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Komplett abgerissen wird der Gebäudeteil im Süden aus den 1970er Jahren bis zu den gelben Fenstern. Dort beginnt der historische Bau.

Generalsanierung in Garmisch-Partenkirchen

Das Türmchen von St. Irmengard wird gerettet

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Nur noch Mauerreste stehen, nächste Woche dürfte nichts mehr übrig sein vom Gebäude aus den 1970ern, von den Zeichensälen darin und den Klassenzimmern. Die über 60 Millionen Euro teure Generalsanierung der St. Irmengard-Schulen kommt voran. Auf ein Element wird dabei besonders gut aufgepasst.

Garmisch-Partenkirchen – Das Knarzen der Treppe, der Geruch nach gebohnertem Holz. Ja, das wird Otmar Würl schon vermissen, diesen Charme des Alten. „Das sind schöne Erinnerungen.“ Noch lieber aber schaut der Direktor des St. Irmengard-Gymnasiums nach vorne – voller Vorfreude. Denn für eine von Grund auf sanierte, moderne Schule verabschiedet er sich gerne von alten Dielen.

Täglich besucht Würl die Homepage der Schulen mit Gymnasium, Realschule und Fachoberschule und betrachtet die Webcambilder der Baustelle. Jeden zweiten Tag etwa schaut er persönlich vorbei an der Hauptstraße im Ortsteil Partenkirchen. Seit Baubeginn im Februar hat sich dort viel getan. Nur noch wenige Mauern stehen vom alten Gebäude aus den 1970er Jahren, Ende nächster Woche wollen die 16 bis 18 Arbeiter, die aktuell täglich an der Baustelle werkeln, den Abbruch abschließen (siehe Kasten). Parallel dazu läuft die Entkernung im historischen Altbau. Bislang blieben unangenehme Überraschungen aus.

Kurz ein wenig unruhig aber wurde Würl vor wenigen Tagen beim Blick auf die Webcam. Denn die Abrissbagger kamen dem Türmchen auf dem Dach immer näher. Vereinbart war: Der Turm samt Kreuz wird gerettet und später ein Stück weiter nördlich wieder auf das historische Gebäude aufgesetzt. Vorsichtshalber rief Würl Projektleiter Jochen Weber an und erkundigte sich, ob die Arbeiter diese Turm-Sache im Blick haben. „Hatten sie natürlich.“ Mehrmals hebt der Direktor die gute Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Hitzler aus München und Weber hervor.

Als „richtig spannend“ empfindet Würl das Projekt, zumal er und seine Kollegen von Anfang an eingebunden waren. „Uns wurde nichts übergestülpt.“ Vielmehr meldete das Kollegium dem Erzbischöflichen Ordinariat von München und Freising über die Jahre, wo Sanierungsbedarf besteht. Sei es, was die technische Einrichtung in Klassenzimmern, Lärmschutz, Akustik, Schalldämmung, Energiefragen, oder den fehlenden Raum für Veranstaltungen betraf. Die Erzdiözese als Träger reagierte „und hat unsere Wünsche übererfüllt“, sagt Würl. Für geschätzt 60,7 Millionen Euro bekommen er, die Lehrer und die knapp 1000 Schülerinnen von Gymnasium, Realschule und FOS eine „tolle, moderne Schule mit allem, was wir brauchen“. Dazu gehören eine neue Turnhalle und Aula.

Bis dahin haben die Mädchen und das Kollegium in den Containern auf dem ehemaligen PX-Gelände an der Bahnhofstraße ihr schulisches Zuhause gefunden. Dort fühlen sie sich rundum wohl, sagt Würl. Nichts erinnere im Innern an Container. Ein Gefühl von Heimweh komme so bei niemandem auf. „Aber dass wir am Ende nicht mehr ausziehen wollen, so weit kommt es sicher nicht.“

Der Zeitplan im Überblick

Gute Nachrichten: Aktuell läuft auf der Großbaustelle an der Hauptstraße 45 in Garmisch-Partenkirchen alles nach Plan. Projektleiter Jochen Weber vom Münchner Ingenieursbüro Hitzler gibt einen Überblick über wichtige Daten der Schulsanierung. Bis 18. Mai: Abriss des Gebäudeteils aus den 1970er Jahren. Im Anschluss: Aushub der Baugrube. Anfang Juni: Start der Rohbauarbeiten für den Neubau. Mitte Juni: Start der Rohbauarbeiten im Bestand. Juli und August: Dachstuhl des historischen Altbaus wird erneuert. Anfang August: Start der Fassadenarbeiten im Bestand. Die Fenster des historischen Altbaus werden ebenfalls getauscht und in Anlehnung an den Altbau detailgetreu erneuert. September: Beginn des Innenausbaus. Februar/März 2020: Fertigstellung der Schulgebäude September 2020: Fertigstellung der neuen Turnhalle zum Schuljahresbeginn 2020/21.

Kunstwerk aus gefällten Bäumen

Die Generalsanierung der St. Irmengard-Schulen samt Neubau forderte Opfer: Vier Buchen und eine Linde mussten gefällt werden. „Das hat schon wehgetan“, sagt Gymnasiums-Direktor Otmar Würl. Doch das Schulleiter-Team hat eine Lösung gefunden, die alle „tröstet und zufriedenstellt“. Zur Einweihung der neuen Gebäude werden erneut fünf Bäume gepflanzt. Sie sollen genau die Größe haben wie jene Buchen und die eine Linde, die 1930 beim Bau der Schule auf dem Hof eingesetzt und nun umgeschnitten wurden. „Dann wächst da eine neue Generation an Bäumen heran“, sagt Würl. Doch sollen die alten nicht einfach verschwinden. Daher nahmen der Direktor und sein Team Kontakt mit der Schule für Holz und Gestaltung in Garmisch-Partenkirchen auf. Sie sollen aus dem Holz der alten Bäume ein Kunstwerk schaffen, das dann seinen Platz in der neuen Schule findet. „Dann leben sie irgendwie weiter.“ Noch wird geplant und überlegt. Doch Würl ist überzeugt, dass etwas Schönes entsteht.

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