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„Rassen“-Wirt macht seinen Standpunkt klar

Absage an das AfD-Lokal

Garmisch-Partenkirchen - An dem Ort, an dem AfD-Politiker ihre Parolen loslassen, fühlen sich viele Lehrer des St.-Irmengard-Gymnasiums nicht wohl. Deshalb wurde die Weihnachtsfeier der Schule im Gasthof zum Rassen abgesagt. Eine Entscheidung, die Wirt Hubert Ecker bedauert, die aber nichts an seiner Einstellung ändert.

 „Ich lehne ab, was Sie sagen, aber ich werde bis auf den Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen.“ Der französische Philosoph Voltaire beschreibt so treffend wie kaum ein anderer, die Bedeutung der Meinungsfreiheit. Ein essenzieller Baustein ist sie für eine demokratische Gesellschaft, Bestandteil der Menschenrechte und des Deutschen Grundgesetzes. Niemand stellt sie hierzulande in Frage. Ein Konflikt aber ist darüber in Garmisch-Partenkirchen entbrannt. Der Auslöser: zwei Veranstaltungen der Alternative für Deutschland (AfD) im Gasthof zum Rassen.

Hubert Ecker lässt in seinem Wirtshaus im Ortskern von Partenkirchen zunächst die Bundesvorsitzende Frauke Petry und wenige Monate später die EU-Parlamentarierin der AfD, Beatrix von Storch, öffentlich sprechen. Seither steht er im Mittelpunkt einer Diskussion: Ist es ethisch vertretbar, einer Partei, die sich politisch deutlich am rechten Rand befindet, eine Bühne zu bieten?

„Ganz klar: Ja“, sagt Ecker. „Jeder soll seine Meinung in Deutschland frei äußern können.“ Solange sich diese im Rahmen der Verfassung bewege. Bei der AfD sei das der Fall. „Sie ist eine legitimierte, anerkannte Partei.“ Da widerspricht ihm Otmar Würl nicht. Dennoch hat der Leiter des St.-Irmengard-Gymnasiums in Garmisch-Partenkirchen die Weihnachtsfeier seiner Schule im Rassenkurzfristig abgesagt.

Wirt versteht die Aufregung nicht

Eine große Anzahl der Lehrer wollte die Gaststätte aufgrund der AfD-Veranstaltungen nicht mehr besuchen. Würl musste reagieren. „Ich hatte Angst, dass unsere komplette Feier platzt, wenn wir sie nicht verlegen.“ Wichtig ist dem Oberstudiendirektor, dass es sich dabei nicht um einen Denkzettel oder eine gezielte Aktion gegen Wirt Ecker handelt. Es gehe ihm vielmehr um die grundsätzliche Stimmungslage in seinem Kollegium. „Wir hätten uns dort, wo die AfD-Politiker ihre Parolen loslassen, einfach nicht wohl gefühlt“, betont er. „Als christliche Schule widerstreben uns einige ihrer Aussagen zutiefst.“

Mit einem großen Auftrag weniger steht nun Gastronom Ecker da. Der versteht die ganze Aufregung um das Thema nicht. „Ich mache doch im Endeffekt nix anderes, als die ARD oder das ZDF.“ Nur beschwere sich da niemand, wenn Petry und Co. ihre Standpunkte vertreten.

Dass er die umstrittene Partei in seinem Wirtshaus empfängt, hat nichts mit seiner persönlichen politischen Gesinnung zu tun. Ecker ist überzeugter CSU-Wähler. Als „bayerisch-liberal“ bezeichnet er sich. Das hat er den AfD-Vertretern auch genau so gesagt. Gefallen hat ihm, dass diese ihn nicht bekehren wollten. Keine Selbstverständlichkeit. „Das habe ich auch schon anders erlebt.“

AfD-Chefin Petry in Garmisch-Partenkirchen: Bilder von der Demo (I)

Grundsätzlich stehen die Türen beim Gasthof zum Rassen allen Parteien offen. Mit einer Ausnahme: NPD-Politiker würde Ecker nicht ans Mikrofon treten lassen. Das ginge ihm zu weit. Ansonsten bleibt er seiner Linie treu. „Vernünftige Leute mit interessanten Ansätzen gibt es überall“, sagt er. Sahra Wagenknecht (Die Linke) beispielsweise. Ecker würde sich freuen, sie einmal im Rassen zu begrüßen. „Auch wenn ich wirklich kein Linker bin“, schiebt er mit einem Lachen hinterher.

Die gute Laune vergeht ihm, wenn er hört, was sich derzeit in den sozialen Netzwerken abspielt. Vom „Gasthof zum Rassenhass“ ist dort unter anderem die Rede. Da schüttelt Ecker nur ungläubig den Kopf. Der Name seines Wirtshauses hat mit dem Wort „Rasse“ überhaupt nichts zu tun. Vielmehr ist der Heilige Rasso, ein bayerischer Graf aus dem Mittelalter, der Patron seiner Stube.

Den Anfeindungen beugt sich Ecker nicht. Die nächsten AfD-Termine sind bereits geplant. Den Dialog sucht er aber mit Schulleiter Würl. Im Februar bei einer großen Lehrerkonferenz in St. Irmengard wird er sich und seine Vorgehensweise erklären. Im Allgemeinen hofft er, dass sich die Situation rund um sein Lokal bald entspannt. Er hält es mit einem alten Sprichwort. „Da wird vieles heißer gegessen, als es gekocht wird.“

Simon Nutzinger

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