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Die Gemeinde macht ernst und will einen rebellischen Grundbesitzer an der berühmten Kandahar-Abfahrt für die Ski-WM 2011 quasi zwangsenteignen.

Garmisch-Partenkirchen beantragt Enteignung für Kandahar-Grundstück

Garmisch-Partenkirchen - Die Gemeinde macht ernst und will einen rebellischen Grundbesitzer an der berühmten Kandahar-Abfahrt für die Ski-WM 2011 quasi zwangsenteignen. Garmisch- Partenkirchen sind dafür (fast) alle Mittel recht.

Nun werden in Garmisch-Partenkirchen juristische Geschütze aufgefahren. Die Marktgemeinde hat beim zuständigen Landratsamt einen Antrag auf „vorzeitige Besitzeinweisung“ für ein Grundstück auf der berühmten Kandahar-Abfahrt gestellt. Das ist ein beschleunigendes Sonderverfahren zur Enteignung.

Seit Monaten schwelt der Streit zwischen Verwaltung und dem Eigentümer. Dieser möchte seine rund 4000 Quadratmeter große Fläche im Zielbereich der Rennstrecke, auf der im kommenden Februar die Alpinen Ski-Weltmeisterschaften ausgetragen werden sollen, nicht zur Verfügung stellen. Das will er im Übrigen auch nicht für Olympia 2018 tun. Bei den Weltcup-Rennen in den vergangenen Jahren war das Areal immer Bestandteil der Piste. Inzwischen hat der Mann ein absolutes Betretungsverbot ausgesprochen. „Nachdem sich eine gütliche Einigung trotz monatelanger Verhandlungen bislang nicht erreichen ließ, war die Kommune zu diesem Schritt gezwungen“, heißt es in einer Mitteilung der Gemeinde. Der Eigentümer hätte für die Gestattung unter anderem eine rechtswidrige Baugenehmigung, kostenlose Überlassung von Gemeindegrund sowie eine Befreiung von der Anschlusspflicht an den Kanal gefordert.

„Wir wollen niemandem seinen Grund und Boden wegnehmen“, betont Bürgermeister Thomas Schmid. „Es geht lediglich um eine geduldete Nutzung, eine Grunddienstbarkeit für den Skisport, die sich der Markt sichern muss.“ Die Gemeinde sei aber weiterhin bestrebt, eine gütliche Einigung herbeizuführen.

Ludwig Seitz, Rechtsanwalt des Eigentümers aus der renommierten Münchner Kanzlei Labbé & Partner, reagierte überrascht auf das Vorgehen der Gemeinde. „Das ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Es gebe einen überarbeiteten Vertragsentwurf und aussichtsreiche Verhandlungen. „Wir waren uns eigentlich einig, dass wir die Angelegenheit vor Weihnachten beenden wollten.“ Die Vorwürfe der Gemeinde gegenüber seinem Mandanten wieß er zurück. Trotz des Enteignungsantrags sei er weiterhin zu Gesprächen bereit.

xls

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