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Eine Bergung der Leiche war nur zu Fuß möglich. Von dieser Stelle aus seilen sich die Retter zum verunglückten Bergsteiger ab.

Komplizierte Bergungsmaßnahmen

Tragisches Unglück: Mann bei Wanderung auf Zugspitze abgestürzt -  „Verkettung unglücklicher Umstände“

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An der Zugspitze in Garmisch-Partenkirchen ist ein Bergsteiger am Dienstag in den Tod gestürzt. Erst am Mittwoch konnte seine Leiche geborgen werden.

Update 19.45 Uhr: Von einem Einsatz „in der oberen Liga“ spricht Hanni Zollner von der Bergwacht Garmisch-Partenkirchen. Weil das Unglück so tragisch, die Umstände so schwierig waren. Ein Einsatz, der sich über zwei Tage hinzog und bei dem die Retter nur noch eine Leiche bergen konnten.

Komplizierte Bergung nach tödlichem Bergunfall auf der Zugspitze

Konnte der Notarzt noch mit dem Helikopter zur Unfallstelle geflogen, der Schwager ebenfalls mit dem Helikopter ins Tal gebracht werden, verschlechterte sich das Wetter rasch. Ein Hubschrauberflug – unmöglich.

Lesen Sie auch: Nachdem sein Gleitschirm-Partner ihn an der Zugspitze bei Garmisch-Partenkirchen aus den Augen verloren hatte, fehlte von einem 48-Jährigen jede Spur. Nun gibt es traurige Gewissheit.

Die Sicht verschlechterte sich, die Gewitterneigung stieg. Lange dachten die Einsatzkräfte am Dienstag, sie könnten den Toten doch noch bergen. Doch schließlich gaben sie auf, kamen am Mittwochmorgen zurück. Stunden dauerte der Einsatz. Erst gegen 16 Uhr endete er. Wieder konnte die Retter aufgrund des Nebels kein Hubschrauber unterstützen. Sieben Einsatzkräfte der Bergwacht sowie zwei Männer der Alpinen Einsatzgruppe der Polizei seilten den Leichnam aufwändig etwa 500 Meter Richtung Zugspitzplatt ab. Mit der Zahnradbahn wurde er schließlich – abgeschirmt von Touristen – ins Tal gebracht.

Mann stürzt auf Zugspitze in den Tod: „Verkettung unglücklicher Umstände“

Die beiden Männer, das betont Zollner von der Bergwacht ausdrücklich, waren gut ausgerüstet. „Es war einfach ein tragischer Bergunfall, eine Verkettung unglücklicher Umstände.“ Damit tritt der Garmisch-Partenkirchner auch Reaktionen in den sozialen Medien entgegen, die ihn fassungslos machen. Kommentare wie „selbst Schuld“. „Hier ist ein Mensch gestorben.“ Grotesk, dass Zollner das extra betont. Es zeigt, mit welchen Entwicklungen sich Retter wie er auseinandersetzen, wie sensibel sie auf sozialen Medien regieren. 

Bewusst haben sich Bergwacht und Polizei dagegen entschieden, das Unglück bereits am Dienstag zu melden. Nicht nur, weil der Einsatz noch nicht abgeschlossen war. Sondern auch und vor allem, weil sie einen „Katastrophentourismus am Berg“ unbedingt vermeiden wollten. Ob er eingesetzt hätte – Zollner weiß es nicht. In Zeiten von Plattformen wie Instagram, Facebook und Co. aber gut möglich, meint er. „Womöglich werden dann sofort Bilder und vor allem irgendwelche falschen Meldungen verbreitet.“ Dieses Risiko war ihm und seinen Kameraden zu groß.

Beim Bergsteigen in Bayern verunglückte zudem ein Mann aus Osnabrück tödlich, wie nordbuzz.de* berichtet.

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Mann bei Wanderung auf der Zugspitze abgestürzt - Schwager muss tödliches Unglück mitansehen

Update 15.10 Uhr: Erst etwa zehn Minuten waren die zwei Männer unterwegs. Vom Münchner Haus auf der Zugspitze brachen sie am Dienstagvormittag gegen 11 Uhr auf, gingen auf dem Steig in Richtung Zugspitzplatt. Da verlor einer der Männer, ein 50-jähriger Niederländer, offenbar den Halt, auf einem Altschneefeld rutschte er aus – und stürzte etwa 150 Höhenmeter in die Tiefe. Sein Schwager musste das Unglück mitansehen. 

Er alarmierte noch die Bergwacht. Sie aber konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen. Der Polizei Garmisch-Partenkirchen zufolge zog er sich bei seinem Sturz tödliche Kopfverletzungen zu. Dabei waren beide Männer offenbar ausreichend ausgerüstet.

Mann stürzt an der Zugspitze in den Tod: Komplizierter Einsatz der Bergwacht

Die Bergung der Leiche gestaltete sich kompliziert. Denn das Gelände ist unwegsam, die Wetterlage war ungünstig. Anstatt mit einem Hubschrauber musste der Leichnam am Mittwoch durch Einsatzkräfte der Bergwacht Garmisch-Partenkirchen sowie der Alpinen Einsatzgruppe der Polizei aufwendig Richtung Zugspitzplatt abgeseilt und schließlich geborgen werden. Von der Gletscherbahn aus dürften zahlreiche Touristen den Einsatz, der bereits am Morgen begann, beobachtet haben. Der Betrieb lief regulär weiter. Dafür haben sich die Verantwortlichen des Unternehmens ganz bewusst entschieden. 

Gerade bei den aktuellen Verhältnissen gestaltet sich das Stück zwischen dem Gletscherrestaurant Sonnalpin und Gipfel als überaus anspruchsvoll. Viele Bergsteiger nutzen daher für die gut 400 Höhenmeter die Bahn. „Wir stehen hier in der Verantwortung“, sagt Verena Lothes, Sprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn. Zum Unfall selbst sowie zur Bergung kann sich Lothes nicht äußern. Das Bergbahn-Unternehmen unterstütze die Bergwacht hier lediglich mit ihrer Infrastruktur, wird aber über die genauen Vorgänge nicht informiert. Von der Bergwacht ist am Mittwochnachmittag noch niemand zu erreichen. Sie sind nach wie vor im Einsatz.

In Niedersachsen machte indes ein Mann aus Großenwörden bei Hamburg der Polizei ein gruseliges Geständnis zur Leiche seiner Frau, wie nordbuzz.de berichtet.

Zugspitze: Bergsteiger stürzt in den Tod - Erstmeldung vom 3. Juli, 13 Uhr

Garmisch-Partenkirchen - Am Dienstagvormittag hat sich an der Zugspitze in Garmisch-Partenkirchen ein schrecklicher Unfall ereignet. Ein Bergsteiger stürzte in den Tod. Laut Polizei handelt es sich bei dem Opfer um einen 50-jährigen Mann  aus den Niederlanden, der gemeinsam mit seinem Schwager unterwegs gewesen war. Bei dem Vorfall am Dienstag sei er auf einem Altschneefeld ausgerutscht und 150 Höhenmeter in die Tiefe gestürzt. Er erlitt tödliche Kopfverletzungen.

Er blieb direkt unterhalb der bei Touristen beliebten Gletscherbahn liegen. Die Bergung gestaltete sich schwierig, da der Bergungshubschrauber zunächst nicht anfliegen konnte. Währenddessen lief der Bahnbetrieb regulär weiter.

Am Mittwochmorgen starteten Bergrettung und Polizei eine großangelegte Bergungsaktion, die von den Gondeln aus einsehbar war.

kah

Glimpflich ging hingegen das U nglück eines Vaters und seines 12-jährigen Sohnes im Juni im Höllental aus. Die beiden wollten auf die Zugspitze. Dann kam ein Schneefeld. Die beiden sind an ihrem Unglück nicht ganz unschuldig.

Tragisches Unglück im Karwendelgebirge: Ein 68-jähriger Bergsteiger aus Deutschland ist am Mittenwalder Höhenweg tödlich verunglückt. Ein Profi-Kletterer ist am vorderen Gansfelsen in der Sächsischen Schweiz etwa zwölf Meter in die Tiefe gestürzt. Die Polizei geht von einem tragischen Unfall aus.

Ein Kletterer stürzt in den Ammergauer Alpen über 100 Meter tief in den Tod. Der Grund für seinen Absturz am Tegelberg ist besonders tragisch. Ein Mann stürzte am Grünstein 150 Meter in die Tiefe - für ihn kam jede Hilfe zu spät. Da er keinen Ausweis bei sich trug, konnte er noch nicht identifiziert werden.

*nordbuzz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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