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Einer der wenigen Lokalpolitiker beim Festzug: Wolfgang Bauer fungierte als Stellvertreter der Bürgermeisterin. Neben ihm marschieren der Gauvorsitzende Josef Mayr und Gaujugendwart Franz Mangold.

Sturm der Entrüstung

Gaujugendtag: Gemeinderäte weisen Vorwürfe zurück

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Beim Gaujugendtag im Ortsteil Partenkirchen haben sich Gemeinderäte rar gemacht. Das kritisierten Gaujugendwart Christian Ruf und auch Elisabeth Koch (CSU). Zur Empörung der Kommunalpolitiker.

Robert Allmann findet im Gemeinderat deutliche Worte.

Garmisch-PartenkirchenSo leicht bringt Robert Allmann nichts aus der Ruhe. Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat ist ein besonnener, ein ausgeglichener Mensch. Platzt ihm aber mal die Hutschnur, dann findet er deutliche Worte. Wie jetzt, als es um das Interesse der Kommunalpolitiker am Gaujugendtag ging. Darüber hatte sich Christian Ruf, Vorsitzender des Volkstrachtenvereins Garmisch und Zweiter Gaujugendwart in der Oberländer Trachtenvereinigung, massiv im sozialen Netzwerk Facebook echauffiert.

Dadurch entfacht er „Zwietracht und Unfrieden in der Öffentlichkeit, bei seinen Vereinsmitgliedern, den Trachtenvereinen und im Gemeinderat“, empörte sich Allmann. Was ihn außerdem auf die Palme bringt: Dass Elisabeth Koch, Fraktionschefin der CSU, ebenfalls auf diesen Zug aufspringt und sich anmaßt, „über das ,Kollegialorgan Gemeinderat‘ und dessen Auftreten als Gesamtheit in der Öffentlichkeit“ zu werten. Das wollte der SPD-Vertreter so nicht stehen lassen und nutzte die jüngste Sitzung, um seinen Unmut kundzutun. „Ob diese Aktion der eigenen Eitelkeit dienen sollte oder ein Wahlkampfscharmützel der CSU-Fraktionschefin ist, kann ich nicht beurteilen, sondern lediglich vermuten. Wahrscheinlich beides.“ Dabei müsse Koch aber akzeptieren, dass auch die Bürgervertreter „ein Privatleben haben und nicht durch solche Aktionen genötigt werden sollten, sich in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen oder mit den pauschalen Beschuldigungen zu leben“.

CSU-Fraktionsvorsitzende Koch in der Kritik

An ihrer Meinung, dass es den Gemeinderäten gut angestanden hätte, sich beim Festzug mit über 2000 Nachwuchs-Trachtlern sehen zu lassen, hält Koch fest. „Es gibt ein schlechtes Bild ab, wenn wahrnehmbar nur zwei aus unseren Reihen anwesend sind.“ Darauf sei sie auch angesprochen worden. Zu Recht, wie sie findet. „In meinen Augen ist es richtig traurig, dass nur so wenige in Partenkirchen dabei waren.“

Ihre Kritik kam allerdings bei ihren Gemeinderats-Kollegen nicht sehr gut an. „Mich hat richtig geärgert, dass Frau Koch für uns alle Stellung bezogen hat“, unterstrich Alfred Heinle (SPD). Pauschalurteile lehnt er rundweg ab. Zudem sei jeder eine Persönlichkeit mit eigenen Verpflichtungen. Dem konnte sich seine Fraktionskollegin Mechtild Morhart nur anschließen: „Ich lasse mir nicht vorschreiben, was wichtig ist und was nicht.“ In dem Zusammenhang verwies sie auf den Festakt zum 45-jährigen Bestehen der Musikschule Garmisch-Partenkirchen, an dem nur sie und zwei andere Gemeinderäte teilgenommen hatten. „Auch da engagieren sich viele Kinder und Jugendliche.“

Keine Anwesenheitspflicht für Kommunalpolitiker

Einer, der den Gaujugendtag besucht hat, war Andreas Grasegger (Bayernpartei). Als aktives Mitglied der Musikkapelle Partenkirchen für ihn eine Selbstverständlichkeit. Eine Anwesenheitspflicht für Kommunalpolitiker sieht er derweil nicht. „Das sollte doch jedem freigestellt sein“, meinte er. „Eine Abwertung für unsere Jugend sehe ich nicht, wenn nicht so viele Gemeinderäte teilnehmen.“ Auch ihm sei bewusst, dass die Kommunalpolitiker jede Menge Termine hätten.

Das Recht, über sein Privatleben zu urteilen, sprach Florian Hilleprandt (CSB) Ruf und insbesondere auch Koch ab. „Keiner von uns muss sich rechtfertigen, wenn er nicht mitgehen kann.“ Zumal auch keine explizite Einladung vorgelegen habe. Zudem „habe ich umgekehrt noch nie gehört, wie toll es ist, wenn viele Gemeinderäte da sind.“

Allein die Diskussion zeigte Allmann, dass hier „eine rundum gelungene Veranstaltung“ schlecht geredet wurde. Die Anwesenheit der Gemeinderäte mit dem Stellenwert der Gaujugend in Relation zu bringen „finde ich völlig absurd, abenteuerlich und nicht angemessen“.

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