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Trauen sich an den Klassiker heran: das Geierwally-Ensemble mit (v.l.) Harald und Benedikt Ehrenberg, Sofia Brennauer, Wolf-Stefan Bögl und Joachim Mark. 

20-Jährige spielt die Hauptrolle 

Die Geierwally: Klassiker kommt ins Kleine Theater

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Es ist eine Geschichte über Liebe, Hass und Eifersucht: Regisseurin Tatjana Pokorny inszeniert den Klassiker „Die Geierwally“ im Kleinen Theater – und hofft auf Sternstunden für das Team.

Garmisch-Partenkirchen – Sofia Brennauers Handy klingelte. Mitten beim Frühstück mit einer Freundin. Am Apparat: Tatjana Pokorny. Die Junior-Direktorin des Kleinen Theaters in Garmisch-Partenkirchen bot der 20-Jährigen eine Hauptrolle an. Nur um welche es geht, blieb geheim. Pokorny hatte noch nicht die Rechte für das geplante Stück. Brennauer nahm trotzdem sofort an – und recherchierte im Internet nach weiblichen Titelfiguren. Die Werdenfelserin stieß auch auf die Frau, die sie nun verkörpert. Wusste es aber nicht.

Damals hielt sie es für absurd, ausgerechnet in die Rolle des Bauernmädchens Walpurga Strominger zu schlüpfen. Eine große Nummer. Schließlich dreht es sich dabei um die Geierwally. Die Protagonistin aus dem gleichnamigen Roman von Wilhelmine von Hillern ist Kult, ihre Geschichte wurde im Film und in unzähligen Bühnen-Inszenierungen erzählt. Jetzt traut sich das Ensemble an den Klassiker und feiert am Samstag zu einem besonderen Anlass – vor 20 Jahren ist das Kleine Theater in das Gebäude am Richard-Strauss-Platz eingezogen – Premiere.

Aufführung drinnen statt draußen

Schon seit vielen Jahren schwirrte der Gedanke in Pokornys Kopf herum, das weltbekannte Stück – sie selbst hat es nie gesehen – in Garmisch-Partenkirchen aufzuführen. Anders als viele ihre Vorgänger ließ die Regisseurin die Finger von der Freilicht-Variante, verzichtete auf echte Natur samt deren Geräusche. Und das ganz bewusst. Pokorny wollte mit Tönen und Lichtern drinnen arbeiten und „den Schwerpunkt auf die Charaktere legen“. Ob beim „Urbösewicht“, Vater Strominger (Wolf-Stefan Bögl), oder dem finsteren Verwalter Vinzenz Geller (Benedikt Ehrenberg) – der Besucher soll hinter die Fassade der Darsteller blicken.

Gerade bei der Besetzung der Geierwally, die die 41-Jährige als emanzipierte Frau sieht, war ihr klar: Diese Rolle kann nicht jede übernehmen. „Es ist nicht leicht, die Idealfigur zu finden.“ Brennauer hatte sie bereits seit deren Mitwirken beim „Club der toten Dichter“ 2017 auf dem Radar. Pokorny bereut’s nicht, die junge Schauspielerin – es ist erst ihr zweites Engagement im Kleinen Theater – verpflichtet zu haben. „Sofia hat eine unglaubliche Kraft, Stärke, Sensibilität und Emotionalität“, schwärmt die Regisseurin. Perfekte Eigenschaften für die Geierwally. Hinzu kommt die passende Optik: „Sie ist ein Vollweib, eine Granate“, bescheinigt ihr Pokorny im besten Sinne.

Ausverkaufte Premiere

Brennauer selbst fühlt sich wohl, verschmilzt mit der stolzen und willensstarken Bauerstochter, die von ihrem Vater zur Eheschließung gedrängt wird, obwohl sie ihr Herz einem anderen Mann geschenkt hat. Sie brauchte deshalb keine große Vorbereitung. „Ich spiele die Rolle nicht wirklich“, betont die 20-Jährige, die im Juli die Soldatenlaufbahn bei der Bundeswehr einschlägt. „Ich bin einfach ich.“ Nervosität stellt sich trotzdem langsam ein. Sie hat ein „bisschen viel Bammel“. Obwohl das Pokorny zufolge gar nicht nötig wäre angesichts ihres Talents.

Die Regisseurin kann das Lampenfieber aber nachvollziehen, weil bei ihr ebenfalls die Aufregung steigt. Nicht etwa aus Angst, dass die Inszenierung floppt. Sie wünscht sich für das Team, dass es wahre „Sternstunden“ erleben darf. Schon allein als Belohnung für die harte Arbeit seit Februar. Die Proben bezeichnet sie als Geschenk. Jeder kniet sich rein. Jede Rolle passt wie angegossen.

Die Neugier haben die Mitwirkenden jedenfalls bereits geweckt. Die Premiere ist ausverkauft. Besonders schön findet die Junior-Direktorin aber, was sie neulich beobachtet hat. Junge Menschen fotografierten die „Geierwally“-Plakate. Das ist ganz nach ihrem Geschmack. Schließlich hat sie das Stück als Legende konzipiert, die alle Generationen anspricht. Pokornys Art, den Klassiker umzusetzen.

Weitere Informationen

Die Besetzung: Geierwally (Sofia Brennauer); Der Strominger (Wolf-Stefan Bögl); Magd Maresa (Elisabeth Hofmeister); Benedikt, genannt der Klotz von Rofen (Harald Ehrenberg / neu dabei); Josef Hager, Bärenjosef (Joachim Mark); Verwalter Vinzenz Geller (Benedikt Ehrenberg / neu dabei); Kellnerin Afra (Melina Wörnle / neu dabei).

Die Vorstellungen:Die Premiere am Samstag um 20 Uhr im Kleinen Theater ist bereits ausverkauft. Weitere Aufführungen sind am 13. und 21. April sowie am 1. Mai. Karten gibt’s bei GAP-Ticket (Telefon: 0 88 21/ 7 30 19 95), beim Kreisboten (0 88 21/79 90) und an der Abendkasse.

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