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Nach der Gasexplosion ist ein Großaufgebot an Rettungskräften in dem Hotel im Einsatz.

Vor 30 Jahren geschah eins der schlimmsten Unglücke im Landkreis

Gasexplosion am Riessersee Hotel: Eine Tafel zum Gedenken der Opfer

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Garmisch-Partenkirchen - 11 Tote, 14 Verletzte – die Gasexplosion im Riessersee Hotel ist eines der schlimmsten Unglücke, das den Landkreis je erschüttert hat. Die Katastrophe vor 30 Jahren traf Urlauber, Mitarbeiter und viele Einheimische. Zum Gedenken an die Opfer wird nun eine Tafel angebracht.

Ein Bild der Verwüstung bietet sich im Hallenbad des Hotels.

Ein dumpfer Knall. Einer, der an eine Lawinensprengung erinnert. Harmlos, meint man. Zunächst. Doch der Schein trügt an diesem 27. Dezember 1986. Martinshörner aus allen Richtungen zeugen schnell von der Katastrophe. Einer der größten, die Garmisch-Partenkirchen und die ganze Region bisher erschüttert hat. Eine Riesendetonation lässt das gut belegte 320-Betten-Hotel Riessersee erbeben. Sieben Menschen werden auf der Stelle getötet, vier so schwer verletzt, dass sie binnen weniger Tage im Krankenhaus sterben. 14 Gäste oder Angestellte des Hauses erleiden Verletzungen. Geschätzter Sachschaden: zehn Millionen Mark.

Der beißende Geruch am Tag nach Weihnachten entstammte einem Überdruckventil an einem unterirdischen 60-Kubikmeter-Flüssiggas-Tank. Das Gemisch, das schwerer als Luft ist, gelangte über den Boden zu den Fensterschächten des Hotels und sickerte ins Untergeschoss. Dort lagen Fitnessräume und Squash-Anlagen, darunter der Heizungskeller. Als kurz vor 16 Uhr der Gasgeruch bemerkt wurde, war es schon zu spät. Wenige Minuten darauf folgte die verheerende Explosion.

Flammen, die gespenstisch zwischen den Bäumen loderten, konnten die Garmisch-Partenkirchner noch Tage danach vom Tal aus sehen. Oben am Rießersee waren Feuerwehrmänner damit beschäftigt, ausströmendes Gas abzufackeln. Das Unglück lähmte die Region. Ein Mitarbeiter des Hotels sagte kurz darauf: „Wer das erlebt hat, ist für sein Leben geprägt.“ Das gilt auch für die, die einen Angehörigen oder lieben Menschen verloren haben.

An die Opfer der Katastrophe soll nun eine Tafel erinnern. „Das ist uns ein Bedürfnis“, sagt Dörte Mäder, Geschäftsführerin des Riessersee Hotels. Dabei denkt sie auch an das unendliche Leid, das den betroffenen Familien durch die fürchterliche Gasexplosion widerfahren ist. Ein Gedenkgottesdienst, der am zweiten Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember, um 15 Uhr im Innenhof des Vier-Sterne-Hauses stattfindet, halten sie und ihre Mitarbeiter für den passenden Rahmen dafür. Was Mäder besonders freut, ist das Mitwirken von Garmischs Pfarrer Josef Konitzer. „Er hat sofort zugesagt, darüber bin ich sehr glücklich.“ Und er spendet der Messingtafel nicht nur den Segen, sondern er sorgt mit seiner Gitarre auch für die musikalische Umrahmung der Gedenkfeier. Eine Mitarbeiterin des Hotels, Iris Adams, wird außerdem „Amazing Grace“, eines der beliebtesten Kirchenlieder der Welt, singen. Und Kerzen, die an jedes Opfer erinnern sollen, werden eine Rolle spielen.

Mäder, die seit knapp einem Jahr am Riessersee wirkt, hat sich sehr genau überlegt, wie sie diesen Tag gestalten will. Nicht das Hotel steht dabei im Mittelpunkt, sondern all jene, die ihr Leben bei der Katastrophe vor 30 Jahren verloren haben. „Es ist eine Geste, ein Zeichen.“ Sie selber weiß nur aus Erzählungen, was damals passiert ist. Und hat schnell gemerkt, wie sehr es noch nachwirkt. Deshalb „habe ich mich auch bei Ortsansässigen umgehört, wie die das sehen“, sagt Mäder. Zudem informierte sie die Gesellschafter der Riessersee-Hotelbetriebsgesellschaft mbH über ihr Vorhaben. Und erntete sehr viel Zuspruch. Der Tenor: „Es ist ungemein wichtig, dass etwas passiert.“ Somit zeugt künftig eine schlichte Messingtafel am Außenbereich des Schwimmbads von einer Katastrophe, die Garmisch-Partenkirchen und die gesamte Region tief getroffen hat.

Die Gedenkfeier

beginnt am Montag, 26. Dezember, um 15 Uhr im Innenhof des Riessersee Hotels.

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