Schwierige Lebenssituation bei Urteil berücksichtigt

Gnade für Rauschgift-Kurier

Garmisch-Partenkirchen - Er bekommt noch eine Chance: Statt einer Gefängnisstrafe wird ein 20-jähriger Garmisch-Partenkirchner nur zu zwei Wochen Arrest verurteilt. Drogendelikte brachten den jungen Mann auf die Anklagebank. 

Er ist ein klassisches Beispiel dafür, wie ein Gericht mit wohldosierter Ahndung einem jungen Menschen nach strafrechtlichen Verfehlungen und beruflicher Hoffnungslosigkeit doch noch eine Chance zur Umkehr gibt. Denn nach einem fünffachen Drogendelikt wären für den 20-jährigen Garmisch-Partenkirchner angesichts zweier vorangegangener Bewährungsstrafen nach Meinung des Staatsanwalts mehr als zwei Jahre Jugendgefängnis fällig gewesen. Doch das Schöffengericht verhängte lediglich zwei Wochen Arrest, allerdings mit der Verpflichtung, sich unter amtlicher Kontrolle um eine Arbeitsstelle zu bemühen.

Bislang hatte sich der ehemalige Förderschüler nur als Ein-Euro-Helfer in einer Sozialorganisation betätigt und nur wenig Hoffnung, es beruflich jemals weiterzubringen. Staatsanwalt Dr. Andreas Ehresmann umriss die Drogendelikte des jungen Mannes gleich zu Beginn der Verhandlung: Im Januar 2016 war er für einen Garmisch-Partenkirchner, den er unter einem Spitznamen zufällig kennengelernt hatte, als eine Art Rauschgift-Kurier tätig: Der Gleichaltrige, der sich als süchtig nach Marihuana bezeichnet habe, gab ihm jeweils 30 Euro. Für dieses Geld bekam der Angeklagte jeweils von einem Bewohner des Partenkirchner Asylbewerberheims ein paar Gramm Marihuana, die er anschließend bei seinem Auftraggeber abliefern sollte.

„Der hätte doch das Zeug auch selber kaufen können“, warf Vorsitzender Richter Paul Georg Pfluger ein. Doch der 20-Jährige entgegnete: „Ich habe das nur gemacht, weil er mich ständig genervt hat, ich müsse das für ihn besorgen. Jedes Mal rief er vorher an, wir sind dann zu diesem Haus gegangen, und einer der Asylanten übergab mir dann die Droge, die er aus München bezogen hatte.“

Um wie viele Gramm es sich handelte, das wisse er selbst nicht, und „nur einmal hab’ ich selber auch etwas geraucht“ – allerdings ohne eine Wirkung zu spüren, gab er vor Gericht zu. Dann werde es wohl ein „G’lump“ gewesen sein, kommentierte der Richter trocken. „Ihnen hätte er ja womöglich auch getrocknete Brennnessel geben können.“

Die Identität des Auftraggebers, für den der junge Werdenfelser die Botengänge tättigte, bleibt ein Rätsel. Der junge Werdenfelser hat, wie ein Kriminalbeamter erklärte, dessen Telefonnummer von seinem Handy gelöscht. Die Konsequenz: Er saß als alleinschuldiger Drogenkurier auf der Anklagebank. Und das unter der Last von fünf Vorstrafen, die vom Diebstahl bis zur Sachbeschädigung reichten. Überdies hatte er allein im vergangenen Jahr zwei Urteile mit längeren Bewährungsstrafen bekommen, weshalb auch der Staatsanwalt für den doppelten Bewährungsversager eine Jugendstrafe von zwei Jahren und drei Monaten beantragte.

Eindringlich wies jedoch Verteidiger Franz Großhauser auf das nicht ganz leichte bisherige Leben des jungen Mannes hin. Auch angesichts des Geständnisses appellierte der Anwalt an das Schöffengericht, seinem Mandanten eine letzte Chance zu geben, statt ihn einzusperren. Nach längerer Beratung folgte das Gericht diesem Plädoyer.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa symbolbild

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