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Stellen ihre Einrichtung KoKi vor: (v.l.) Sabine Vogt, Anca Blanga und Bettina Oischinger.

Präventive Hilfe steht im Vordergrund

Doppelter Geburtstag: KoKi in Garmisch-Partenkirchen feiert Zehnjähriges - Fünf Jahre Familienpaten

Schwangerschaft, Neugeborene, Babys und Kinder bis zu drei Jahren: Zu diesen Themen gibt es viele Fragen. Die Koordinierungsstelle Frühe Kindheit (KoKi) in Garmisch-Partenkirchen berät. Die präventive Hilfe steht im Zentrum.

Garmisch-Partenkirchen – Doppelter Grund zur Freude am Landratsamt Garmisch-Partenkirchen: Das Förderprogramm Koordinierungsstelle Frühe Kindheit (KoKi) feiert zehnjähriges Bestehen, seit fünf Jahren gibt es die Familienpaten im Landkreis. Das Jubiläum der KoKi wird mit einem großen Familienfest am 23. November im Kongresszentrum in Garmisch-Partenkirchen gefeiert. Im Interview erklären Sabine Vogt (48), Bettina Oischinger (46) und Anca Blanga (36) von KoKi – einer Stabstelle unter Leitung des Amtes für Kinder, Jugend und Familie – ihr Erfolgsrezept.

Warum wurde die Koordinierungsstelle Frühe Kindheit eingerichtet?

Oischinger: „Um eine Lücke zu schließen. Als ich vor zehn Jahren das Konzept bekommen habe, war ich sofort begeistert, weil man mit dieser Koordinierungsstelle die Chance hat, ganz früh helfen zu können. Bereits zur Geburt und präventiv, nicht erst dann, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Den präventiven Ansatz haben wir, weil wir Eskalationen vermeiden wollen.“

Wen beraten Sie?

Vogt: „Wir beraten grundsätzlich alle, die mit dem Thema Schwangerschaft und Frühe Kindheit zu tun haben. Das geht vor der Geburt los und reicht bis zum dritten Geburtstag. Neben den werdenden Eltern beraten wir das private Umfeld und auch Fachstellen wie Hebammen, Kinderärzte, Gynäkologen, Geburtsklinik oder die Schwangerenberatung.“

Mit welchen Problemen kommen die Familien zu Ihnen?

Blanga: „Die Kunden wollen sich im Vorfeld beraten lassen, weil sie nicht genau wissen, was auf sie zukommt. Eltern sind voller Glückshormone und haben oft die Vorstellung, es kommt ein Kind, das schläft dann 18 Stunden am Tag. Dann stellt sich oft heraus, dass es nicht so funktioniert, wie man es sich vorstellt. Die Eltern sollen wissen, dass es ein großes Angebot gibt und wohin sie sich mit ihren Bedürfnissen wenden können.“

Oischinger: „Es ist eine Stärke, sich Hilfe zu holen. Es ist normal, wenn nicht alles rund läuft und wenn man belastet ist.“

Wie sieht Ihr Angebot für Hilfesuchende aus?

Oischinger: „Wir sind die Anlaufstelle für alle Fragen rund um Frühe Kindheit und vermitteln zum Beispiel an ehrenamtliche Familienpaten. Intensivste Hilfen aus präventiver Sicht sind Familienhebammen und Familien-Kinder-Krankenschwestern. Diese unterstützen die Mütter und auch die Väter, die Kinderkrankenschwestern gehen zu den Familien und bringen das Alltagspraktische mit rein.“

Vogt: „Familienhebammen und Familien-Kinderkrankenschwestern helfen den Eltern im häuslichen Umfeld. Sie unterstützen beim Bindungsaufbau mit dem Kind, zum Beispiel durch Babymassage oder beim Füttern. Sie werfen den Blick auf die Eltern und das Kind. Und sie können zusätzlich zu der regulären Wochenbetthebamme bei uns angefordert werden.“

Gibt es darüber hinaus auch andere Hilfen?

Oischinger: „Ziel ist es, die Hilfen auszubauen. Wir merken, dass es wesentlich mehr Bedarf gäbe. Wir bräuchten mehr Familienhebammen und Kinderkrankenschwestern, um mehr Familien Unterstützung geben zu können. Wenn es über die Krankenkasse nicht funktioniert, gibt es die Möglichkeit, dass wir Haushaltshilfen im Einzelfall anbieten. Eine weitere Hilfe sind die Familienpflegerinnen. Aber da gibt es zu wenige im Landkreis.“

Wie können Betroffene mit Ihnen in Kontakt treten?

Vogt: „Die Eltern und Familien können zu uns herkommen oder anrufen. Anonym darf es auch sein. Wir machen auch gerne Hausbesuche. Unser Angebot ist niederschwellig, wir richten uns nach den Kunden. Auch Treffen an einem neutralen Ort sind möglich, etwa beim Elterncafé. Wir vermitteln an die passenden Fachstellen. Wenn wir keine finden, dann knien wir uns rein und improvisieren.“

Wann ist der Zeitpunkt gekommen, aktiv zu werden und sich an Sie zu wenden?

Vogt: „Man muss an belastete Familien früher ran. Die Kunden müssen wissen, dass eine funktionierende Eltern-Kind-Bindung Schutz gibt. Das Kind hat dann die bestmöglichen Bedingungen, um gesund aufzuwachsen.“

Gab es schlimme Erlebnisse oder Fälle, die Sie in schlechter Erinnerung haben?

Vogt: „Schlimm für mich ist, wenn man die Familie nicht gewinnen kann, sich helfen zu lassen. Wenn sie die Unterstützung einfach nicht annimmt, die man ihr gerne geben würde.“

Oischinger: „Wir sind ja eine Stelle, die auf Freiwilligkeit basiert. Das ist eine Serviceleistung, die bieten wir an, sie darf aber auch abgelehnt werden. Weil wir präventiv arbeiten, haben wir auch kaum Kindeswohlgefährdungsfälle.“

Blanga: „Mit Gefährdungsfällen haben wir selten zu tun. Wir kontrollieren ja nicht. Wenn es um Kindeswohlgefährdung geht, geben wir das an andere Bereiche des Jugendamtes weiter.“

Und die angenehme Seite Ihrer Arbeit?

Blanga: „Es ist schön mitzukriegen, wenn man die Familien begleiten kann, wenn wir die Rückmeldung kriegen, dass es funktioniert hat. Die Anerkennung bekommen wir schon – ein Feedback durch die Eltern und die Fachkräfte. Die Bestätigung, dass es wichtig ist, dass es die Koki gibt.“

Das Gespräch führte Alexander Kraus.

Kontakt zur KoKi

Die Koordinierungsstelle Frühe Kindheit im Landratsamt Garmisch-Partenkirchen ist am Montag, Mittwoch und Donnerstag ganztägig sowie am Dienstag- und Freitagvormittag unter Telefon 0 88 21/75 13 89 erreichbar. E-Mail: koki@lra-gap.de.

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