Gemeinderat Garmisch-Partenkirchen: Grüne und CSU erstarken - Kräfteverhältnisse bleiben aber gleich

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Die Wahl zum Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat hat zwei Sieger: Bündnis 90/Die Grünen und die CSU. Beide Parteien legten zu – die Grünen noch mehr als die Schwarzen. Die Öko-Partei verdreifachte im Vergleich zu 2014 ihre Prozentzahl. Fraktionschef Dr. Stephan Thiel sieht sogar noch Luft nach oben.

Garmisch-Partenkirchen – Die persönliche Niederlage hat Dr. Stephan Thiel schnell verwunden. „Als ich unser Gemeinderatsergebnis gesehen habe, ist es mir gleich wieder viel besser gegangen. Ich bin darüber hinweg“, sagt der Bürgermeisterkandidat von Bündnis 90/Die Grünen, der den Einzug in die Stichwahl, die Elisabeth Koch (CSU) und Amtsinhaberin Dr. Sigrid Meierhofer unter sich ausmachen, klar verpasst hatte. Bündnis 90/Die Grünen haben als Partei ein Spitzenergebnis erreicht und das Resultat von 2014 verdreifacht. „Damit sind wir zweitstärkste Fraktion, und das tröstet über meinen anfänglichen Frust hinweg. Ich dachte, Garmisch-Partenkirchen sei reif für einen grünen Bürgermeister. Dem ist wohl nicht so.“

Offenbar aber für grüne Politik. Thiel sieht seine Partei „nach dem hervorragenden Ergebnis“ auf einem guten Weg. „Aber es gibt noch Luft nach oben.“ Man habe natürlich vom Bundestrend, der die ökologischen Fundis und Realos beim Deutschlandtrend ebenfalls als die Nummer zwei ausweist, profitiert. Damit stellt Thiel aber sein Licht unter den Scheffel. Er ist die Galionsfigur der Garmisch-Partenkirchner Grünen, der Mann, der unaufgeregt zu vielen Themen das Richtige sagt, der sich nicht scheut, Klartext zu reden. Und der zu messerscharfer Analyse fähig ist.

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 Alexandra Roos-Teitscheid (früher CSB) und Ex-Freie-Wähler-Urgestein Peppi Braun, die beide während der ablaufenden Wahlperiode in Grünen-Lager gewechselt waren, wirkten neben Thiel als Stimmenmagneten. „Es werden gerne Köpfe gewählt“, sagt Thiel. Soll heißen: Menschen, die der Wähler kennt, die ihm vertraut sind. Opfer ihres geringen Bekanntheitsgrads ist Karina Winkler geworden, auf der Grünen-Liste als Spitzenkandidatin gesetzt. Dass sich das ändert, daran will Thiel arbeiten. „Wir müssen junge Leute nach vorne bringen.“

CSU wird weiblicher

Dieses Ziel hatte auch die CSU. Gelungen ist es nicht. Benjamin ist mit 37 Jahren Michael Reim junior, der als fünftbester CSU-Kandidat erstmals in den Gemeinderat einzog. Ein Ziel verpasst, mehrere andere erreicht. Die CSU wird weiblicher. War Elisabeth Koch sechs Jahre lang allein unter Männern, so bekommt sie nun Unterstützung durch Christine Sontheim und Katrin Ostermair-Maurer. Viel wichtiger allerdings: Die Christsozialen haben ihre Position als größte Fraktion ausgebaut. „Das Ergebnis ist sehr erfreulich und ein großes Stück Vertrauen“, sagt Claus Gefrörer. „Wir haben unsere Vorgabe mehr als erfüllt.“ Die zwölf Sitze runden das Bild ab, nachdem Koch auch als Favoritin in die Stichwahl geht. „Dass wir in Zukunft die Bürgermeisterin stellen, ist realistisch“, sagt der CSU-Ortsvorsitzende, dem der Wiedereinzug in den Gemeinderat gelang – wenn auch nur als Nummer zehn. In dem Gesamtergebnis sieht er die Bestätigung der Arbeit der vergangenen sechs Jahre, in der die CSU nicht nur Opposition gemacht habe. „Wir haben auch gestaltet.“ Und einen Wahlkampf geführt, in dem man bewusst nicht auf Konfrontation zum politischen Gegner gegangen war. „Wir haben unsere Stärke aus den Persönlichkeiten gezogen.“

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Die Kräfteverhältnisse im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat zwischen dem konservativen und dem rot-grünen Lager sind in etwa gleich geblieben. SPD-Wähler sind wahrscheinlich zu Bündnis 90/Die Grünen gewechselt, die CSU hat vor allem von der Schwäche des CSB profitiert. Deren Absturz kommt für Gefrörer „wenig überraschend“. Das CSB habe mit Thomas Schmid, der Ex-Bürgermeister war nach der Wahlniederlage 2014 aus Garmisch-Partenkirchen geflüchtet, sein Zugpferd verloren. Ebenso hat Gefrörer mit dem Erstarken der Grünen gerechnet. Den Wahlkampf, den die Öko-Partei für ihre Zielgruppe geboten hat, bezeichnet er als „nicht schlecht. Ich habe sie sogar noch etwas stärker erwartet“. Ein Albtraum ist nicht eingetreten. Die Alternative für Deutschland (AfD) hat zwar den Einzug in den Gemeinderat geschafft, blieb aber mit nur einem Mandat weit hinter dem zurück, was Gefrörer befürchtet hatte. „Ich habe es erfreut zur Kenntnis genommen.“

Die Gemeinderäte:

CSU: Elisabeth Koch (9917 Stimmen), Wolfgang Bauer (8144), Hermann Guggemoos (6560), Michael Reim junior (6158), Hannes Biehler (5489), Michael Bräu (5225), Kathrin Ostermair-Maurer (4789), Markus Baur (4704), Christine Sontheim (4450), Claus Gefrörer (4396), Anton Witting (4225), Dr. Günter Steinebach (3924). 

Bündnis 90/Die Grünen: Dr. Stephan Thiel (4577), Alexandra Roos-Teitscheid (3981), Peppi Braun (3886), Dr. Christl Scheuber-Maurer (3206), Dr. Rainer Steinbrecher (2435). 

SPD: Dr. Sigrid Meierhofer (5829), Michael Simon (1804), Alois Schwarzmüller (1614). 

Freie Wähler: Lilian Edenhofer (3255), Daniel Schimmer (1950), Martin Kurschatke (1896)

CSB: Claudia Zolk (3974), Dr. Markus Wäckerle (2783). 

Bayernpartei: Andreas Grasegger (4290), Hubert Filser (2747). 

AfD: Albert Grasegger (2464).
Garmisch+Partenkirchen miteinander: Anton Hofer (3444).
FDP: Martin Schröter (2658).

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