im Bereich der Alpspitze ins Tal. Nun müssen sie wieder ausrücken. Die Zeit drängt. Es wird dunkler.

Wegen des steilen Geländes können die beiden Verstiegenen unterhalb der Dreitorspitze kein Biwak errichten. Deshalb ist eine Nachalarmierung mehrerer Einsatzkräfte erforderlich, denn der Einsatz scheint kompliziert zu werden. Parallel fordern die Retter den Hubschrauber an. Sechs Alpinisten bilden die Einsatzmannschaft. Der Plan: Der Hubschrauber RK2 aus Reutte in Tirol befördert sie in die Nähe des Einsatzgebietes. Von dort aus steigen sie direkt über die Kufen des Helikopters aus.

Unterhalt der Dreitorspitze: Bergsteiger müssen Nacht im Biwak verbringen

Doch sichten zuerst zwei erfahrene Einsatzkräfte das Gelände, suchen die beiden Bergsteiger, beurteilen die Lage in der Dunkelheit. Diese können das Duo im Bereich der Südwand der Dreitorspitze ausmachen.

Mehrmals telefonieren die Retter mit den Verstiegenen. Diese begeben sich derweil in ein Gelände, wo sie ihr Biwak unbeschadet aufbauen und sichern können. „Sie hatten genug Kleidung dabei, um die Nacht im Biwak unbeschadet zu überstehen“, sagt Anton Gehringer von der Bergwacht Garmisch-Partenkirchen.

Garmisch-Partenkirchen: Bergwacht unterbricht Rettung - zu riskant

Diese unterbricht die Rettung. In der Nacht von oben über das steile Schrofengelände anzufliegen, wäre aufgrund der massiven Steinschlaggefahr für Mannschaft und Bergsteiger zu riskant. Gegen 6.30 Uhr am Montagmorgen fliegt der RK2 bei Anbruch des Morgengrauens wieder zur Südwand hinauf. Mit einer Winde befreien die Einsatzkräfte die beiden aus ihrer misslichen Lage und fliegen sie wohlauf ins Tal.

Schlaganfall: Wanderer muss geborgen werden - und wird in Klinik gebracht

Doch war es nicht der einzige Einsatz am Sonntag. Gegen 14.30 Uhr musste ein Wanderer im Bereich eines Weges in der Nähe der Maximilianshöhe geborgen werden. Er hatte einen akuten Schlaganfall. Nach der Primärversorgung ist der Patient mit einem Rettungsfahrzeug in das Klinikum Garmisch-Partenkirchen gebracht worden.

Nur 30 Minuten später holten die Bergretter die anderen beiden verstiegenen Bergsteiger im Bereich der Alpspitze. Da die Dunkelheit drängte, forderten sie sofort ein Hubschrauber an. In Zusammenarbeit mit der ARA-Flugrettung-Station Reutte RK2 erfolgte die Rettung aus dem „heiklen Gelände“, wie Gehringer den hochalpinen Einsatzort beschreibt.

Verstiegene Bergsteiger an Alpspitze - Hubschrauber im Einsatz

Die beiden Männer stiegen zuvor am Oberkar fälschlicherweise in Richtung einer Seilstütze der Sprengbahn ab. Dadurch gerieten sie in anspruchsvolles, teils winterliches Felsgelände, konnten nicht mehr vor und zurück. Ein Bergretter sicherte den ersten der beiden und brachte ihn in Sicherheit. Den anderen barg ein Flugretter der Hubschrauber-Besatzung aus der Wand. Beide sind zum Helikopter hinaufgezogen und sicher ins Tal gebracht worden.

Im Anschluss holten die Einsatzkräfte mit einem Mannschaftsfahrzeug die Ehefrau und die zwei Kleinkinder eines Verstiegenen am Kreuzeck ab. Aufgrund der Dunkelheit haben sich die Drei den Abstieg nicht mehr zugetraut.

Nur knapp einem Steinschlag - offenbar ausgelöst von Mountainbikern - entkamen Bergsteiger bei einer Tour auf der Schöttelkarspitze. Der Schock sitzt tief.

(Von Josef Hornsteiner)

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